Tennis-Bundesliga: „Die Anlage soll aus allen Nähten platzen“

Letzte Aktualisierung:
12413829.jpg
Symbolisches Kräftemessen schon vor dem ersten Ballwechsel in der Tennis-Bundesliga: Alexander Jakubec (links), Trainer des Aufsteigers Blau-Weiss Aachen, und Alex Legsding, Teamchef des fünfmaligen Deutschen Meisters TK Kurhaus Aachen. Foto: Andreas Steindl
12414377.jpg
Top-Spieler in den Reihen von Blau-Weiss: der Niederländer Igor Sijs-ling. Foto: imago/ PanoramiC

Aachen. Wenn ab dem 3. Juli am ersten Spieltag wieder die Filzbälle in der Tennisbundesliga fliegen, ist das der Auftakt für eine bislang einmalige Situation: Aachen stellt mit dem amtierenden Vizemeister TK Kurhaus und dem Aufsteiger Blau-Weiss gleich zwei Vereine im zehn Klubs umfassenden Tennis-Oberhaus.

Vor dem Auftakt sprachen Wilhelm Peters und Roman Sobierajski mit Blau-Weiss-Trainer Alex Jakubec und Kurhaus-Teamchef Alex Legsding.

 

Im kommenden Monat steht der Tennis-Welt ein historisches Ereignis bevor: eine Stadt, zwei Vereine in der Tennis-Bundesliga. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die neue Saison?

Legsding: Erst einmal sollten wir Blau-Weiss zum Wiederaufstieg der Frauen-Mannschaft in die Erste Liga beglückwünschen. Eine phantastische Leistung. Hervorragend gemacht.

 

Da könnte der TK Kurhaus durchaus einmal nachziehen . . .

Legsding: Unsere Frauen haben ja Ende der 70er Jahre in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gestanden. Aber seit einigen Jahrzehnten sind wir auf den Männerbereich fokussiert. Wir freuen uns riesig auf die Saison und auch auf das Bundesliga-Derby. Darauf werden wir überall in der Stadt angesprochen. Jeder hat den 8. Juli im Kalender angekreuzt, und wir hoffen, dass die Anlage dann aus allen Nähten platzen wird. Ich bin gespannt, wie es ausgehen wird. Jakubec: Wir haben hier in Aachen halt die besten Bedingungen. Viele stehen mit großem persönlichen Einsatz dahinter und bewegen einiges. Das ist ein ganz langer Weg, so etwas auf die Beine zu stellen.

 

War der TK Kurhaus so etwas wie ein Vorbild für Blau-Weiss oder sind die Voraussetzungen zu unterschiedlich?

Jakubec: Wenn ich ehrlich sein soll: Beim TK Kurhaus gefällt mir die Gesamtstruktur nicht unbedingt. Die Bundesliga-Mannschaft wird professionell und hervorragend gemanagt, keine Frage. Aber bei uns ist halt positiv, dass wir ein sehr durchlässiges Konzept haben, in der Breite und auch in der Jugend. Legsding: Moment, wir haben aber auch mehrere Aufstiege bei der Jugend zu verzeichnen. Die Knaben und die Mädchen spielen jetzt in der Oberliga, die Juniorinnen stehen kurz vor dem Aufstieg, die ersten Junioren haben noch eine Partie um den Aufstieg in die erste Verbandsliga. Wir sind also nicht schlecht aufgestellt, aber von den Mitgliederzahlen her halt wesentlich kleiner.

 

Musste man bei Blau-Weiss lange überlegen, ob tatsächlich der Sprung in die Erste Liga gewagt werden soll?

Jakubec: Der Unterschied zwischen Zweiter und Erster Liga liegt vor allem in der Systematik, dort Sechser-Mannschaften, hier Vierer-Teams. Deshalb haben wir vor dem Aufstieg überlegen müssen: In der Ersten Liga steht ein Drittel des Teams ständig auf dem Prüfstand, wir wollten aber auch den Stamm unserer langjährigen Spieler aus Zweitliga-Zeiten nicht verlieren, wenn der Weg nach nur einer Saison wieder runterführen sollte.

