Tanzsport: Hoffen auf das „Wunder von Düren“

Von: Helga Raue
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Fokussiert auf die große Aufgabe: Kapitän Niklas Freche (vorne) will mit der FG Aachen/Düsseldorf den Klassenerhalt schaffen. Foto: Jürgen Karl
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Nicht mutlos: Torben Bölk.

Aachen/Düren. Die Situation ist prekär – aber nicht aussichtslos. Allerdings muss schon ein „Wunder von Düren“ her, damit der Abstieg aus der Bundesliga noch verhindert werden kann. Denn die Lateinformation der FG Tanzsportzentrum Aachen/Boston-Club Düsseldorf kann den Klassenerhalt nicht mehr „aus eigener Kraft“ schaffen, sondern muss auf die Mithilfe der Konkurrenz hoffen.

Das Team von FG-Cheftrainer Torben Bölk muss nicht nur mit eine guten Leistung die Wertungsrichter überzeugen, sondern auch darauf hoffen, dass der 1. TC Ludwigsburg mindestens zwei Plätze schlechter platziert ist. Nach Platz fünf und sechs zum Bundesliga-Auftakt hatten die Aachener zuletzt zwei Mal in Ludwigsburg jeweils den letzten Platz belegt und stehen nun 1,5 Punkte hinter dem 1. TC auf dem ersten Abstiegsplatz.

Vor dem letzten Wettbewerb, dem Heimturnier in der Arena Kreis Düren, am Samstag um 19 Uhr äußern sich Trainer Torben Bölk und FG-Kapitän Niklas Freche zur Saison, der Situation und den Hoffnungen.

 

Herr Bölk, Herr Freche, wie ist die Stimmung im Team vor dem wichtigen Heimturnier?

Bölk: Wir sind alle enttäuscht, wie die bisherige Saison gelaufen ist. Aber wir werden kämpfen. Das Team soll nach der harten Arbeit der vergangenen Monate am Samstag aber vor allem Spaß haben. Schließlich ist das Publikum in Düren immer toll, zudem sind die Familien und viele Freunde da. Da wollen wir uns noch einmal von unserer besten Seite präsentieren.

Freche: Die Stimmung ist natürlich sehr gemischt, enttäuscht sind alle. Auf der einen Seite haben wir in den vergangenen Monaten hart gearbeitet, auf der anderen war unsere Leistung aber nicht immer gut genug. Das wissen wir auch. Aber es ist natürlich nicht toll, wenn man als deutscher Vizemeister des Vorjahres so durchgereicht wird.

Lassen Sie uns zurückblicken: Bei der DM wurde Aachen mit der neuen Choreographie „The Great Gatsby“ Fünfter, verpasste das Finale nur um 0,9 Punkt und lag deutlich vor Backnang und beiden Ludwigsburger Teams. Was ist danach passiert? Hat die Mannschaft sich nicht weiterentwickelt?

Freche: Man muss die gesamte Entwicklung sehen. Wir hatten einige Personalprobleme, das Team stand erst kurz vor Ende der Vorbereitung. Für einige der neuen Tänzer ist es zudem die erste Bundesliga-Saison. Es braucht Zeit, bis das Team sich gefunden hat. Aus der erfolgreichen EM-Formation von 2014 sind nur noch Eric Soeterboek und ich dabei. Und Torben, unser damaliger Kapitän, ist jetzt unser Trainer. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die anderen Teams ja auch hart arbeiten.

Bölk: Ich finde, dass wir uns gegenüber der DM im November in Bamberg deutlich weiterentwickelt haben und konstanter geworden sind. Trotzdem wurden wir systematisch durchgereicht, in der DM-Vorrunde Vierter, nach der Zwischenrunde Fünfter, beim ersten Bundesliga-Turnier der geteilte fünfte Rang mit Backnang, dann Sechster und dann zwei Mal Achter. Dabei haben wir zuletzt in Ludwigsburg im Finale die bis dahin beste Saisonleistung gezeigt und waren sehr zuversichtlich. Als die Wertung kam, hat uns das wirklich den Boden unter den Füßen weggezogen.

