Aachen - WM 2018: Die etablierten Stars und die potenziellen Sternchen

WM 2018: Die etablierten Stars und die potenziellen Sternchen

Von: bph
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Weltmeisterschaft WM Russland Ronaldo Messi Neuer
Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Manuel Neuer: Die beiden Offensivspieler aus Portugal und Argentinien und der deutsche Torwart haben auf ihren Positionen im Weltfußball neue Maßstäbe gesetzt und gehören zu den absoluten Top-Stars der Weltmeisterschaft 2018 in Russland.

Aachen. Vom 14. Juni bis zum 15. Juli wird in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Deutschland will den Titel verteidigen und mit dem fünften Stern mit Brasilien gleichziehen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, dass wieder die ganz Großen der Fußballwelt aufeinander treffen. Und die, die es werden wollen. Wir stellen einige der Stars und Sternchen vor.

Von Ronaldo und Messi über Müller und Neymar bis hin zu Tolisso und Kane: Bei der WM ist fast alles dabei, was Rang und Namen hat - und nicht für die Niederlande oder Italien spielt. Los geht es mit den etablierten Spielern, den Helden in Shorts, die auf jeder Ü30-Party willkommen sind, den Unsterblichen.

Unsere Ü30: Die Unsterblichen

Fußball ist ein Mannschaftssport, das ist klar. Und doch gibt es Spieler, die herausragen, die den Unterschied machen und dem Team mit ihrer Erfahrung weiterhelfen. Sie haben schon viele Schlachten geschlagen, teils bittere Niederlagen einstecken müssen und sind doch immer wieder aufgestanden. Sie haben dem Welt-Fußball ihren Stempel aufgedrückt und gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Unsere Top-Ü30-WM-Teilnehmer:

Cristiano Ronaldo

Fußball-Fans lieben oder hassen ihn, aber seine Erfolge sprechen Bände: Der Kapitän der Portugiesen ist der erste Spieler der Champions-League-Ära, der den Henkelpott gleich fünfmal gewinnen konnte. Zuletzt dreimal in Serie mit Real Madrid. Bei den Königlichen hat „CR7“ in über 400 Pflichtspielen mehr als ein Tor pro Partie erzielt. Was für eine Quote! Der dreimalige Weltfußballer führte seine Nation 2016 zum Gewinn der Europameisterschaft und will auch bei der WM um den Titel mitspielen.

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Ob es ihm gelingt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall können sich die Zuschauer auf seine Übersteiger freuen. Und seine ganz speziellen Freistöße. Und Kopfbälle. Und natürlich Übersteiger.

Lionel Messi

„La Pulga“ ist ein Phänomen. Als Kind litt er unter einer Wachstumsstörung. Aufgrund seiner geringen Körpergröße und den hohen Behandlungskosten nahmen ihn bekannte argentinische Vereine trotz seines Talents nicht auf. Seine Eltern wandten sich an den FC Barcelona und „Leo“ begeisterte die Jugendtrainer in Spanien mit seinem Können. Sie verpflichteten das dribbelstarke Talent und zahlten seine Therapiekosten. Das sollte sich für die Katalanen als eine der besten Investitionen aller Zeiten herausstellen. Messi ist seit der Saison 2004/2005 Teil der ersten Mannschaft und entwickelte sich schnell zum Dreh- und Angelpunkt. Bereits mit 24 Jahren wurde er zum Rekordtorschützen des Vereins und mit rund 400 Treffern auch der spanischen ersten Liga. Allein zwischen 2009 und 2012 wurde er viermal in Folge Weltfußballer des Jahres, gewann mit Barcelona viermal die Champions League und die Liste könnte ewig so weitergehen.

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Auch in der argentinischen Nationalmannschaft ist der kleine Wirbelwind Rekordtorschütze und führt die Albiceleste als Kapitän aufs Feld. Der ganz große Erfolg ist ihm mit seinem Heimatland allerdings noch nicht gelungen. Ganz nah dran war er bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Im Finale unterlagen Messi und seine Mannschaft allerdings dem deutschen Team. Das soll in Russland nicht wieder passieren. Gemeinsam mit Gonzalo Higuain, Sergio Agüero und Paulo Dybala bildet er zumindest eine der stärksten Offensivreihen des Turniers. Aber auch alleine kann er jedes Stadion mit seinen Kunststücken verzaubern.

