Wasserspringer: Sascha Kleins Karriere klingt da aus, wo sie einst begann

Von: Helga Raue
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sascha klein
Perfekte Haltung bis in die Fußspitzen: Sascha Klein, hier im Turmspringen bei den Olympischen Spielen in Rio. Foto: Patrick B. Kraemer/EPA/dpa

Aachen. Der Nachwuchs steht im Blickpunkt, Sascha Klein ist nur Ehrengast und ehrt seine Nachfolger bei den Jugend-Meisterschaften der Wasserspringer. Doch seine Fußstapfen sind groß, der 31-Jährige gehört immer noch zur Weltelite. Hier, in der Ulla-Klinger-Halle, die in seiner Jugend noch schlicht Westhalle hieß, machte der Mariadorfer seine ersten Sprünge.

Und hier soll auch Kleins Karriere, in der er unter anderem Olympia-Silber, WM-Gold und neun EM-Titel im Turmsynchronspringen sowie WM-Bronze im Einzel gewann, ausklingen. Bei der am Wochenende in Peking beginnenden World Series will er es an der Seite von Patrick Hausding noch einmal wissen.

31 Jahre – für einen Hochleistungssportler ist das schon ein stattliches Alter. Und so steht und stand in den vergangenen Jahren auch immer die Frage im Mittelpunkt, wie lange die Karriere noch weitergehen soll. Die Olympischen Spiele, stets eine Zäsur in vielen Sportlerleben, sind Geschichte. Rio, seine dritten Spiele, war auch für Klein ein Meilenstein, doch sie sollen nicht das Ende sein.

„Ich habe lange nachgedacht, aber ich habe mich über den vierten Platz im Synchronspringen sehr geärgert. So will ich nicht abtreten. Wir hatten die Chance, nach einer Medaille zu greifen. Schade, dass wir es nicht geschafft haben“, blickt Klein zurück. Nur 6.03 Punkte hatten zur Bronzemedaille gefehlt. Gar nur Rang neun sprang nach Patzern im Einzelwettkampf heraus.

Nach Rio gönnte sich Klein eine lange Denkpause, an deren Ende die Entscheidung stand, weiterzumachen. „Zumindest bis zur Weltmeisterschaft in Budapest“, sagt Klein, schränkt aber gleich ein: „Ich denke vorerst nur von Jahr zu Jahr, Wettkampf zu Wettkampf und höre in meinen Körper hinein.“ Der Sport hat Spuren an seinem Körper hinterlassen: „Ein bisschen Verschleiß ist da, die Knie, die Schultern, der Rücken, die Handgelenke, aber noch geht es.“

Doch er zollt seinem Körper Tribut, will und muss die Kräfte künftig gut einteilen. Daher verzichtete er auch auf die Hallen-DM und geht mit Hausding in Peking erstmals an den Start. Im Rahmen der World Series, für die sich nur die besten Wasserspringer der Welt qualifizieren, folgen die Stationen in Dubai (23. bis 25. März), Kazan/Russland (31. März bis 2. April), und Windsor/Kanada (21. bis 23. April).

Selbst hinter den Europameisterschaften Mitte Juni in Kiew steht ein Fragezeichen. Neun Mal in Folge krönten sich Klein und sein Berliner Partner bisher im Turmsynchronspringen mit der EM-Krone, „aber die WM in Budapest Mitte Juli ist mir momentan wichtiger“. Fix ist allerdings ein Termin vom 25 bis 28. Mai: Dann kämpfen die besten deutschen Wasserspringer bei der DM in der Aachener Ulla-Klinger-Halle um Medaillen und Championatstickets.

Für Klein wird das ein Heimspiel. Bis 2011 war der Mariadorfer für den SV Neptun Aachen gesprungen, wechselte dann mit seinem Trainer Boris Rozenberg zum SC Riesa und später zum Dresdener SC. Zwar springt der 31-Jährige auch in dieser Saison für den DSC, doch hat er inzwischen seine privaten Zelte in Dresden abgebrochen und ist nach Aachen zurückgekehrt.

Hier leben Ehefrau Franziska und sein gut ein Jahr alter Sohn Oskar. „Die Vaterrolle ist sehr schön“, sagt der 31-Jährige strahlend. Und so trainiert Klein, betreut von Neptun-Cheftrainer Alex Neufeld, inzwischen wieder wie früher in der Ulla-Klinger-Halle. „Patrick reist regelmäßig von Berlin zum Synchrontraining nach Aachen, das klappt sehr gut“, erläutert der Wasserspringer.

Da das Karriereende zwar noch nicht da, aber in greifbare Nähe gerückt ist, steht nun die Zukunftsplanung im Mittelpunkt. „Ich möchte mein Fachabitur machen und dann Sozialpädagogik studieren“, blickt der Sportsoldat voraus, denn die Ausbildung hat immer hinter dem Sport gestanden. Wohl 2018 wird sie in den Fokus rücken, aber „ich sage nicht, dass und wann ich aufhöre“, beeilt sich Klein hinzuzufügen – mit einem Lachen, denn Loslassen nach einem langen und erfolgreichen Sportlerleben kann auch schwierig sein.

Allerdings wird er dem Wasserspringen wohl erhalten bleiben. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ich mich später einmal bei Neptun um den Nachwuchs kümmere, wenn das mit meinem Studium vereinbar ist.“

Doch noch hat er selbst sportliche Ziele: „Es wird natürlich immer schwieriger, die Konkurrenz vom Turm ist sehr stark geworden. Daher würde ich mit bei der Worlds Series schon über die eine oder andere Medaille freuen“, so Klein. Sollte bei der WM noch einmal der erhoffte Sprung aufs Treppchen gelingen – und auch im Einzel ein Finalplatz herausspringen –, dann dürfte das wohl der Schlusspunkt unter eine außergewöhnliche sportliche Karriere sein. Auch wenn Klein lachend hinzufügt: „Ich sage nicht, wann Schluss ist, ich denke nur von Jahr zu Jahr und von Wettkampf zu Wettkampf . . .“

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