Wenn eine Mannschaft das Spiel in Halbzeit eins verliert

Von: Lukas Weinberger
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Schoss vier Mal aufs Tor und ein Mal ganz weit daran vorbei: Milos Jojic brachte nach seiner Einwechslung Schwung. Foto: sport/Chai v. d. Laage

Mönchengladbach. Es lief die dritte Minute der Nachspielzeit im Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, da setzte Milos Jojic noch einmal zum Torschuss an, es war schon sein fünfter in diesem Fußballspiel.

Kölns Mittelfeldmann Jojic, 23, zur Halbzeit eingewechselt, hatte Schwung gebracht, zwei Mal hatte er Gladbachs Torwart Yann Sommer zu starken Paraden gezwungen, aber dieser fünfte Schuss spiegelte jetzt ein bisschen den Nachmittag des FC wider. Jojic schoss also, mit seinem schwächeren linken Fuß, vom rechten Strafraumeck. Er zielte aufs Tor, aber der Ball flog im hohen Bogen in Richtung linke Eckfahne; er ging ins Seitenaus, Einwurf für Gladbach. Spätestens jetzt war klar, dass der 1. FC Köln in diesem Derby kein Tor schießen, dass er es mit 0:1 verlieren würde. Eine verdiente Niederlage.

Dieses prestigeträchtige Duell hatte der FC in erster Linie wegen einer schwachen ersten Halbzeit verloren, er fand nicht in die Zweikämpfe, die technisch versierten Spieler der Borussia konnten ihr schnelles Kombinationsspiel fast ungehindert aufziehen. Und so war ja auch das 0:1 gefallen: Fünf Kölner mühten sich erfolglos die Vorbereiter Lars Stindl und Raffael zu stören, Mahmoud Dahoud traf schließlich unbedrängt ins Tor (9.). Ein Rückstand, mit dem der FC zur Pause ganz gut bedient war. Ein Rückstand, dem er trotz einer wesentlich besseren zweiten Halbzeit mit guten Torchancen wie Jojics Versuchen (58./62.), Matthias Lehmanns Fernschuss (79.) oder Anthony Modestes Kopfball (80.) bis zum Schluss hinterherrannte.

Peter Stöger, Kölns Trainer, sagte: „Wenn man 45 Minuten so herschenkt, kann man keine Punkte mitnehmen.“ Warum sein Team in Hälfte eins so wenig entgegenzusetzen hatte, konnte er kurz nach Abpfiff nicht sagen, „ich kann aber ausschließen, dass wir überheblich ins Spiel gegangen sind.“ Timo Horn wurde da ein bisschen deutlicher. „Für ein Derby war das viel zu wenig“, fand der Torwart. „Die Gladbacher wollten dieses Spiel einfach mehr gewinnen als wir.“

Mit dem Boykott der Fans habe die Niederlage nichts zu tun gehabt, beteuerte Kapitän Lehmann. Der Gästeblock im Borussia-Park war gähnend leer, nur 1100 der 2700 Karten waren verkauft worden; die wenigen Anhänger, die gekommen waren, blieben den Großteil der Spielzeit über stumm. Lehmann sagte: „Es wäre schöner gewesen, wenn die Kurve voll gewesen wäre.“ Als Ausrede dürfe das aber nicht gelten. „Dass wir die erste Halbzeit so schlecht gespielt haben, lag an uns.“

Stögers Umstellungen fruchten

Trainer Stöger hatte trotz der Niederlage aber auch Positives entdeckt, ihm gefiel das Aufbäumen in der zweiten Halbzeit, „auch wenn es nicht genug war, um dieses Spiel zu drehen“, der Trainer sagte: „Das war das, was wir sehen wollten.“ Köln war präsenter, organisierter, aggressiver, gefährlicher. Stöger hatte das mit seinen Umstellungen zum Teil selbst herbeigeführt; er hatte Jonas Hector von der Sechs auf die Linksverteidigerposition beordert, Yannick Gerhardt ins defensive Mittelfeld zurückgezogen und Jojic für den schwachen Yuya Osako gebracht.

Weil Jojic endlich wieder sein Potenzial andeutete, bedachte Stöger ihn mit ein paar netten Worten. Der Serbe habe eine „gute Reaktion“ gezeigt, nachdem er zuletzt nicht mal im Kader gestanden hatte, jetzt, in Gladbach, habe er „Verantwortung übernommen“. Lob gab es auch für Lukas Hartel, den Debütanten. Hartel, 20, war nach einer Stunde gekommen und hatte den linken Flügel belebt. „Ordentlich“, befand Stöger.

Und das gilt ja eigentlich für die gesamte Halbzeit, aber das ist nun einmal nicht genug, um ein Derby zu gewinnen.

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