Eupen - Über Eupen in die große Fußball-Welt

Über Eupen in die große Fußball-Welt

Von: Thomas Evers
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Der nächste Ausbildungsweg: Viele talentierte afrikanische Spieler sollen sich bei der AS Eupen weiterentwickeln. Foto: Thomas Evers

Eupen. Seit einem halben Jahr spielt der ostbelgische Fußball-Zweitligist AS Eupen eine Rolle im Weltsport. Eupen wurde von der Aspire Academy aus Katar übernommen, die in der Hauptstadt der Deutschsprachigen Gemeinschaft die dritte Etappe eines im Fußball einmaligen Projektes gestartet hat.

 Junge, bislang nur afrikanische, später auch asiatische und südamerikanische Spieler sollen bei der Allgemeinen Sportvereinigung ihre ersten Schritte im europäischen Profifußball machen und von Eupen aus im Idealfall eine Weltkarriere starten.

2007 begann die katarische Sportakademie, nach eigenen Angaben das größte Trainingszen–trum der Welt, das Projekt „Aspire Football Dreams“. Die Koordination übernahm der Spanier Josep Colomer, der früher die Nachwuchsabteilung des FC Barcelona leitete und unter anderem Lionel Messi in Argentinien entdeckte. Für die Katarer arbeitet er an einem Projekt, das nach dem Prinzip von „Deutschland sucht den Superstar“ funktioniert. 6000 Aspire-Mitarbeiter sichteten seit 2007 zunächst hunderttausende Jugendspieler in Afrika.

Mittlerweile ist das Scouting, das die erste Etappe von „Aspire Football Dreams“ darstellt, auch auf Asien (Vietnam, Thailand), Südamerika (Paraguay) und Zentralamerika (Costa Rica, Guatemala) ausgedehnt worden. Die besten Spieler eines Jahrgangs werden in einer zweiten Etappe in Katar oder im Senegal, wo Aspire ebenfalls eine Akademie unterhält, ausgebildet und erhalten ein Stipendium. Wenn die Spieler 18 Jahre alt sind, werden die größten Talente nach Eupen gebracht. Im Sommer tauchten deshalb 15 Afrikaner aus Ghana, Senegal, Südafrika, Nigeria, Kamerun und Kenia des Jahrgangs 1994 bei der AS auf.

In Eupen sollen die Spieler die dritte Stufe auf der Karriereleiter erklimmen, die sie im Idealfall zu einem europäischen Spitzenverein führen soll. Der deutsche Sportwissenschaftler Andreas Bleicher, der früher den Olympiastützpunkt Leverkusen leitete und seit 2004 für Aspire arbeitet, ist überzeugt, dass dieser Plan aufgehen wird: „Ich bin mir sicher, dass Spieler, die im Moment in Eupen sind, irgendwann bei Vereinen wie Manchester United, Bayern München oder Paris St. Germain spielen werden.“

Im Moment müssen Spieler wie der ghanaische Mittelfeldstratege Samuel Asamoah, Flügelflitzer Anthony Bassey aus Nigeria oder Innenverteidiger Diawandou Diagne (Senegal) ihr Können aber noch im häufig grauen Alltag der 2. belgischen Division zeigen. Nach einem durchwachsenen Saisonbeginn, als die extrem junge Mannschaft (Durchschnittsalter jünger als 20) die Spiele zwar überlegen gestaltete, aber viele Punkte leichtfertig verschenkte, haben sich die Afrikaner mittlerweile an die Liga gewöhnt.

Während ihrer Ausbildung bei Aspire wurden ausschließlich Freundschaftsspiele gegen Nachwuchsteams europäischer Spitzenvereine (Bayern München, Barcelona, Chelsea, Manchester United) bestritten. Genau auf diesen Umstand wies der spanische AS-Trainer Bartolomé Márquez López hin: „Viele meiner Spieler haben noch nie den Druck eines Meisterschaftsspiels gespürt.“ Die Eupener haben bei ihren Begegnungen meist 65 Prozent Ballbesitz und glänzen mit Technik. Die gegnerischen Trainer sprechen von der spielerisch besten Mannschaft der 2. Division. Aber aufgrund des Mangels an Erfahrung – der deutsche Torhüter Jonas Deumeland ist mit 24 Jahren der Senior des Teams – verspielte die AS schon häufig einen 1:0-Vorsprung. Nach zuletzt drei Siegen in Folge hat man sich jedoch auf den sechsten Tabellenplatz vorgearbeitet.

Das nährt die Hoffnung, dass in Zukunft mehr Fans zu den Heimspielen ins Kehrweg-Stadion kommen. Im Moment liegt der Zuschauerschnitt bei knapp 2000. Im Sommer wurde der Einstieg der Katarer zwar zunächst mit Freude aufgenommen, weil der damals finanziell am Abgrund wandelnde Verein gerettet wurde. Aber es regierte auch Skepsis: Der beliebte deutsche Trainer Wolfgang Frank, der mit Eupen in der Vorsaison nur knapp den Aufstieg in die 1. Division verpasst hatte, wurde entlassen. Auch die Hoffnung, die „Prinzen aus dem Morgenland“ würden wie bei PSG Stars einkaufen, erfüllte sich nicht.

Mittlerweile ist die Skepsis bei den meisten Fans gewichen, zu überzeugend sind die AS-Auftritte. Die 15 afrikanischen Spieler fallen im Eupener Stadtbild zwar immer noch auf, zumal sie nach den Trainingseinheiten in Ermangelung eines Führerscheins meistens zu Fuß zurück zu ihren Wohnungen gehen. Aber die Sorge, die neureichen Katarer würden sich abkapseln, ist längst entkräftet worden, zumal insbesondere der vom 1. FC Köln verpflichtete Geschäftsführer Christoph Henkel darum bemüht ist, auf die Eupener zuzugehen.

Und als während der Winterpause Bayern München und Schalke 04 ihr Trainingslager in der Aspire Academy in Doha abhielten, mussten sich einige AS-Fans noch einmal kneifen: Aspire ist jetzt auch in Eupen.

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