Manuel Neuer

Den 18. September 2017 wird Manuel Neuer so schnell nicht vergessen. Im Training verletzte sich der Torwart des FC Bayern München am linken Fuß. Es folgte eine Operation und eine lange Leidenszeit. Der Kapitän des Rekordmeisters und der Nationalmannschaft kehrte erst vor dem 31. Spieltag der Bundesliga zurück ins Mannschaftstraining, bestritt in der Saison 2017/18 aber keine Partie mehr. Über einen möglichen Einsatz wurde immer wieder diskutiert, vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Russland.

Im Kern ging es um die Fragen: „Kann Jogi Löw einen Torwart nominieren, der fast ein Jahr lang keine Spielpraxis sammeln konnte?“ und „Kann Jogi Löw den weltbesten Keeper zuhause lassen?“. Der Bundestrainer berief seinen Kapitän ins vorläufige Angebot und stellte klar: „Wenn Manuel fit ist, fährt er als Nummer 1 mit. Ansonsten bleibt er zuhause.“

Im Testspiel gegen Österreich am 2. Juni stand Neuer erstmals in einem Spiel unter Wettkampfbedingungen wieder zwischen den Pfosten. Das Spiel ging zwar mit 1:2 verloren, der Keeper zeigt aber, dass Löw auf ihn bauen kann. Damit löste Neuer sein WM-Ticket und wird in Russland das deutsche Tor hüten.

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Unbestritten ist Manuel Neuer der weltbeste Torwart. Der gebürtiger Gelsenkirchener, der sein Bundesliga-Debüt auf dem Aachener Tivoli feierte, ist das Paradebeispiel moderner Keeper: Er hält nicht nur seinen Kasten mit spektakulären Reflexen sauber, er ist stets der erste Aufbauspieler seiner Mannschaften. Er initiiert das Angriffsspiel aus dem eigenen Sechszehner heraus und glänzt ab und zu auch als Vorbereiter, wie beispielsweise bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Im Achtelfinale traf Deutschland auf England und „Manu“ legte mit seinem Abstoß zum 1:0 für Miroslav Klose auf. In Russland wird der Torwart, der mit den Bayern auch schon die Champions League holte und 2014 Weltmeister in Brasilien wurde, in seine dritte WM als Stammtorwart gehen.

Luis Suárez

„El Pistolero“ gehört ohne Zweifel zu den besten Stürmern der Welt. Das hat der Uruguayer bei all seinen Stationen bewiesen: In Amsterdam waren es 81 Treffer in 110 Spielen, in Liverpool 69 Tore in 110 Spielen und in Barcelona hat er in 130 Partien schon 110 Treffer erzielt. In seinem Heimatland genießt der Rekordtorschütze der Nationalmannschaft höchste Anerkennung.

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Doch Suárez fiel in seiner Karriere auch immer wieder negativ auf. Allein dreimal wurde er sanktioniert, weil er seine Gegenspieler gebissen hat - eine solche Quote kann noch nicht einmal Mike Tyson für sich verbuchen. 2010 knabberte er erstmals an einem Kontrahenten. Nach einem Wortgefecht biss er Otman Bakkal in die Schulter. 2013 bekam Branislav Ivanović die Zähne des Uruguayers zu spüren. Und auch Giorgio Chiellini erschien 2014 wohl ganz appetitlich.

Bei der Weltmeisterschaft in Russland wird Suárez wieder dabei sein und sich hoffentlich aufs Toreschießen beschränken. Das hilft seiner Mannschaft am meisten und ist auch gesünder für die Zähne - und die Gegner.

