Tänzer wollen zu alter Stärke zurückfinden

Von: Helga Raue
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Zwischen „seinen“ Frauen: Heiko Samlowski mit Laura Karsch und Sabine Held (links). Foto: Jürgen Karl

Aachen. Eigentlich hatte Heiko Samlowski aufs Tanzen wenig Lust. „Meine damalige Freundin hat mich überredet, mit ihr in die Tanzschule zu gehen. Da mein bester Freund mitkam, habe ich es dann gemacht“, erinnert sich der 26-Jährige lachend.

Das war 2004 – und noch anno 2016 ist das Tanzen nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken. Seit dem vergangenen Sommer tanzt der Aachener in der Lateinformation der FG Tanzsportzentrum Aachen/TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß, wurde bei den Deutschen Meisterschaften im November mit der Silbermedaille dekoriert.

In der Bundesliga muss das FG-Team aktuell allerdings überraschend Boden gutmachen – da kommt das Heimturnier am Samstag ab 19 Uhr in der Arena Kreis Düren den Aachener Tänzern gerade recht.

Das Publikum begeistern

„Unser erstes Ziel ist, uns nicht unterkriegen zu lassen und unser eigenes Publikum zu begeistern“, sagt Samlowski, der sich wie seine Teamkollegen ganz besonders auf den „Hexenkessel Düren“ freut. Denn das begeisterungsfähige rheinische Publikum sorgt immer für eine besondere Stimmung – natürlich ganz besonders beim eigenen Team.

Das kann den Zuspruch gut brauchen, denn für die Tänzer von FG-Cheftrainer Oliver Seefeldt begann die Bundesliga-Saison ziemlich enttäuschend. Das erste Turnier in Mülheim war begleitet von Pleiten, Pech und Pannen – Stürze, ein zerrissenes Kleid, Patzer und zuletzt kollektive Unsicherheit bedeuteten nur Platz 4 hinter Weltmeister GGC Bremen A und den gemeinsam zweitplatzierten Bremen B und Velbert. Allerdings war die Wertung eng und uneinheitlich, eine Platzziffer 3 mehr – und Aachen/Düsseldorf wäre Zweiter geworden.

„Unser Ziel in der Liga war erneut Platz 2 mit Angriff nach oben, da war der vierte Rang natürlich eine Enttäuschung, auch wenn die Plätze 2 bis 4 – wie schon bei der DM – eng zusammenlagen“, so Samlowski. Beim zweiten Turnier in Bremen zeigten die Tänzer zwei gute Durchgänge, was aber von den Wertungsrichtern nicht honoriert wurde, denn diesmal wurden sie mit sechs Mal Platzziffer 4 und sogar einer 5 klar auf den vierten Rang verwiesen.

„Das Finale war gut, und wir haben uns gut gefühlt, daher haben wir die Wertung erst einmal nicht verstanden.“ In den vergangenen Wochen wurde nun hart trainiert, um beim Heimturnier – auch getragen vom Publikum und den Emotionen – wieder zu alter Stärke zu finden. „Wir wollen unser Publikum flashen“, ist dem Tänzer die Vorfreude auf Düren anzumerken.

Für ihn ist es der erste Auftritt mit dem FG-Team, nicht aber der erste bei einem Bundesliga-Turnier in Düren, noch in der vergangenen Saison tanzte Samlowski hier mit der TSG Quirinus Neuss und zuvor schon mit Blau-Silber Aachen. Seine Formationskarriere startete er 2004 im B-Team des Tanzsportzentrums Aachen. „Der Tanzkurs, das Bewegen zur Musik, hatte uns riesigen Spaß gemacht, und so habe ich mich überreden lassen, es in der Formation zu versuchen.“