 

Der TK Kurhaus hat sich vor allem im mittleren Bereich der Meldeliste verstärkt. Sie werden wohl kaum Gefahr laufen, ständig die ersten vier oder fünf spielen lassen zu müssen, spielen lassen zu können.

Legsding: Nein, mit Top-Spielern wie Roberto Bautista-Agut oder Pablo Cuevas kann man von vornherein nur punktuell planen. Es ist gesünder, eine breite Basis darunter zu haben, Spieler, die in der Weltrangliste zwischen 100 und 200 rangieren.

 

Ruben Bemelmans, die Nummer zwei im Blau-Weiss-Kader, ist ja vor einigen Jahren schon für den TK Kurhaus in der Bundesliga angetreten . . .

Legsding: . . . und hat sogar bei unserer Zweiten in der zweiten Verbandsliga ausgeholfen. Er wollte sich dann aber auf seine Hartplatz-Karriere fokussieren. Jetzt hat er den Sprung unter die Top 100 geschafft. Ich freue mich auf ihn, er ist ein kompletter Spieler, ein Linkshänder mit viel Übersicht.

 

Man hat ohnehin den Eindruck, dass der TK Kurhaus mit einer Weltauswahl ins Rennen geht, Blau-Weiss eher mit einer „Best of Euregio“ mit vielen Belgiern und Niederländern.

Legsding: Viele Spieler von Blau-Weiss zeigen eine sehr gute Leistung. Igor Sijsling, niederländischer Top-Spieler bei Blau-Weiss, stand schon um Nummer 60 in der Welt, ist ein sehr guter Doppelspieler.

 

Sie haben den Gegner also bereits gründlich studiert?

Legsding: Yannick Reuter ist auf Asche sehr erfolgreich unterwegs, Joris De Loore hat sich auch hervorragend entwickelt. Da sind einige dabei, die Top-Spieler auf Asche aus dem Spiel nehmen können.

Jakubec: Wir haben hervorragende Kontakte in die Niederlande und vor allem nach Belgien. Vieles läuft auch über Gespräche unter den Spielern und aus der Mannschaft heraus, die sagen können, ob ein Akteur menschlich zu uns passt und wo seine spielerischen Stärken liegen. Mit unserem Dreiländereck-Konzept können die Spieler zu den Spieltagen mit dem eigenen Auto anreisen. Die gute Stimmung untereinander hat uns schon in der Vergangenheit durchgeschoben und für Erfolge gesorgt. Das ist für uns ein wichtiger Faktor.

 

Die Vereine haben ja auch einen gewissen Einfluss auf die Gestaltung des Spielplans. Jetzt ist das Bundesliga-Derby am zweiten Spieltag, der CHIO läuft parallel. Zweimal haben die beiden Aachener Klubs zudem gleichzeitig Heimspiele. War das so gewollt, wäre Aachen gegen Aachen nicht auch als Eröffnungspartie hervorragend geeignet gewesen?

Jakubec: Wir hatten gesagt, dass wir nicht zeitgleich mit dem TK Kurhaus Heimspiele bestreiten wollen, haben dies aber nicht schriftlich fixiert, weil dieser Wunsch so trivial ist. Nun ist unser Ansinnen deshalb allerdings auch nicht berücksichtigt worden. Legsding: Das ist alles sehr unglücklich gelaufen. Der Saisonauftakt ist aber zugleich auch der Weiße Sonntag von Wimbledon, das hätte auch Probleme gegeben. Bislang war auch immer ein großes Ziel, den Spannungsbogen lange hochzuhalten, die Partie TK Kurhaus gegen Halle möglichst ans Saisonende zu legen. Das hat bei uns in der Vergangenheit auch für Missstimmung gesorgt.

