Köln - Wie Doper ein Rennen kaputt gemacht haben

Wie Doper ein Rennen kaputt gemacht haben

Von: Olaf Jansen
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Köln. Artur Tabat sitzt in seiner Küche, nebenan im Wohnzimmer mit dem abgewetzten Sofa türmen sich Regale mit Radsport-Pokalen, -Trikots, -Büchern und vielen tausend Zeitungsartikeln. Hier, in der 1. Etage über Tabats kleiner Auto-Lackiererei in Hürth bei Köln, schlägt das Herz eines der wichtigsten deutschen Rad-Klassiker: „Rund um Köln”.

Seit Jahrzehnten hat Tabat „sein” Rennen mit einem kleinen Team Vertrauter organisiert. Hat es gehegt und gepflegt, auch in den größten Krisen Klinken geputzt, Profis umschmeichelt, eigenes Geld hineingesteckt. Die österliche 200 Kilometer-Hatz durch das bergige Terrain des Bergischen Landes ist traditionell der erste Höhepunkt der deutschen Radsport-Saison. Jetzt aber will der 67-Jährige nicht mehr. Besser: Er kann nicht mehr.

„Ich werde das nicht mehr lange machen, schon dieses Jahr hat mein Nachfolger Alexander Donike den Hauptteil der organisatorischen Arbeit übernommen”, flüstert Tabat. Wer den ansonsten vor Lebenslust und Eifer sprühenden drahtigen Mann kennt, spürt: Hier ist keine Kraft mehr. Tabat ist gesundheitlich angeschlagen, die Folgen eines Schlaganfalls hat er noch nicht vollkommen überwunden. Schlimmer hat ihn aber das Verhalten der Radprofis gekränkt: „Die immer weiter dopenden Jungs haben mir mein Rennen kaputt gemacht” sagt Tabat.

Die Ausgabe 2009 wird stattfinden, das ja. Am Ostermontag, wie immer. Aber sie wird in Zeiten unaufhörlicher Dopingskandale das Desaster des deutschen Radsports widerspiegeln wie noch nie zuvor. In Zusammenarbeit mit dem übertragenden Fernsehsender WDR haben Tabat und seine Leute schon vor Wochen beschlossen: Diesmal sollen bei „Rund um Köln” nur Nationalmannschaften starten. „Die Fahrer sollen ein Zeichen setzen. Sie sollen mit ihrem werbefreien Auftritt in zivil nach außen dokumentieren, dass auch sie am Anti-Doping-Kampf interessiert sind”, sagt Tabat.

Sein ausersehener Nachfolger Donike, der selbst früher Amateurfahrer war und seit einigen Jahren als UCI-Kommissär Schiedsrichter-Arbeit bei internationalen Rennen leistet, fügt hinzu: „Wir wollen mit dieser Entscheidung dokumentieren, dass der Sieger von Köln künftig stets der beste Sportler ist. Und nicht derjenige, der sich am besten gedopt hat.”

Radstars fahren in Nationaltrikots, die Sponsoren der Profiteams sollen außen vor bleiben - so der Plan. Die Appelle an die Herren Radprofis fielen allerdings auf weitaus unfruchtbareren Boden, als Tabat und Donike sich ausgemalt hatten. „Die Zusammenstellung des Fahrerfeldes erwies sich schwieriger als gedacht”, sagt Donike vorsichtig.

Die Wahrheit ist: Es sind 13 Mannschaften mit je acht Fahrern gemeldet, unter ihnen sind allein fünf deutsche Teams. Wer aber nicht ausgemachter Radsport-Spezialist ist, wird keinen der startenden Rennfahrer kennen. Sie entstammen sämtlich der dritten und vierten Kategorie der Profiszene.

Das Team Milram, letztes deutsches Team in der ersten Radsport-Liga, wird überhaupt nicht am Rennen teilnehmen. „Wir sind nicht eingeladen”, kommentiert dessen Manager Gerry van Gerwen kühl. „Erst haben wir vorgeschlagen, dass alle Nationalteams mit einem kleinen Milram-Schriftzug auf dem Trikot starten. Danach hatten wir die Idee, dass unsere Fahrer und Monteure allesamt beim parallel stattfindenden Jedermannrennen starten. Das wurde alles abgelehnt. Also machen wir jetzt gar nicht mit, denn unser Hauptsponsor soll hier für etwas büßen, an dem er keinerlei Schuld trägt”, lautete van Gerwens Schlusswort zum Thema.
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