Wegberg-Beeck: Stroinski will nicht „Tasmania Beeck“ werden

Von: Günter Kirschbaum
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Die Laune hat‘s ihm trotzdem nicht verhagelt: Günter Stroinski will mit seinem FC Wegberg-Beeck endlich auch in der Regionalliga punkten. Foto: Günter Passage

Wegberg-Beeck. Er leitet die Geschicke des FC Wegberg-Beeck seit Jahrzehnten. Günter Stroinski ist im positiven Sinne ein Fußball-Verrückter. Der 63-Jährige investiert viel Zeit, Geld, Arbeit und Herzblut in den Fußball-Amateurklub. Diese Spielzeit aber scheint für den Big Boss das große Leiden angesagt zu sein.

Bisher war der Aufsteiger nur ein Spielball für die gegnerischen Regionalligisten. Da sein FC weder finanziell noch fußballerisch mit der Konkurrenz mithalten kann, fordert Stroinski mehr Einsatz von seinen Spielern.

 

Der erste Monat in der Regionalliga ist vorbei. Fünf Niederlagen und 2:24 Tore. Hatten Sie es sich so schwer für Ihre Mannschaft vorgestellt?

Stroinski: Nein, nicht mit einer so schlimmen Bilanz. Dass wir eine negative Ausbeute haben werden, war mir klar. Aber ich hatte gehofft, dass wir zumindest einem der Mitaufsteiger, Erndtebrück oder Velbert, drei Punkte abnehmen könnten. Das ist aber in beiden Fällen nicht gelungen.

Woran hat das gelegen?

Stroinski: Wahrscheinlich, weil die beiden Klubs höhere Etats haben, bessere Spieler verpflichten konnten als wir. Aus finanziellen Gründen. Erndtebrück, das wurde mir von jemandem aus Erndtebrück bestätigt, hat einen Etat inklusive Trainerstab und Betreuern von 600.000 Euro, da reden wir beim FC Wegberg-Beeck von 180.000 Euro. Das ist dann doch der Unterschied. Das muss man einfach so sagen.

Vor der Saison war in Wegberg- Beeck klar, dass man sicherlich mit der individuellen Klasse der Einzelspieler nicht wettbewerbsfähig sein würde, dies aber durch die mannschaftliche Geschlossenheit, Leidenschaft und Kampf kompensieren könnte.

Stroinski: Ich muss feststellen, dass das Engagement einzelner Spieler zu wünschen übrig lässt. Und man muss wissen: Wenn wir es in einer höheren Klasse nicht spielerisch lösen können, muss das durch Kampf geschehen. Schauen Sie sich die Mehrzahl unserer Gegentore an. Da standen wir viel zu weit von den Gegenspielern entfernt. Das gilt aber nicht nur für unsere Abwehr, sondern auch für das Mittelfeld, wo es mit teilweise haarsträubenden Fehler anfängt. Beispielsweise bei unserem letzten Spiel gegen Velbert. In der ersten Halbzeit gingen wir teils lustlos in die Zweikämpfe, wir erobern nicht einen zweiten Ball. Ich glaube, in der ersten Halbzeit hat Velbert 80 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, und das ist wahrlich keine Übermannschaft. Da haben viele nicht genug Engagement gezeigt. Und dann gab es auch noch unglückliche Schiedsrichterentscheidungen. In solchen Situationen kommt einfach alles zusammen.

Resultieren denn die Fehler und das schwache taktische Verhalten aus mangelnder Erfahrung?

Stroinski: Das kann sein. Angst, Unsicherheit, fehlende Erfahrung. Ich bin kein Psychologe, ich kann es nicht sagen. Positiv ist sicherlich das Aufbäumen in der zweiten Halbzeit gegen Velbert zu bewerten.

Nun hat es im Kader in der Vorbereitung und den ersten Spiele Vorfälle gegeben, die zur Vertragsauflösung mit Lennart Ingmann führten.

Stroinski: So war es. Es war nicht nur die Rote Karte im Spiel gegen Erndtebrück, sondern auch einige Vorfälle zuvor, die uns zu diesem Schritt veranlasst haben. Es war das Verhalten insgesamt, und so etwas geht beim FC Wegberg- Beeck nicht. Ingmann geht jetzt zum SC Kapellen in die Oberliga Niederrhein.