Sergio Ramos

Spanischer Meister, Champions-League-Sieger, Europa- und Weltmeister: Sergio Ramos von Real Madrid hat in seiner Karriere so ziemlich alle Titel gesammelt, die ein Spieler im Laufe seiner Karriere sammeln kann. Trotzdem gibt es kaum jemanden, der in jedes Spiel so motiviert geht, wie der königlichen Kämpfer. Der Innenverteidiger ist absoluter Führungsspieler bei Real und in der spanischen Nationalmannschaft. Wenn der Begriff „Aggressive Leader“ auf einen Spieler passt, dann mit Sicherheit auf Ramos. 

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Im Anschluss an den dritten Champions-League-Triumph in Folge mit Real Madrid wurde er wieder wegen seiner harten Spielweise kritisiert. Nach einem Zweikampf mit Ramos musste Liverpools Mo Salah verletzt ausgewechselt werden. Und auch Loris Karius, deutscher Torhüter im Kasten der Engländer, machte Bekanntschaft mit „SR4“. Eine Gehirnerschütterung war die Folge. 

Nicht umsonst führt Ramos in der spanischen Liga und in der Nationalmannschaft die Ranglisten der gelben und roten Karten an. Für jede gegnerische Mannschaft ist der Verteidiger ein Fluch. Er hat nicht nur ein außergewöhnlich gutes Stellungsspiel, mit seiner Kopfballstärke trifft er häufig nach Standars, vor allem in wichtigen Situationen, Atlético Madrid kann ein Lied davon singen. Für das eigene Team ist er der Motivator und Antreiber, der gerne die Drecksarbeit übernimmt und sich für keinen Zweikampf zu schade ist. Auch bei der Weltmeisterschaft in Russland werden ihn die Fußballfans für seine Tacklings wieder lieben oder hassen.

Andrés Iniesta

Die Jugendakademie des FC Barcelona hat schon einige Stars hervorgebracht. Wer La Masia erfolgreich durchläuft, hat große Chance auf eine Karriere als Fußballer. Andrés Iniesta kam im Alter von zwölf Jahren nach Barcelona und wurde bei den Katalanen zur Legende. Von 2002 bis 2018 absolvierte er 443 Spiele für die Blau-Karmin-Gestreiften.

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Neben seinen Mitspielern wie Ronaldinho, Thierry Henry oder Lionel Messi wirkte der Spanier häufig unscheinbar, aber für das Spiel der Katalanen war er unverzichtbar. Im Mai 2018 wechselte er zum nahenden Karriereende nach Japan zu Vissel Kōbe. Dort trifft er auf den ehemaligen deutschen Nationalspieler Lukas Podolski, der seit 2017 in Asien aktiv ist. Vorher macht Iniesta aber noch einen Abstecher nach Russland. Bei der Weltmeisterschaft will er mit Spanien den Erfolg von 2010 wiederholen, als er im Finale in Südafrika den entscheidenden Treffer zum Titel erzielte.

Luka Modrić

In einer Mannschaft zu glänzen, in der Cristiano Ronaldo das Aushängeschild ist, ist keine dankbare Aufgabe. Luka Modrić aber erfüllt sie bei Real Madrid nahezu in Perfektion. Der Kroate, der seit 2012 in Diensten der Königlichen steht, ist für das Spiel der Madrilenen unverzichtbar. Auch dank seinen Leistungen konnte der spanische Hauptstadt-Klub die Champions League dreimal in Folge gewinnen. Nicht umsonst bezeichnete Manchester-United-Trainer-Legende Sir Alex Ferguson Modrić bereits zu dessen Tottenhamer Zeit auf der Insel als besten Mittelfeldspieler der Premier League.

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Seit 2006 trägt „El Pony“, diesen Spitznamen gaben ihm die Real-Fans aufgrund seiner Statur und langen Haare, auch das Trikot der kroatischen Nationalmannschaft, deren Kapitän er mittlerweile auch ist. Der ganz große Wurf ist ihm mit den „Kockasti“ noch nicht gelungen, doch wie so häufig könnten die Kroaten auch bei der Weltmeisterschaft in Russland wieder für die ein oder andere Überraschung sorgen. Mit Dejan Lovren, Ivan Rakitić, Ivan Perišić, Andrej Kramarić oder Mario Mandžukić stehen ihm erfahrene Mitspieler aus den besten Ligen Europas zur Seite.

