Venlo - Wenn Fußball zur Nebensache wird: Lennart Thy spendet Stammzellen

Wenn Fußball zur Nebensache wird: Lennart Thy spendet Stammzellen

Von: pa
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Lennart Thy
Könnte ein Leben retten: Lennart Thy. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Venlo. Am Wochenende war Lennart Thy für die „Venlose Voetbal Vereniging Venlo“ im Einsatz, beim 2:3 gegen Excelsior Rotterdam schoss er den letzten Treffer. Danach verabschiedete er sich für ein paar Tage von seinem Team.

Der in Frechen geborene Stürmer hat bedeutendere Termine, er ist in den nächsten zwei Wochen von seinem Verein VVV Venlo freigestellt. „Es gibt wichtigere Dinge im Leben als den Fußball“, sagt er. Vielleicht geht es sogar um Leben und Tod. Der 26-Jährige könnte einem unbekannten Leukämie-Patienten das Leben retten.

Auf freiwilliger Basis hat sich Thy vor sieben Jahren typisieren lassen, wie viele seiner Kollegen damals im Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen. Der ehemalige Jugend-Nationalspieler „gehört" immer noch dem deutschen Bundesligisten, im Sommer ließ er sich nach Venlo für eine Spielzeit ausleihen.

Vor ein paar Tagen wurde der Stammzellenspender informiert, dass es tatsächlich eine DNA-Übereinstimmung gibt. So wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto sei das, hat er seinen Mannschaftskollegen am Anfang der Woche berichtet. Thy hat nicht lange überlegt und gleich seine Spendenzusage gegeben. Für viele Blutkrebspatienten ist eine Stammzellenspende die einzige Chance auf Heilung.

 

 

 

In Deutschland findet jeder zehnte Patient nach Angaben der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) jedoch keinen passenden Helfer. Thy ist einer von sieben Millionen registrierten deutschen Stammzellenspendern. Sein Verein ist Aufsteiger in die Ehrendivision. Die Mannschaft mit dem kleinsten Etat spielt eine überragende Saison. Die „Grünschnäbel" wurden vor der Saison als klarer Abstiegsfavorit gehandelt, doch nach 27 Spieltagen ist sogar noch ein Europa-League-Qualifikationsplatz in Aussicht. 

Lennart Thy ist der beste Stürmer der Mannschaft (sieben Tore/sechs Vorlagen), doch um seine Freistellung musste er nicht betteln. „Wir sind stolz auf ihn und diese besondere Hilfsbereitschaft, denn manchmal ist der Fußball dann doch nur reine Nebensache", sagt Klubsprecher Robert Pinior.

Thy wird nun erstmals in dieser Saison ein Spiel verpassen, am Samstag steht die Paarung bei Tabellenführer PSV Eindhoven an. Der Angreifer ist bereits nach Bremen gefahren. Die Voruntersuchungen laufen, in ein paar Tagen werden die Stammzellen entnommen.

„Bei einer derartigen Behandlung sind die Chancen für den Patienten sehr gut, geheilt werden zu können", sagt er. Die Entnahme musste sofort erfolgen. Einige von Thys Mannschaftskameraden haben sich in dieser Woche spontan typisieren lassen.

Alle Klubs der ersten Liga im Nachbarland haben auf Thys Aktion hingewiesen, und auch VVV Venlo hat unverhofft ein neues wichtiges Projekt auf dem Radar. „Wir werden bei dem Thema am Ball bleiben", kündigt Pinior an.

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