Lassen Sie uns auf die zweite Halbzeit gegen Velbert zurückkommen. Ziehen Sie daraus den Optimismus, dass der September sportlich besser läuft als der August?

Stroinski: Ja. Wenn wir es schaffen, das, was wir da läuferisch gebracht haben, von Anfang zu zeigen und den einen oder anderen Konter zu setzen, können wir Spielen auch einen anderen Verlauf geben. Solche Halbzeiten wie in Wattenscheid oder Velbert dürfen wir uns nicht leisten. Wenn es zur Pause schon 0:3 oder 0:4 steht, ist doch alles gelaufen.

Mit Dagistan, Nettekoven und Azin haben Sie für den Kader drei Mal nachgelegt. Glauben Sie, dass die Qualität nun ausreichend vorhanden ist?

Stroinski: Dazu sage ich nichts. Auf der sportlichen Seite hat allein unser Trainer das Sagen. Das einzige, was ich tun musste, ist der Erweiterung des Budgets zustimmen. Das habe ich in einer bestimmten Größenordnung getan. Ob Friedel Henßen dafür einen oder drei Spieler verpflichtet, ist ausschließlich seine Sache.

Sie sind aber nicht nur der „Finanzminister“ des Klubs, sondern auch regelmäßiger Besucher der Spiele. Von daher haben Sie sicher einen Eindruck. Glauben Sie, dass der Kader stärker geworden ist?

Stroinski: Zumindest durch den Torhüter. Nettekoven hat ja nicht umsonst zig Mal in der Regionalliga bei Rot-Weiß Oberhausen im Tor gestanden. Und auch mit Azin haben wir uns im Mittelfeld verstärkt. Und mit Dagistan haben wir einen Stürmer. Wir hatten ja vorher keinen klassischen Angreifer. Wir waren alle der Meinung, wir brauchen auch keinen und spielen weiter wie in der Mittelrheinliga. Aber das klappt in der Regionalliga nicht.

Haben Sie inzwischen das Saisonziel neu formuliert?

Stroinski: Mir geht es darum, am Ende nicht mit drei Pünktchen abzusteigen. Dann könnten wir uns gleich in Tasmania Beeck umtaufen lassen. Ich möchte mehr Punkte haben als Hennef, ein paar Siege und Erfolgserlebnisse.

Gab es schon den Moment, an dem Sie bereut haben, dem Wunsch der Mannschaft aufzusteigen, nachgegeben zu haben?

Stroinski: Nein, ich habe mich ja auch auf die Regionalliga gefreut. Es war ja nicht so, dass ich ein Gegner dieser Entscheidung gewesen wäre. Ich wollte nur ein Signal aus der Mannschaft haben und die Sicherheit, dass die Spieler nicht mit unverschämten Forderungen kommen. Das Signal ist gekommen, die Forderungen sind ausgeblieben, und dann habe ich mich auch über den Aufstieg gefreut. Ich war schon jeck genug.

Jetzt ist die Mannschaft in der Realität angekommen. Ist die härter, als Sie es sich vorgestellt haben?

Stroinski: Ja. Wir hatten ja schon in der NRW-Liga gegen Mannschaften wie Velbert gespielt. Da sind wir dringeblieben und dann freiwillig runtergegangen. Da war der Unterschied nicht so groß. Aber die Regionalliga ist ein ganz anderes Kaliber. Das sind zweierlei Welten. Es gibt fünf Vereine die nicht profimäßig arbeiten, und von denen trainieren vier täglich. Wir haben in der Regel drei Mal wöchentlich Training.

Wie ist die Stimmung im Verein?

Stroinski: Bisher gut.

Es gibt keine „Henßen-raus-Rufe“?

Stroiniski: Nein. Die wären mir auch völlig egal. Henßen bleibt. Friedel Henßen und Dirk Ruhrig machen eine super Arbeit. Was die beiden nach ihrer Arbeit in ihrer Freizeit für den Verein leisten, ist sensationell. Über diese Sachen diskutiere ich gar nicht. Bevor Henßen geht, gehe ich.

Was erwarten Sie vom weiteren Saisonverlauf?

Stroinski: Ich hoffe, dass die Jungs mal von der ersten Minute an zur Sache gehen. Ich bin sicher, wir werden noch einige Spiele gewinnen. Hoffentlich ist es dann mit Blick auf die Tabellensituation noch nicht zu spät.

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