Allerdings wird Modrić nicht ganz befreit aufspielen können. Im Zuge der Ermittlungen gegen den kroatischen Fußball-Paten Zdravko Mamic, der sich an den Verkäufen von Lovren und Modrić von Zagreb nach Lyon beziehungsweise Tottenham bereichert haben soll, ist auch das Mittelfeld-Ass von Real Madrid in den Fokus gerückt. Aufgrund möglicher Falschaussagen im Prozess gegen Mamic könnten Modrić mehrere Jahre Haft erwarten. 

Marcelo

Gerade frisch in die Auswahl des Jahres gewählt, wechselte Marcelo als 18-Jähriger im Januar 2007 zu Real Madrid. Bei den Königlichen sollte er als Nachfolger von Roberto Carlos aufgebaut werden. Marcelo hat zwar nicht so eine Schusskraft wie einst Roberto Carlos - welcher Fußballer könnte das auch von sich behaupten - aber ansonsten steht der Wuschelkopf seinem Vorgänger in nichts nach. Die Rolle des Außenverteidigers interpretiert der Brasilianer so offensiv, dass er in der Regel eher als Flügelstürmer unterwegs ist. Mit seinen Tempo-Dribblings, Vorstößen und unglaublichen Pässen (an dieser Stelle sei beispielsweise an seinen Pass auf Ronaldo im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League 2017/2018 gegen Paris St. Germain erinnert) sorgt er stets für Chaos in der gegnerischen Hälfte.

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Auch in der Nationalmannschaft ist Marcelo unverzichtbar. Bereits im September 2006 debütierte er in der Seleção und erzielte gleich bei seiner Premiere seinen ersten Treffer. In Russland wird er bereits seine dritte Weltmeisterschaft spielen. Dort könnte es auch wieder zu einem Aufeinandertreffen mit der deutschen Mannschaft kommen, an die Marcelo nicht unbedingt gute Erinnerungen hat. Im Halbfinale der WM 2014 verlor er mit seiner Mannschaft gegen das Team von Jogi Löw mit 1:7. Und das zuhause vor heimischem Publikum. 

Tim Cahill

Er ist „nur“ 1,78 Meter groß und einer der besten Kopfballspieler seiner Zeit: Tim Cahill ist Rekordtorschütze der australischen Nationalmannschaft und mit 38 Jahren einer der ältesten Teilnehmer der Weltmeisterschaft in Russland. Die Berufung in den Kader der „Socceroos“ kam trotz seines Legenden-Status etwas überraschend - er wird wahrscheinlich nicht über die Rolle des Edeljokers hinauskommen.  

Ozeaniens Fußballer des Jahres 2004 kann bei seiner vierten Endrunde etwas schaffen, was bislang lediglich drei anderen Spielern gelungen ist. Nur Pelé, Mirsolav Klose und Uwe Seeler erzielten bei vier Weltmeisterschaften mindestens ein Tor. Dass der Angreifer, der auch im Mittelfeld auflaufen kann, überhaupt für Australien spielen darf, ist einer Änderung der FIFA-Regularien im Jahr 2004 zu verdanken. Im Alter von 14 Jahren absolvierte der Sohn eines Engländers und einer Samoanerin zwei Länderspiele für die U20 von Samoa, was ihn nach damaligen Regeln für die A-Auswahl der "Down Under" disqualifiziert hätte.

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Vor allem im Mutterland des Fußballs und seines Vaters sorgte er für Furore. Für den FC Millwall erzielte er in der dritten und zweiten englischen Liga insgesamt 52 Tore, ehe er beim Erstligisten FC Everton anheuerte, wo ihm 56 Treffer gelangen. Nach Stationen in den USA und China gab der Klub aus dem Südosten Londons Anfang 2018 seine sensationelle Rückkehr bekannt. Millwalls Verantwortliche wollen sich nach der Weltmeisterschaft mit dem Altstar über seine Zukunft unterhalten.

Doch was wären unsere erfahrenen Recken ohne ihre Kollegen in der Blüte ihres Fußballer-Lebens. Weiter geht es auf Seite 2 mit den Spielern in ihren Zwanzigern.

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