Mal ehrlich, hätten Sie nach der DM mit so einem Bundesliga-Verlauf gerechnet?

Bölk: Nein, und selbst mit Platz sechs – der den Klassenhalt bedeuten würde – oder sieben sind wir nicht zufrieden. Vor allem nicht auf lange Sicht. Wenn wir unsere Leistung immer abgerufen hätten, hätte es mindestens zu Platz sechs reichen müssen. Aber natürlich haben wir auch einige Fehler gemacht.

Wie wurde in der Vorbereitung auf das Heimturnier trainiert?

Bölk: Ich habe vor dem Turnier den Druck rausgenommen. Wir haben in den vergangenen Wochen wirklich hart gearbeitet, um die Klasse zu halten. Und es ist ja nicht so, dass die Mannschaft die Choreographie nicht kann. Beispiel Pirouetten: Bisher hatten wir da bei jedem Turnier einen Patzer, aber im Training stehen alle die Pirouetten problemlos, klappt die ganze Choreographie fehlerlos. Es nützt nichts, jetzt noch mehr Druck zu machen. Wir müssen am Samstag unser Bestes geben und dann schauen, was dabei herauskommt.

Und was ist realistisch zu erwarten?

Freche: Realistisch gesehen, kann alles passieren. Zwischen Platz fünf und acht ist alles möglich. Ob das reichen wird, ist eine andere Frage. Wichtig ist uns, dass das Team noch einmal zeigt, dass es auch zwei Durchgänge hinzaubern kann, die unserem Standard entsprechen und allen zeigen, dass wir hart gearbeitet haben. Und dass wir nicht auf einen Abstiegsplatz gehören. Vor allem aber wollen wir viel Spaß auf dem Parkett haben und das auch rüberbringen.

Bölk: Ich denke, dieses „Wunder von Düren“ heraufzubeschwören, bringt uns nichts. Der Versuch, es zu erzwingen, wäre der falsche Weg. Es passiert – oder eben auch nicht. Wichtig ist uns zu zeigen, was wir drauf haben und unseren Familien und Freunden eine tolle Show zu bieten. Und dann sieht man, was dabei herauskommt.

In Düren wurde die FG-Formation 2014 Europameister – und ist es immer noch, da es seither mangels Ausrichter keine EM mehr gab. Getragen vom Publikum wuchs die Mannschaft über sich hinaus und begeisterte. Ist Düren besonders?

Freche: Ganz sicher. Ein Heimturnier zu tanzen, ist immer ein besonderes Gefühl. Das Publikum pusht uns. Aber es birgt auch eine Gefahr, man darf sich davon nicht überrennen lassen. Wir haben noch eine Chance, und die wollen wir nutzen.

Bölk: Ich erinnere mich noch sehr gut an die EM und die Gefühle. Und daher freue ich mich auch sehr auf Samstag, wenn ich da als Trainer erstmals vor meinem Team stehe. Das Publikum wird uns ganz sicher wieder tragen.

Wie ist Ihr persönliches Gefühl vor dem vielleicht vorerst letzten Erstliga-Turnier?

Freche: Ich persönlich bin sehr traurig. Ich habe in der Hochphase mit der FG getanzt, bin mit dem Team Europameister geworden. Ein Abstieg wäre echt bitter. Aber es kann noch einiges passieren. Wie etwa in der Zweiten Bundesliga, wo gleich drei Teams mit zehn Punkten um den Aufstieg rangen. Vielleicht klappt es ja auch noch bei uns.

Herr Bölk, Sie kennen ja auch das tiefe Tal, durch das die FG marschieren musste, bevor der Erfolg zurückkehrte. Wie sähe es kommende Saison bei Ihnen aus, wenn die FG-Formation absteigen sollte?

Bölk: Ich würde auch in Liga zwei nicht hinwerfen und aufgeben. Dann starten wir durch und greifen wieder an.

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