Toni Kroos ist Taktgeber: Auf dem Platz und auch daneben

Von: Lukas Weinberger
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Ein Führungsspieler – auf und neben dem Platz: Toni Kroos gehört seit längerem zum Gerüst der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Foto: imago/Schüler, dpa

Köln. Dass das letzte Länderspiel des Jahres kein ganz unwichtiges für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist, hat sich sehr schön an der Besetzung des Podiums bei der Pressekonferenz gezeigt. Der Verband hätte ja irgendeinen Spieler schicken können, Rüdiger, Rudy oder Plattenhardt, um der versammelten Journalistenschar Auskunft zum Duell mit Frankreich (Dienstag, 20.45/ARD) in Köln zu geben, aber das tat er nicht. Er schickte Toni Kroos.

Und Kroos ist ja nicht nur Weltmeister, nicht nur Champions-League-Sieger mit Real Madrid, der Mittelfeldspieler ist auch Taktgeber der deutschen Nationalmannschaft. Auf dem Feld, das sowieso, und am Montagsaß er in ebendieser Funktion auf dem Podium. Kroos sagte: „Wir werden die Partie gegen Frankreich so angehen, als wäre es ein Pflichtspiel.“ Klingt auf jeden Fall gut. Und es hat durchaus Gewicht, wenn einer wie Kroos das sagt.

Der 27-Jährige ist in der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw längst zum Führungsspieler aufgestiegen. Wenn er sich nicht verletzt, wird er im nächsten Sommer nicht nur mit zur Weltmeisterschaft nach Russland fahren; er wird dort sogar Stammspieler sein. Kroos gehört neben Torhüter Manuel Neuer und Innenverteidiger Mats Hummels zum Gerüst der Nationalelf, er ist einer dieser Spieler, von denen es stets heißt, sie seien nicht wegzudenken. Das hat Kroos sich über Jahre im Schatten anderer Spieler wie etwa Bastian Schweinsteiger erarbeitet.

Beim Nullnull in England am Freitag saß Kroos noch auf der Tribüne, er war nach einem Virus noch nicht fit genug für einen Einsatz. Im zweiten Härtetest zum Jahresabschluss gegen Frankreich wird er von Anfang an spielen, das hat Löw bereits verraten. Im zentralen Mittelfeld, an der Seite von Sami Khedira. „Mit Sami hat es schon häufig sehr gut geklappt“, sagte Kroos.

Was das Team und er sich für das Spiel vorgenommen hätten, wollten die Journalisten nun von Kroos wissen. Die Antwort war wenig überraschend, er sagte: „Na, wir wollen‘s gewinnen!“ Was sonst? Es sei sinnvoll, am Ende eines Jahres Testspiele „gegen qualitativ hochwertige Mannschaften“ zu bestreiten, erläuterte Kroos: „Aber das bringt ja nur etwas, wenn wir uns so reinhängen, als ginge es um die Wurst.“

Um die geht‘s zwar nicht, aber zumindest um so etwas wie eine kleine Revanche. Das bislang letzte Aufeinandertreffen mit den Franzosen endete aus deutscher Sicht wenig erfreulich, mit 0:2. Im EM-Halbfinale 2016. Weil Deutschland seine Chancen nicht nutzte und Frankreich aus wenig viel machte. Das DFB-Team hat seit diesem 7. Juli kein Spiel mehr verloren, die Qualifikation für die WM gelang mit zehn Siegen in zehn Partien, und diese schönere Serie soll auch gegen die jetzt vielleicht noch besseren Franzosen nicht reißen. Auch wenn Löw erneut betonte: „Ergebnisse sind nicht das Wichtigste.“ Er will wieder testen, personell und taktisch. Klar ist aber auch, dass der Bundestrainer eine Steigerung erwartet, vor allem im Vergleich zur zweiten Halbzeit des Spiels in England. „Wir wollen uns besser in Szene setzen“, sagte Löw.

Und da kommt wieder Kroos ins Spiel. Am Ende der Pressekonferenz sollten auch französische Journalisten Fragen an den Nationalspieler richten. Groß war das Interesse nicht, Kroos gestikulierte wie ein guter zentraler Mittelfeldspieler das eben tut. Er sagte: „Die gucken mich ja nicht mal an.“ Auf dem Feld wird ihm das am Dienstag sicher nicht passieren.

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