Volleyball: Erste Bundesliga? Nein, vielen Dank!

Von: Roman Sobierajski
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Viel zu hohe Anforderungen? Der mögliche Aufstieg ist für die Volleyball-Zweitligisten keine große Verlockung. Foto: imago/Pressefoto Baumann
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Karine Muijlwijk und die Aachenerinnen sind sportlich abgestiegen, können aber trotzdem auf den Klassenerhalt hoffen. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Und dann schließt sich der große Kreis: Am Samstag (19 Uhr) empfangen die Bundesliga-Volleyballerinnen von Alemannia Aachen den Dresdner SC zum letzten Heimspiel der aktuellen Saison, im Oktober 2008 war das Team aus der sächsischen Landeshauptstadt nach dem Aufstieg der Alemannia der erste Heimspielgegner.

Der große Unterschied? Sportlich geht es für die „Ladies in Black“ nur noch um die goldene Ananas, der Abstieg ist nach nur drei gewonnenen Begegnungen für Mannschaftskapitän Anke Borowikow und das Team besiegelt – eigentlich. Denn der gar nicht so dünne Strohhalm, an den sich die Aachener Verantwortlichen in der Hoffnung klammern können, auch noch eine sechste Erstliga-Saison in Aachen zu erleben, wird aus den beiden Zweiten Ligen hochgereicht.

Das Recht zum Aufstieg haben die beiden Meister aus Nord und Süd, bei fehlendem Interesse könnten sogar noch die Drittplatzierten den vermeintlichen Platz an der Sonne einnehmen. Und die Ambitionen gehen gegen Null. „Für die Zweite Liga sind wir zu gut, für die Erste nicht gut genug“, winkt Roland Ellmann ab. Der ist immerhin Abteilungsleiter des auf den ersten Blick finanzstärksten Klubs, des ungeschlagenen Tabellenführers der Zweiten Liga Nord, Bayer Leverkusen. „Mit einem dreimal so hohen Etat wie jetzt ginge es. Aber wir wollen in unserer jetzigen Situation nicht gleich den Rückfahrschein nach unten buchen.“

Schlechte Erfahrungen mit dem Abenteuerland Erste Liga hat auch der zweitplatzierte VfL Oythe gemacht. „Wir haben das zwei, drei Jahre durchgehalten, dann sind hier die Lichter ausgegangen“, erklärt Obmann Matthias Schumacher. „Schließlich mussten wir das Bundesligaspielrecht an den VC Vechta verkaufen.“ Auf Rang drei rangiert der SCU Emlichheim, ebenfalls ein gebranntes Kind, das sich irgendwann „freiwillig“ in die Zweitklassigkeit zurückgezogen hat. „Nach der Zeit in der Bundesliga war ich gar wie ein Würstchen“, erinnert sich Norbert Bußmann an seine Zeit als ehrenamtlicher Manager. Der Verein konzentriert sich nun auf seine Nachwuchsarbeit, hat Bundesliga-Spielerinnen wie Mareike Hindricksen und Jana-Franziska Poll (beide früher Aachen) sowie Andrea Berg (USC Münster) hervorgebracht.

Und im Süden? Die Verantwortlichen des Tabellenführers VV Grimma winken ebenso ab wie die Leitung des SV Lohhof aus dem Münchener Speckgürtel. Hier peilt man zumindest den Aufstieg für die Saison 2014/15 an, wenn die im Bau befindliche Halle fertig ist. „Wir haben jetzt schon Probleme, den Etat von 100.000 Euro für die Zweite Liga zu stemmen“, erklärt dagegen Jürgen Bergmann, Schatzmeister in Grimma. „Und wegen unserer niedrigen Halle spielen wir schon in der Zweiten Liga mit Ausnahmegenehmigung.“ Peter Rothe, Geschäftsführer des letztjährigen Absteigers Sonthofen, treiben andere Sorgen um: „Wir basteln noch daran, die Schulden aus der Bundesligazeit abzubauen.“ Aufstieg? Nein, danke!

Was alle eint, ist die Kritik an den ständig steigenden Anforderungen der Deutschen Volleyball-Liga (DVL). „Die Vorschriften werden jedes Jahr verschärft“, bemängelt Lohhofs Abteilungsleiter Matthias Kock. „Vor drei Jahren konnte man eine Saison noch für 200.000 Euro spielen, jetzt braucht man schon das Dreifache. Wir bezahlen an die Berufsgenossenschaft fast so viel wie ein Fußball-Profiverein.“

Der Einen Leid, ist der Aachener Hoffnungsschimmer, wenn zum 1. April die Lizenzierungsanträge für die kommende Saison bei der DVL eingereicht werden müssen. „Das ist die Hoffnung, die wir haben“, erklärt Ralph Kranzhoff, verantwortlich für Sponsoring und Marketing. „Kein anderer darf aufsteigen wollen, und wir müssen das Geld für die Saison zusammenkriegen.“ Ein Problem dabei: Der bisherige Zuschuss des Muttervereins von 70.000 Euro pro Saison fällt ab der nächsten Spielzeit weg, und bis zum 15. April müssen die Bewerber bei der DVL die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen.

Wie der zweite Teil konkret aussehen soll, wird den Fans nach dem Dresden-Spiel erklärt werden. So viel steht bislang fest: Das Bundesligateam soll in eine eigene Spielbetriebsgesellschaft ausgegliedert werden und dann auch offiziell unter dem Namen „Ladies in Black“ antreten. Kranzhoff: „Wir lassen unter Hochdruck die juristischen Möglichkeiten prüfen.“

Das Bundesligaspielrecht wird vom TSV übertragen, die Spielerinnen sollen dann Angestellte der neuen Gesellschaft sein, als Mitglieder des e.V. aber auch das Alemannia-Logo nutzen dürfen. „Ziel ist, dass der Verein Alemannia Aachen wirtschaftlich aus der Haftung genommen wird“, sagt Kranzhoff. „Wir arbeiten daran.“

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