Wimmer und Maroh: Die Türme der Kölner Viererkette

Von: Michael Krämer
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Das beste Innenverteidiger-Paar, das die 2. Fußball-Bundesliga zu bieten hat: Dominc Maroh (links) und Kevin Wimmer im Trainingslager des 1.FC Köln in Belek. Foto: Rainer Dahmen

Belek. Der Motor wummert, als Kevin Wimmer den Mannschaftsbus erreicht. Seine Mitspieler warten auf ihn, dabei ist der Österreicher eigentlich recht früh am Abfahrtsort: Die zweite Hälfte des Testspieles gegen Legia Warschau (2:2/1:1) hat noch nicht einmal begonnen.

Peter Stöger hat die Startelf aber bereits zur Pause ins Hotel und elf neue Feldspieler aufs Feld geschickt. Bei Temperaturen von gut 22 Grad in Belek genießt die Regeneration einen höheren Stellenwert als die mentale Unterstützung. Und so bleibt Wimmer nur Zeit für ein kurzes Halbzeit-Fazit: „Das war kein Augenschmaus. Warschau war schwer zu bespielen. Ein guter Gegner, der etwas spritziger war als wir. Doch wir werden uns von Tag zu Tag steigern.“ Obwohl die Mannschaft gegen den polnischen Spitzenreiter mehrfach unter Druck geriet, war Wimmer – Marcel Risse per Strafstoß und Maurice Exslager trafen für den FC – einer der besten Kölner. Wieder einmal. Und wieder einmal in Abstimmung mit Dominic Maroh. Die zwei Türme der Kölner Viererkette sind durch die Winterpause nicht ins Wanken geraten.

Entsprechend entspannt wirken beide. „Wir haben uns immer besser gefunden und mehr Sicherheit geholt. Wir haben oft zu Null gespielt, da steigt das Selbstvertrauen“, sagt Wimmer. Auch wenn Maroh der Chef der Viererkette ist, hat sich der 21-Jährige nach der bitteren Vorsaison zum Leistungsträger entwickelt.

Seinen Nebenmann überrascht die Entwicklung nicht. „Man konnte schon letztes Jahr sehen, welches Potenzial Kevin hat, körperlich und spielerisch.“ Nach Kevin McKenna, Bruno Nascimento und Roman Golobart ist Wimmer bereits der vierte Partner Marohs beim 1. FC Köln. „Er hat einen unglaublich starken linken Fuß. So stark ist mein rechter Fuß bei weitem nicht. Er hat Fähigkeiten, die ich vielleicht nicht habe. Das ist ein Grund des Erfolgs. Wenn jeder seine Fähigkeiten einbringt entsteht ein Gesamtkunstwerk“, sagt Maroh. Die Begeisterung brandet nicht einseitig auf, das Echo folgt prompt. „Wir ergänzen uns gut. Dominics Stellungsspiel hat mich immer fasziniert. Ich habe immer versucht, mir was abzuschauen. Auch, als ich letztes Jahr auf der Tribüne saß“, sagt Wimmer.

Seit der Beförderung in die Startelf am siebten Spieltag lernt Wimmer im Praxistest, Erfolge im Zeitraffer beflügeln den Eifer. Dem Stammplatz folgten das Debüt im Nationaltrikot Österreichs und das erste Zweitliga-Tor. Einfluss auf die „schwer zu fassende“ Entwicklung, die Wimmer „erst einmal verdauen und realisieren musste“, hatte auch Trainer Stöger – mit offener Kritik. „Er hat gesagt, dass es gut wäre, wenn ich zwei Kilogramm weniger hätte, weil ich mich dann fitter und spritziger fühlen würde. Das habe ich befolgt, und ich fühle mich auch frischer.“

In Mannschaftskreisen kursierte augenzwinkernd eine andere These für den plötzlichen Erfolg. Wimmer erinnert sich an die Neckereien der Kollegen. „Es hieß immer, dass ich durch den Trainerwechsel einen Ösi-Bonus habe. Aber am Anfang habe ich ja gar nicht gespielt...“ Maroh lässt das nicht gelten.“Der Trainer wollte das nicht zu auffällig machen. Wir wundern uns schon, dass Kevin als ein aus einer Wintersportnation stammender Spieler so gut mit dem Ball umgehen kann. Das ist doch sehr verwunderlich. Man rechnet damit, dass er sich eigentlich im Schnee wohler fühlt.“ Lachend fügt er hinzu: „Nein, im Ernst: Da kommen schon mal Sprüche, aber das ist alles lieb gemeint.“ Dennoch nimmt Wimmer bei seinem Landsmann eine spezielle Rolle ein. Er wird besonders beobachtet, die verstärkte Kontrolle begründet sich aber im jungen Alter, nicht in der Nationalität. „Ich werde bei ihm genau drauf schauen, dass er nicht eine Sekunde nachlässt. Er kann ein richtig guter Verteidiger werden, aber dafür muss er konsequent weiterarbeiten“, sagt Stöger.

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