 

Wie würden Sie das Saisonziel definieren?

Jakubec: Wir erwarten schon eine sehr schwere Zeit. Man kann immer mal einen Satz gewinnen, wir sehen uns trotzdem als absoluten Außenseiter. Das größte Problem und unsere Aufgabe als Trainer wird sein, die Stimmung hochzuhalten, wenn man drei-, viermal in Folge als Verlierer vom Platz gegangen ist. Wir hoffen auch auf Sondersituationen wie Wimbledon oder die Olympischen Spiele, wenn den anderen Teams ihre Besten nicht zur Verfügung stehen.

Legsding: Wir haben fünf Meisterschaften und zwei Vizemeisterschaften seit 2008 geholt. Die letzten beiden Jahre haben gezeigt, wie knapp alles beieinander liegt, in der vergangenen Spielzeit hat uns ein einziges Match gefehlt. In dieser Saison haben wir uns nichts Großartiges vorgenommen. Wir haben jetzt sieben junge Spieler neu im Kader, die wir integrieren wollen. Wir streben einen guten Platz im Mittelfeld an. Sollte daraus mehr werden, würden wir uns natürlich auch nicht sträuben. Wir haben uns riesig über den grandiosen Sieg von Florian Mayer beim Rasenturnier in Halle gefreut. Nach seinem üblen Verletzungspech hatte er schon mit dem Gedanken gespielt, seine Tour-Karriere zu beenden.

 

Dass Florian Mayer als Ankerspieler in der vergangenen Saison so lange verletzt ausfiel, dürfte dazu beigetragen haben, dass der TK Kurhaus den Titel nicht gewinnen konnte. Nun ist aber das Zugpferd Philipp Kohlschreiber zur direkten Konkurrenz nach Gladbach gewechselt.

Legsding: Flo Mayer konnte bereits vor zwei Jahren am entscheidenden Spieltag verletzungsbedingt nicht für uns antreten. Dass Kohlschreiber gegangen ist, fanden wir auch schade. Aber wir müssen natürlich auch unser Budget im Auge haben. Ich habe ihm einen reduzierten Vertrag angeboten, aber das hat er abgelehnt. Menschlich und persönlich bin ich enttäuscht, schließlich hat er sieben Jahre lang bei uns ein familiäres Umfeld vorgefunden.

 

Alex Jakubec bringt als DTB-Ausbilder viel Erfahrung als Trainer mit, auch wenn er in seine erste Bundesliga-Saison geht. Beim TK Kurhaus sitzt mit Dominik Meffert ein Trainernovize auf der Bank. Kann das ausschlaggebend sein für eine Partie, für das Derby?

Legsding: Dominik Meffert hat schon immer als Fernziel gehabt, als Trainer zu arbeiten. Dass es jetzt plötzlich der TK Kurhaus wird, kam auch für ihn überraschend. Er musste trotzdem nicht lange überlegen. Es ist neu, auch für ihn, aber ich bin guter Dinge, dass wir genau den richtigen Mann haben. Dominik als Trainer, das war meine erste Idee. Es hat sich aber im Prinzip fast zwangsläufig von alleine entwickelt.

Jakubec: Auch ich finde, dass das die optimale Besetzung ist. Meffert hat Stallgeruch als Spieler und Co-Trainer, arbeitet im Verband, jetzt auch im Verein und hat eine Stelle an der Sporthochschule. Das passt komplett. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich das Bundesliga-Team oder eine Knaben-Mannschaft coache. Es geht immer darum, den Spieler optimal zu positionieren. Für mich ist es ein Geschenk, dass ich auf der Trainerbank sitzen darf. Die Stimmung brodelt, ein Spieler ist ratlos, man gibt ihm Tipps – und es funktioniert auch noch. Das ist fast ein Wunder. Das sind die schönsten Erlebnisse, die es gibt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert