Würselener Firma sorgt für mehr Sicherheit im Millionenspiel

Von: Roman Sobierajski
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Der Ball hat die Linie überquert, die Uhr des Schiedsrichters signalisiert „Goal“ nach 57 Spielminuten. Die Spieler auf der Linie in ihren schwarz-weißen Kluften gehören zur Standard-Versuchsanordnung, sie sollen das Messsystem zusätzlich „verwirren“. Foto: GoalControl

Würselen. Der zurückliegende Spieltag der Fußball-Bundesliga war eigentlich wie gemalt für Dirk Broichhausen: Hannovers Stürmer Didier Ya Konan bugsiert im Spiel gegen Eintracht Frankfurt den Ball ins Tor, doch Schiedsrichter Bastian Dankert verweigert dem Treffer die Anerkennung, weil aus seiner Sicht die Torlinie nicht komplett überquert war.

„In diesem Spiel kann es bei der Frage ‚Tor ja, Tor nein?‘ um Millionensummen gehen“, meint der Geschäftsführer der Firma GoalControl. „Wird das Tor anerkannt und Frankfurt geht als Sieger vom Platz, heißt das, Vierter in der Tabelle, Qualifikation für die Champions League, Millionen-Einnahmen.“

Seit einer Woche hat das Würselener Unternehmen, das sich mit Torlinientechnik beschäftigt, die offizielle Fifa-Lizenz vorliegen. Alle Tests wurden mit Bravour und Sternchen bestanden. Schon für den Confederations Cup, der Mitte Juni beginnt, und auch für die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien hat die Fifa für die Einführung dieser Technologie, die innerhalb einer halben Sekunde die ewige Frage „rein oder nicht rein“ verlässlich klärt, grünes Licht gegeben. Auch die englische Premier League will ab der kommenden Saison die magische Linie zwischen den Pfosten überwachen lassen. „Die Fernsehtechnik wird immer besser, es gibt immer mehr Kameras in den Stadien, die Zuschauer können sich immer besser in die Spielsituation reinversetzen“, schätzt Broichhausen ein. „Zukünftig wird man auf das Hilfsmittel Torlinientechnik nicht verzichten können.“

Toilettenpapier und Laserpointer

Im Wettbewerb sind zwei unterschiedliche Technologien vertreten: Zum einen die magnetfeldgestützte Kontrolle, die über einen Computerchip im Ball entscheidet, ob ein regulärer Treffer erzielt wurde, zum anderen das kamerabasierte System, dem sich auch die Würselener Firma GoalControl verschrieben hat. Sieben Hochleistungskameras werden rund um die Tore in überlappenden Winkeln unter dem Stadiondach montiert, über Glasfaserkabel fließen die Bilder in einen starken Rechner, der die exakte Position des Balles von der ersten bis zur letzten Sekunde nachverfolgen kann. Genauigkeit: fünf Millimeter. Der Schiedsrichter erhält umgehend die Anzeige „Goal“ auf seine Armbanduhr in dem Moment, in dem die Kugel mit vollem Durchmesser die Torlinie überquert hat.

Welche Tücken im Detail lauern können, zeigen auch die Anforderungen, die die Fifa an die Testanordnungen geknüpft hat: So flogen zeitgleich mit dem Ball Toilettenpapier-Rollen Richtung Torlinie, geworfen von „begeisterten Zuschauern“ auf den Rängen. Der Einsatz von Laserpointern forderte die Auswertung ebenso wie Schneefall, sich bewegende Spieler in schwarz-weißen Trikots auf der Torlinie sollten für Verwirrung sorgen. Der Computer darf einen Kopf mit Resthaar nicht irrtümlich für den Ball halten – und wo befindet sich dieser eigentlich genau, wenn sich der Torwart mit seinem Körper draufgeworfen hat? Und wie sieht ein Ball genau aus, auf den gerade heftig eingedroschen wurde? Rund, gestaucht, gestreckt?

Generell sieht Dirk Broichhausen die Vorteile bei der Technik mit den Kameras statt bei den in den Bällen eingelassenen Chips, was wenig verwundert, schließlich will seine Firma GoalControl genau dieses System an den Mann bringen. Doch der 46-Jährige kann auch einleuchtende Argumente dafür anbringen: „Für die Chiptechnik müssen im Bereich vor dem Tor Spulen verlegt werden, doch gerade in diesem Bereich muss der Rasen häufig ausgetauscht werden. Hinzu kommt, dass etwa auf Schalke, wo wir neben Düsseldorf unsere Tests durchgeführt haben, der Rasen alle zwei Wochen aus dem Stadion rausgefahren wird. Feste Einbauten stören da nur.“

Weiterer Nebeneffekt: Die Fifa hat den Wettbewerbs-Veranstaltern das Recht eingeräumt, sogenannte „Replays“ auf den Videoleinwänden abzuspielen. Und diese grafische Aufarbeitung aus einem zuschauerfreundlichen Winkel ist ebenfalls nur mit der hohen Rechnerleistung der Kameratechnik umzusetzen, die pro Stadion-System mit 250.000 Euro zu Buche schlägt.

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