Toter Linienrichter: Ralf Klohr fordert mehr Eigenverantwortung

Von: Heribert Förster
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Ralf Klohr
Ralf Klohr, der Erfinder und Mitbegründer der FairplayLiga. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Ralf Klohr ist nicht nur traurig und betroffen, „ich bin auch rebellisch geworden“. Der Erfinder und Mitbegründer der FairplayLiga, die sich vom Fußballkreis Aachen aus inzwischen in fast ganz Deutschland etabliert hat, will den nun folgenden „Aufschrei der Politiker“ nicht hören, will nicht, dass jetzt „drastische Maßnahmen“ ergriffen werden angesichts des tragischen Todes des 41- jährigen Schiedsrichter-Assistenten in den Niederlanden.

Der Herzogenrather spricht im Interview über Lösungsmöglichkeiten, wie solche tragischen Ereignisse vielleicht vermieden werden können. Das Zauberwort für den 50-Jährigen, der Mitglied im Arbeitskreis Fairplay des Deutschen Fußball-Bundes ist, lautet: „Eigenverantwortung“.

Wenn etwas passiert ist, gibt es Kommunikations-Angebote der Vereine und Verbände, Politiker ergreifen das Wort, es wird über Maßnahmen diskutiert. Kommt das bei den Protagonisten überhaupt an?

Klohr: Ich habe nicht das Gefühl, dass die handelnden Personen das ernst nehmen. Vor allen Dingen sollte nicht erst gehandelt werden, wenn etwas passiert ist. Jetzt wird der Aufschrei der Politiker wieder groß sein, es werden drastische Maßnahmen ergriffen. Es musste erst jemand sterben, damit dieses Thema ein ganz großes wird. Doch diese Herangehensweise ist für mich die falsche. Es geht darum, Lösungen zu finden, zu handeln statt zu reden.

Ihr konkreter Vorschlag?

Klohr: Ganz einfach: Fußball ohne Linienrichter. Die Spieler suchen Verantwortliche, geben die Verantwortung ab. Die Spieler müssen selbst entscheiden, Verantwortung für das Spiel übernehmen. Gibt es keinen Linienrichter mehr, können sie auch nicht ihren Frust an ihm abbauen. Ist es denn so schwer, die Entscheidungen über Einwurf, Abstoß oder Eckball selbst zu treffen?

Nein.

Klohr: Genau, und deshalb sage ich: Eigenverantwortung tut jedem gut. Es helfen keine Präventivprogramme. Es ist ganz einfach, man muss nur Verantwortung abgeben.

In der FairplayLiga, wo die F- und E-Junioren ja ohne Schiedsrichter spielen, ist das einer der zentralen Punkte.

Klohr: Ja, und es funktioniert. Die Trainer haben keinen „Schuldigen“ mehr, die Eltern können nicht mehr über den Schiedsrichter meckern, die Kinder entscheiden selbst. Es funktioniert!

Gibt es denn auch Erfahrungen mit Spielen ohne Linienrichter?

Klohr: Es ist doch so, dass im Juniorenbereich meist zwei Betreuer meist unmotiviert an der Linie stehen. Ich sage: Es geht komplett ohne sie!

Auch im Seniorenbereich?

Klohr: Auch im Seniorenbereich, zumindest in den unteren Klassen. Der Fußballverband Schleswig-Holstein hat 2009 ein Pilotprojekt gestartet, in den Kreisligen A, B und C ohne Linienrichter spielen zu lassen (siehe Zusatzbox). Das läuft hervorragend. Diese einfachen Entscheidungen wie Einwurf, Abstoß oder Eckstoß können alle Spieler selbst treffen. Dann tragen sie die Verantwortung und haben keinen mehr, an dem sie den Frust ablassen können. Wir müssen den Fairplay-Gedanken ins Spiel reinbringen. Es kann nicht sein, es ist doch unbegreiflich, dass ein Mensch das Leben verliert, nur weil er eine falsche Entscheidung getroffen hat. Unfassbar, weil er vielleicht nur ganz banal falsch entschieden hat, dass ein Ball ins Aus gegangen ist.

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