WM-Siegerin Kati Wilhelm: „Den Sieg wollte ich mir aufheben”

Von: Uwe Jentzsch und Volker Gundrum, dpa
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Die Goldmedaillengewinnerin Kati Wilhelm (M) aus Deutschland, die zweitplatzierte Slowenin Teja Gregorin (l) und die Dritte Tora Berger aus Norwegen freuen sich bei der Biathlon-Weltmeisterschaft im südkoreanischen Pyeongchang nach dem Einzelwettbewerb der Frauen über 15 Kilometer über ihre Medaillen. Foto: dpa

Pyeongchang. Mit zwei Goldmedaillen und einmal Silber ist Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) bereits bei Halbzeit der Biathlon-WM im südkoreanischen Pyeongchang so erfolgreich wie nie zuvor bei Welttitelkämpfen. Nach dem Sieg im Einzelrennen stellte sich die dreimalige Olympiasiegerin zum Interview.

Welchen Wert hat für Sie der erste Sieg im Biathlon-Klassiker über 15 Kilometer?

Kati Wilhelm: „Alle anderen Disziplinen hatte ich schon gewonnen. Deshalb war der Sieg im Einzel mein heimliches Ziel. Aber den wollte ich mir eigentlich für Olympia in Vancouver aufheben. Ich fühle mich jetzt sehr glücklich und sehr zufrieden. Einige hatten mir den Sieg im Einzel schon nicht mehr zugetraut. Ich wusste aber, dass ich es kann, auch weil ich inzwischen einen anderen Rhythmus als in den anderen Rennen schießen kann. Wenn ich früher sehr lange gezielt habe, gings meist daneben. Inzwischen fallen die Scheiben.”

Wie erklären Sie sich ihre Erfolgsserie in Pyeongchang?

Wilhelm: „Wenns läuft, dann läufts. Wenn man erfolgreich in eine WM startet, tut man sich ein bissel einfacher, die guten Trainingsergebnisse auch in den Wettkampf rüberzubringen. Drei Rennen, zwei Siege und einmal Silber, das ist überwältigend. Ich hatte aber auch schon einige magere WM-Jahrgänge. Ich war schon die ganze Saison sehr stabil beim Schießen. Das gibt Selbstvertrauen.”

Weshalb haben Sie sich vor der Sieger-Pressekonferenz ein Bierchen genehmigt?

Wilhelm: „Das habe ich bei allen Medaillengewinnen gemacht und mit unserem Pressesprecher Stefan Schwarzbach angestoßen. Offensichtlich hats geholfen. Damit aber keine falschen Gedanken aufkommen: Es war ein alkoholfreies Bier, damit ich mit der Urinabgabe bei der Dopingkontrolle schneller fertig werde.”

Wann haben Sie entschieden, auf die Mixed-Staffel am Donnerstag zu verzichten?

Wilhelm: „Heute früh beim Joggen habe ich lange nachgedacht und geschwankt zwischen ja, nein und vielleicht. Dann kam der Gedanke: Wenn ich heute eine Medaille gewinne, brauche ich die Mixed-Staffel nicht. Beim Laufen hat man Zeit. Besser man denkt da als am Schießstand. Und als Uwe Müssiggang kam und vorschlug, dass Andrea Henkel laufen soll, war ich sofort einverstanden.”

Welche Ziele haben Sie noch für die WM?

Wilhelm: „Klar könnte ich jetzt relaxt an die Sache rangehen, aber irgendwie pusht mich auch der Gedanke, die Erfolgreichste der WM werden zu können. Mit noch einer Medaille mehr nach Hause zu fahren, wäre auch nicht so schlecht. Ich nehme mit, was möglich ist. Wenn jetzt ein Wettkampf daneben geht, ist es leichter zu verkraften. Aber nicht die Staffel. Da haben wir uns viel vorgenommen!”.

Wer hat die Goldski für Sie ausgewählt?

Wilhelm: „Mein Freund Andreas Emslander. Er ist ja seit Jahren mein Skitechniker. Ich vertraue ihm normalerweise immer blind. Heute hab ich ihn aber noch mit meinen zweitbesten Ski auf die Test-Runde geschickt.”
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