Düren - Umlauft beendet im Alter von 23 Jahren seine Karriere

Umlauft beendet im Alter von 23 Jahren seine Karriere

Von: Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
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Zahlen statt Volleyball: Jan Umlauft verabschiedet sich mit nur 23 Jahren vom Leistungssport. Foto: imago/mika

Düren. Er hat lange mit sich gerungen. Er hat das Für und Wider abgewägt. „Nein, eine Excel-Tabelle habe ich nicht angelegt”, sagte er schmunzelnd. Doch in seinem Kopf sortierte er präzise seine Gedanken. Dann stand die Entscheidung für Jan Umlauft fest: „Ich beende meine Laufbahn als Volleyballer und konzentriere mich ganz auf das Studium der Mathematik.”

23 Jahre ist der Sportler alt. Zwei Jahre hat er für Evivo Düren angenommen und angegriffen - und in Aachen an der RWTH studiert. Zwischen diesen beiden Spielzeiten ist er für ein Jahr nach Frankreich umgezogen. Auch des Studiums wegen: In Montpellier beschäftigte er sich ebenso mit den Anforderungen der mathematischen Gleichungen wie denen des Volleyball-Spitzensports.

Diese Zeiten sind Vergangenheit. Evivos Mannschaftskapitän hat sich entschieden - für das Studium, gegen den Sport. Der Grund: Die Doppelbelastung forderte ihren Tribut.

Jan Umlauft ist nicht der Mensch, der seine Entscheidungen aus dem Bauchgefühl heraus trifft. Jan Umlauft ist auch nicht der Mensch, der mehrere Dinge gleichzeitig macht, aber keine Sache richtig. Wenn der 23-Jährige sich einer Aufgabe annimmt, dann will er sich ihr auch hundertprozentig widmen.

Er hat versucht, ein anspruchsvolles Studium mit guten Noten zu absolvieren und gleichzeitig Spitzensport zu betreiben. Er musste aber einsehen: Auf Dauer geht es nicht. „Ich habe meinen Körper genau beobachtet, habe meine Leistungen analysiert, habe meinen Tagesablauf überprüft, und ich habe festgestellt: Du musst eine Entscheidung treffen.” Sie lautete: „Das Mathematik-Studium sein zu lassen, kam überhaupt nicht infrage.”

Schon während seiner Schulzeit in Bayern faszinierte Umlauft die Mathematik. Das Lösen abstrakter Probleme, die Anforderung, schwierigste Aufgaben zu knacken, alleine oder im Team, spornte ihn immer wieder an. Und auch das erfolgreich: Immerhin bis auf Bayern-Ebene drang Jan Umlauft bei der Mathematik-Olympiade vor.

So erfolgreich er mathematische Gleichungen in Angriff nahm, so erfolgreich agierte Umlauft auch auf dem 9 mal 18 Meter großen Spielfeld. Er wurde Junioren-Nationalspieler, nahm an der Studenten-Weltmeisterschaft teil, wurde von Evivo Düren verpflichtet. 2008 gehörte er dem vorläufigen nationalen Kader an, der die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Angriff an. Zweimal stand Umlauft mit den Rheinländern im Deutschen Pokalfinale, zweimal verlor er erst im fünften Satz: 2008 gegen den VfB Friedrichshafen, 2010 gegen Generali Haching.

Besonders schmerzlich empfand der 1,99 Meter große Außenangreifer die verspielte 2:0-Führung in diesem Jahr. Im Gerry-Weber-Stadion von Halle/Westfalen brach auch der Mannschaftskapitän ein. Die Spieler von Generali suchten sich mit ihren Aufschlägen oft Jan Umlauft aus. Der Dürener stand, wie seine Kollegen in der Annahme aber auch, nicht mehr wie eine Bank. Das Unheil nahm seinen Lauf. Der Geist war wie immer willig, der Körper aber nicht stark genug.

Umlauft fühlte schon in Montpellier eine Müdigkeit durch die Doppelbelastung. Sie wurde in Düren stärker, sie bremste ihn im sportlichen Tatendrang. „Ich hätte gerne mehr trainiert, besonders die Annahme.” Evivo verfügt über eine Ballmaschine, mit der die unterschiedlichen Aufschlagarten simuliert werden können. Gerne hätte sich Umlauft ihr gestellt: „Aber wenn du tagsüber studiert hast, bist du am späten Nachmittag nach zwei Stunden Training fertig.” Der Kopf will sich mit den Aufschlägen der Maschine messen, der Körper ist aber ausgelaugt: „Mir fehlte die Energie, mir fehlte die Zeit. Und deshalb war ich nicht immer in der Lage, während eines Spiels die beste Leistung abzurufen.” Immer die beste Leistung abzurufen, ist Umlaufts Trachten.

So aber gehorchte er Verstand und Körper. Der Abschied vom Volleyball fällt dem Mathematik-Studenten nicht leicht, er wird den Mannschaftssport wie auch seine emotionalen Seiten vermissen. Doch Umlaufts Entscheidung ist endgültig. Zumindest für die nächsten drei Jahre. In diesen 36 Monaten wird er sich mit Begeisterung weiter all den unbekannten Anforderungen seines Studiums stellen, alleine und im Team die Erfolge genießen und die Enttäuschungen verarbeiten. Und er wird auch im Studium von seiner Sportart profitieren: „Im Sport lernst du, Enttäuschungen zu verarbeiten. Das macht einen stark.”
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