Der Aachener, damals 16 Jahre jung, leckte schnell Blut. „Ich war definitiv von Beginn an von diesem Sport fasziniert. Und im Team zu tanzen, ist noch besser als einzeln. Und da ich mich in der Tanzschule nicht so schlecht angestellt hatte“, erzählt er augenzwinkend, „wollte ich danach mehr.“ Mit dem B-Team tanzte er in der Oberliga zur TSZ-Erfolgschoreographie „Gipsy“ – und landete bei jedem Turnier auf dem letzten Platz. Was dem Spaß aber keinen Abbruch tat. „Wir waren nur sechs Paare, standen alle am Anfang.“

Nach dieser Saison trennten sich ein Teil der Tänzer, darunter fast die komplette Jugend, und Funktionäre vom TSZ Aachen und gründete unter dem Dach von Blau-Silber Aachen eine neue Formation.

Nach zwei Saisons mit dem C-Team in der Landesliga folgte der Sprung in die erste Mannschaft, mit der am Saisonende der Aufstieg aus der Regional- in die Zweite Liga. Eine einjährige Auszeit, dem Abitur geschuldet, folgte. „Und ich hatte da auch mal was anderes im Kopf, als so viel Training“, gesteht Samlowski lachend.

Doch das Tanzen ließ ihn nicht los: Schon in der folgenden Saison stieg er wieder ins A-Team von Blau-Silber, das inzwischen in die Bundesliga aufgestiegen war, ein. „Und habe den Klassenerhalt in Liga 1 und danach auch alle Abstiege bis in die Oberliga und den erneuten Regionalliga-Aufstieg mitgemacht“, war seine Liebe zu seinem Sport ungebrochen.

Zwar verließ er die Formation im Frühjahr 2014, konzentrierte sich dann aber vermehrt aufs Einzeltanzen. Bis eine frühere Teamkollegin kurz vor dem Jahreswechsel um Hilfe bat. „Neuss hatte kurz vor dem Bundesliga-Start zu wenige Tänzer, und da ich im Einzel in die A-Klasse aufgestiegen war, habe ich spontan zugesagt.“

Die Saison hinterließ gemischte Gefühle – zum einen, weil Neuss abstieg, zum anderen weil er seine jetzige Freundin Laura Karsch kennenlernte. „Da es trotzdem Spaß gemacht hatte, wollten wir in der Zweiten Liga weitertanzen, doch im Sommer wurde das Team aufgelöst, und unserer Trainerin Vera Leder hat uns noch am gleichen Tag zu Oli gezerrt“, so Samlowski.

„Das Team hat Ehrgeiz“

Da bei der FG – 2008 hatte das TSZ Aachen mit Düsseldorf eine Formationsgemeinschaft gegründet – ebenfalls ein Generationswechsel stattgefunden hatte, waren die Zugänge bei Oliver Seefeldt sehr willkommen. „Das Training ist komplett anders, die Einstellung der Mannschaft ebenfalls. Das Team hat Ehrgeiz, will etwas erreichen, tanzt nicht nur zum Spaß, dafür wird hart trainiert“, musste sich der 26-Jährige zu Beginn fragen, ob er überhaupt gut genug für das internationale Spitzenteam ist.

Bei der DM konnte er es beweisen, bei der WM musste er zusehen, was aber nicht an den Qualitäten des Aacheners lag. Da eine andere Tänzerin aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, musste Seefeldt die Paare umstellen – und Samlowski sollte statt mit Sabine Held nun mit Freundin Laura tanzen. Der Aachener grinst: „Es ist schwierig, mit dem eigenen Partner zu tanzen, wenn der Erfolgsdruck so groß ist.

Aber es hat unserer Freundschaft nicht geschadet, dass wir auf dem Parkett nicht ganz so harmonieren wie in unserer Beziehung.“ In einer Beziehung nimmt man die Kritik persönlicher. „Das ist mit Sabine anders, da kann ich das annehmen, wenn ich mal wieder mit zu viel Kraft in den Bewegungen tanze“, sagt Samlowski lachend. Und so wird er am Samstag Sabine aufs Parkett führen, und Laura wird mit Fabian Kelleners tanzen – wie bei der DM.

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