Düren - Tiilikainen: „Die Spieler müssen Volleyball atmen“

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Tiilikainen: „Die Spieler müssen Volleyball atmen“

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Wird an der Linie auch mal emotional: Tommi Tiilikainen bejubelt in der nächsten Saison die Punkte der Powervolleys Düren. Foto: Tommy Lågland
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Im Fokus: Tommi Tiilikainen zwischen Dürens Kapitän Jaromir Zachrich (links) und dem Sportlichen Leiter Goswin Caro (rechts). Foto: Jansen

Düren. Der neue Trainer ist wieder ein ganz junger. Volleyball-Bundesligist SWD Powervolleys Düren geht also den Weg weiter, den er in dieser Saison beschritten hat: Tommi Tiilikainen, der finnische Nachfolger von Anton Brams, ist erst 28 Jahre alt. Brams war bei seiner Verpflichtung sogar noch ein Jahr jünger.

Tiilikainen wurde in den vergangenen vier Jahren mit seinem Klub Kookolan Tiikerit je dreimal finnischer Meister und Pokalsieger. Mit Dürens neuem Coach, der einen Einjahresvertrag unterschrieben hat, sprachen unsere Redakteure Guido Jansen und Franz Sistemich.

In der vergangenen Saison hat Düren mit Anton Brams den jüngsten Trainer gestellt. Jetzt mit Ihnen wieder. Sie sind gerade mal 28 Jahre alt. . .

Tiilikainen: Die Sache mit dem jungen Trainer ist für mich mittlerweile ziemlich alt. Ich war 25, als ich in Kokkolan Trainer in der Ersten Liga geworden bin. Am Anfang bin ich immer wieder auf mein Alter angesprochen worden. Später habe ich die Journalisten mehr im Spaß gefragt, ob sie nicht noch mal was über mein Alter schreiben wollen.

Dann packen wir das Thema anders an: Für Ihr Alter waren Sie schon ziemlich erfolgreich.

Tiilikainen: Ich hatte vier großartige Jahre mit Kokkolan, die ich nicht missen will. Wir haben zusammen ein paar gute Dinge erreicht. Aber das hat nicht so viel mit dem Trainer zu tun. Für das Magische auf dem Spielfeld sind die Spieler zuständig.

Man könnte den Eindruck haben, dass Sie es nicht mögen, wenn man sagt, dass Sie in vier Jahren dreimal finnischer Meister geworden sind.

Tiilikainen: Ich sehe mich als einen Diener dieser Sportart. Ich bin dafür da, anderen zu helfen, dass sie bessere Sportler werden. Und natürlich bin ich stolz auf das, was wir erreicht haben, sehr sogar. Wir haben das geschafft, weil wir als Team so gut funktioniert haben. Da ist etwas Magisches entstanden. Als ich in Kokkolan Trainer geworden bin, da war der Verein Tabellenletzter. Danach sind wir Meister geworden. In der vergangenen Saison haben wir 40 von 41 Spielen gewonnen, 37 in Folge. Aber das hat nur funktioniert, weil wir eine Gruppe waren, in der sich alle gegenseitig stärker gemacht haben. Das will ich in Düren auch erreichen.

Aber 37 Siege in Folge mit den Powervolleys – das klingt wenig realistisch.

Tiilikainen: Möglicherweise. Resultate sind aber auch nicht das, was unsere Art zu spielen definiert. Wir brauchen Leidenschaft als Grundvoraussetzung. Wenn alle diese Leidenschaft teilen und bereit sind, so hart wie möglich zu arbeiten, dann merkt das auch das Publikum. Dann springt die Stimmung über. Und dann kommen die Resultate von ganz alleine.

Was sollten gute Spieler aus Ihrer Sicht sonst noch mitbringen?

Tiilikainen: Natürlich das notwendige Können. Oder das Talent und den Willen, hart dafür zu arbeiten, dass sie sich das Können aneignen. Andererseits wünsche ich mir, dass ich die Spieler an einem Punkt ganz an den Anfang ihrer Entwicklung zurückversetzen könnte. Nämlich in Sachen Erwartungshaltung. Jeder in der Liga scheint zu erwarten, dass am Ende Teams wie Berlin und Friedrichshafen vorne stehen. Ich will, was das angeht, den kompletten Reset in den Köpfen machen. Warum soll es nicht möglich sein, dass Düren 37 Spiele in Folge gewinnt?

