Vor dem Stuttgart-Spiel: Von dezenten Lichtblicken beim 1. FC Köln

Von: Andreas Morbach
Letzte Aktualisierung:
15515451.jpg
Ein Lichtblick: Kölns Angreifer Yuya Osako (links) hat zuletzt für den FC und Japans Nationalmannschaft getroffen. Foto: imago/Horstmüller

Köln. Es war viel von den kleinen, positiven Dingen die Rede beim 1. FC Köln, am Tag vor dem Gastspiel in Stuttgart. In schwierigen Lebenslagen ist das ein probates Mittel, um wieder auf die Beine zu kommen – das gilt auch für kriselnde Fußballvereine und ihre Trainer.

Also erwähnte Peter Stöger zum Beispiel, dass Defensivkraft Konstantin Rausch am vergangenen Sonntag sein Länderspieldebüt für WM-Gastgeber Russland gegeben hat. „Solche persönlichen Erfolgserlebnisse tun uns gut in dieser Situation“, kommentierte der Österreicher, dann griff er noch die neue Treffsicherheit von Yuya Osako auf. Der Japaner erzielte zuletzt beim 2:1 gegen Neuseeland ein Elfmetertor, bei der jüngsten Liga-Niederlage gegen Leipzig (1:2) traf er ebenfalls. „Das sind positive Signale, auch für die Jungs“, findet Stöger.

Doch der 51-Jährige ist sich neben den dezenten Lichtblicken rundherum auch der kleinen Zahlen gewahr, die sein Team seit dem Abgang von Torfabrik Anthony Modeste abliefert. Ein Punkt und zwei Tore in sieben Spielen, damit sind die Geißböcke schon leicht einbetoniert am Tabellenende. Entsprechend charakterisiert ihr Coach die nächsten Partien beim Aufsteiger aus dem Schwabenland und gegen den Liga-17. Bremen: „Das sind zwei total entscheidende Spiele.“

Dass es mit dem Vorjahresfünften überhaupt so weit kommen konnte, ist Claudio Pizarro („Die Mannschaft hat nach der sensationellen letzten Saison mit Modeste nur einen Spieler verloren, sie kann nicht so schlecht sein“) ein Rätsel – dem Mann, dessen Verpflichtung vor zwei Wochen als Zeichen der Fehlentwicklungen im Kölner Grüngürtel gewertet wird. Denn der Peruaner ist zwar ein überaus verdienter Bundesligaspieler. Aber er ist inzwischen 39. Sein Ruf zum FC wirkt wie eine Verzweiflungstat. Und wie das letzte Mittel, um die enormen Probleme in der Offensive in den Griff zu kriegen.

Mit dem 35 Millionen Euro schweren Transfer von Modeste zu Tianjin Quanjian nach China hat der Verein im Sommer auch seine fußballerische Herzkammer abgegeben. Denn mit seinen 25 Toren aus der Vorsaison beförderte der Franzose die Kölner nicht nur fast im Alleingang in die Europa League; er war dabei auch die zuverlässige Anspielstation in der ultimativen Gefahrenzone. Das Ansehen des Franzosen in Köln ist groß, und Sportchef Jörg Schmadtke schloss am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung nicht mal eine Rückkehr Modestes kategorisch aus: „Warum nicht? Das Leben ist so vielfältig.“

Modeste ist aber erst mal im Reich der Mitte – und aus Mainz kam, für 17 Millionen Euro, Jhon Cordoba. Schmadtke wurde nicht müde zu betonen, dass der Kolumbianer nicht der Nachfolger von Modeste sei und nicht an dessen vielen Toren gemessen werde. Der lange Schatten von Modeste verfolgte Cordoba trotzdem vom Rundenstart an – der 24-Jährige versuchte, ihm durch besonders großen Einsatz abseits seines eigentlichen Bestimmungsortes im Sturmzentrum zu entfliehen. Gegen Leipzig zog sich der Angreifer eine Oberschenkelverletzung zu, wird bis November fehlen. Das Kölner System mit den langen Bällen in die Spitze hat mit dem Adieu von Modeste ausgedient, nun muss Peter Stöger unter erschwerten Bedingungen Alternativen erarbeiten.

Pizarro, die Teilzeitkraft

Gegen Stuttgart – wo der FC seit 21 Jahren kein Bundesligaspiel verloren hat – im Sturmzentrum wohl mit Yuya Osako. Der kleine Japaner taugt zwar nicht wirklich zum Golgetter, seine jüngsten Torerfolge haben aber das Selbstbewusstsein zurüückkehren lassen. Andere Angreifer wie Simon Zoller, der mittlerweile eher auf der Außenbahn zuhause ist, Sehrou Guirassy (überfordert) oder Artjoms Rudnevs (Vertrag augelöst) kommen nicht infrage. Altmeister Pizarro arbeitet noch seinen Trainingsrückstand auf, kommt nur als Teilzeitkraft infrage.

„Ich bin nicht derjenige, der keine Fehler gemacht hat. Fitness, Taktik, Menschenführung – das sind meine Bereiche“, sagte Trainer Stöger. Und gemeinsam mit Vizepräsident Toni Schumacher und Schmadtke hofft der Trainer nun darauf, dass im Winter klappt, worum sich der Klub trotz der vielen Modeste-Millionen im Sommer vergeblich bemühte: Die Verpflichtung eines Top-Angreifers wie Mark Uth, den Hoffenheim nicht an den Rhein ziehen lassen wollte.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Klünter, Sörensen, Heintz, Rausch - Lehmann, Özcan - Bittencourt, Zoller - Jojic - Osako

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert