Titelverteidigung adé: Halle bezwingt den TK Kurhaus

Von: Roman Sobierajski
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Unglaubliches Drama: Aachens Aljaž Bedene unterliegt im Champions Tiebreak mit 18:20. Foto: Marcel Decoux

Aachen. Um 15.31 Uhr war es dann geschehen: Andreas Beck verschlug für den TK Kurhaus Aachen den letzten Ball in seinem Bundesliga-Match gegen Blau-Weiß Halle, die Gäste gingen nach den Einzeln mit 4:0 in Führung.

Und während der Aachener Moderator die 1748 Zuschauer noch dazu animierte, sich die „spannenden und hochklassigen Doppel-Begegnungen“ nicht entgehen zu lassen, feierten keinen Meter entfernt die Haller Spieler und Teamchef Thorsten Liebich den Auswärtssieg, die Rückeroberung der Tabellenführung – und auch ein wenig verfrüht die Meisterschaft. Aber ein Sieg über Reutlingen am letzten Spieltag dürfte für Halle wohl nur noch ein Schaulaufen vor eigenem Publikum werden.

18:20 im Champions Tiebreak

Dabei hatte dieses Aufeinandertreffen um Alles oder Nichts durchaus epische Züge – und vor allem die ersten beiden Einzel hatten Potenzial, je nach Sichtweise dankbar oder verzweifelt zum Heiligen Boris, dem Schutzpatron aller Tennisspieler, zu beten.

Beispiel 1: Der TK Kurhaus hatte dem 17-jährigen Alexander Zverev an Position 4 das Vertrauen geschenkt, der Hochbegabte dankte mit dem Gewinn des ersten Satzes, zog dann gegen Daniel Gimeno-Traver im zweiten den Kürzeren und musste in den Champions Tiebreak – vermutlich zum ersten Mal im Leben. Der Spanier zog auf 7:2 davon, Zverev kämpfte sich zum Ausgleich heran, erlitt einen Krampf, wurde behandelt – und musste sich dann doch strecken. „In ein, zwei Jahren wird Zverev über einen solchen Gegner lachen“, prophezeite anschließend Halles Teamchef Thorsten Liebich.

Wem diese Partie noch nicht genug Nervenkitzel war, der kam spätestens beim Ringen von Alja Bedene und Jarkko Nieminen voll auf seine Kosten: Der Finne war zunächst klar überlegen, doch Bedene biss sich förmlich ins Match, sicherte sich den zweiten Durchgang und damit den Champions Tiebreak. Bedene ging schnell 6:2 in Führung, kassierte den Ausgleich, hatte dann nach eigenem Ass und Doppelfehler seines Gegners Matchbälle – und musste erneut mit einigem Unglück den Ausgleich hinnehmen. Der Champions Tiebreak wogte hin und her mit Linientreffern, Doppelfehlern und Assen – bis sich die Waagschale zum 20:18 zu den Hallern neigte und ihnen die 2:0-Führung bescherte.

„Nieminen war schon dabei, die Partie nur noch zu verwalten, als Bedene plötzlich alles traf“, sah Liebich die Partie. „Da war es ungeheuer schwer, noch einmal in die Partie zurück zu finden. Gewinnt Aachen, kommt sicher noch einmal Euphorie auf.“ Sein Aachener Pendant Alex Legsding haderte derweil damit, dass Halle das Spielglück in dieser Saison quasi gepachtet hat: „Halle hat bislang noch keinen einzigen Champions Tiebreak abgegeben, in Krefeld mit fünf gewonnenen in einer einzigen Partie gesiegt.“

Nach dem Gewinn der ersten beiden Einzel war der Weg für den Sieg der Haller bereitet: Matthias Bachinger leistete zwar kämpferischen Widerstand, war Jan-Lennart Struff jedoch unterlegen, und Andreas Beck, der das Spitzeneinzel bestritt, rettete sich nach verlorenem ersten Satz zwar im zweiten in den Tiebreak, doch Robin Haase ließ sich den finalen Punkt nicht entgehen.

Aachens Trainer Carsten Arriens erwies sich als fairer Verlierer: „Wir haben in den letzten Jahren auch einige Male das Glück auf unserer Seite gehabt, jetzt gilt es für uns, in der kommenden Saison wieder anzugreifen.“ Es sei denn, Halle strauchelt am letzten Spieltag doch noch – und dem TK Kurhaus gelingt das ganz große Meisterstück.

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