In Finnland haben Sie also offenbar alles erreicht. Wechseln Sie Land und Liga deswegen, weil nicht mehr mehr möglich ist?

Tiilikainen: Es wäre noch mehr möglich gewesen. Es gibt nämlich immer viele kleine Dinge, an denen man arbeiten kann. Aber ich hatte für mich einfach das Gefühl, dass es Zeit war, etwas Neues zu machen.

Und warum dann Düren?

Tiilikainen: Ich kannte den Verein schon aus meiner Jugend, als ich mir Europapokalspiele angeschaut habe. Da waren auch Dürener Spiele dabei. Ich habe auch schon im vergangenen Jahr Kontakt zum Verein gehabt, als ich gehört habe, dass sie einen Trainer suchen. Sie haben sich für Anton Brams entschieden, was ich sehr spannend fand. Anton ist ein cleverer Typ mit sehr modernen Methoden. Und auch sehr jung. Ich habe dann mehrfach mit ihm telefoniert, schon lange, bevor feststand, dass er nach der Saison aufhört. Wir wollten uns einfach austauschen. Ich finde es ohnehin wichtiger, dass alle daran arbeiten, Wissen zu vermehren, statt es in einem Konkurrenzdenken für sich zu behalten.

Sie haben so einige Gemeinsamkeiten mit Anton Brams, oder?

Tiilikainen: Ja. Wir sind beide sehr jung Trainer geworden, weil wir unseren Traum, Volleyballprofi zu werden, beide aufgeben mussten. Ich hatte mit 19 Jahren eine schwere Rückenverletzung. Danach folgten zwei, drei dunkle Jahre, weil ich nicht wusste, was ich mit mir anstellen sollte. Und dann kam die Sache mit dem Trainer. Als Trainer denke ich ähnlich wie Anton. Ich will, dass die Spieler lernen, Situationen als Team selbstständig zu lösen. Für mich ist Qualität im Training wichtiger als Quantität. Viele Trainer legen ja Wert auf möglichst viele Wiederholungen. Und ich bin der Meinung, dass man neue sportwissenschaftliche Erkenntnisse nutzen sollte.

Wie fällt Ihr Vergleich zwischen der Ersten Liga in Finnland und der in Deutschland aus?

Tiilikainen: Die finnische Liga hat einen Sprung gemacht, die Spitzenteams sind in den vergangenen Jahren besser geworden. Im Vergleich mit Deutschland sind Teams wie Berlin und Friedrichshafen noch vorneweg. Aber nicht zu weit. VaLePa Sastamala, das Team, das wir jetzt im Finale geschlagen haben, hat im Europapokal immerhin den späteren Sieger Berlin im Hinspiel geschlagen.

Was wissen Sie über die Bundesliga? Sind Sie in die Dürener Kaderplanungen eingebunden?

Tiilikainen: In Sachen Kader entscheiden wir als Team. Ich habe mit vielen Spielern lange gesprochen, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Das ist mir wichtig. Ich will die Leidenschaft, die ich für Volleyball habe, auch bei den Spielern sehen. Schließlich verbringen wir eine lange Zeit zusammen, in der wir gemeinsam arbeiten. Von den Spielern erwarte ich auch, dass sie charakterlich einwandfrei sind. Ich habe zuletzt natürlich schon viele Spiele aus der Bundesliga gesehen. Und ich kenne genug Leute, die ich etwas fragen kann, wenn es um die Bundesliga geht.

Bei Ihrer Präsentation haben Sie einen ruhigen Eindruck gemacht, trifft das auch auf den Tommi Tiilikainen an der Seitenlinie zu?

Tiilikainen: Das nun eher nicht. Ich kann da schon sehr laut und emotional werden. Am Anfang war das noch mehr. Ich habe gelernt, das ein wenig zu kontrollieren. Wichtig ist bei aller Emotionalität, dass der Respekt, ein wichtiger Bestandteil unserer Sportart, vor dem Gegner und dem Schiedsrichtergespann immer gelebt wird.

Wie soll das neue Team aussehen? Verfolgen Sie eine bestimmte Strategie oder Philosophie?

Tiilikainen: Die Leidenschaft muss bei jedem Spieler da sein. Sonst kann ich den Spieler nicht brauchen. Er muss Volleyball atmen, genau wie ich. Welche Spiel-Philosophie wir haben werden, kann ich noch nicht sagen. Das hängt von den Spielern ab. Wenn die feststehen, dann bauen wir eine Philosophie um deren Stärken herum auf.

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