Superschwergewicht Max Keller holt den Titel des Deutschen Box-Meisters

Von: rom
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Keine zwei Meinungen möglich: Max Keller (rechts) sicherte sich souverän den Titel des Deutschen Meisters. Foto: Stock

Aachen. So gänzlich ungeschoren ist auch Max Keller nicht von den Deutschen Elitemeisterschaften der Amateurboxer zurückgekehrt. Aber es sind zumindest die Schmerzen des Siegers, die der 23-Jährige zu erleiden hat. „Ich habe Schmerzen in beiden Händen“, stöhnt der Superschwergewichtler nur ein wenig.

„Aber das muss ich mal ärztlich abklären lassen, ob ich mir vielleicht eine Kapselverletzung an den Knöcheln zugezogen habe.“

So souverän, wie sich der fast zwei Meter große PTSV-Boxer am Wochenende in Straubing den Titel in der offenen Gewichtsklasse über 91 Kilogramm erboxt hat, dürfte kein Titelträger der vergangenen Jahre ganz nach oben aufs Treppchen gestiegen sein.

Der Titelträger des vergangenen Jahres jedenfalls nicht, denn da stand Keller ebenfalls im Finale – und musste sich dem Votum der Kampfrichter geschlagen geben. „Die Meinungen darüber, wer vorne lag, gingen weit auseinander“, erklärte Keller vor gut einem Jahr. Und: „Ich werde versuchen, im nächsten Jahr derart vorne zu liegen, dass es keine Möglichkeit gibt, den Kampf anders zu bewerten“, hatte sich Keller vorgenommen.

Den Plan hat der Kämpfer in der Königsklasse eindrucksvoll umgesetzt: Im Viertelfinale traf der Aachener Student auf Eric Brechlin von Motor Babelsberg – und Keller wurde mit 3:0-Richterstimmen zum Sieger erklärt. Im Halbfinale musste dann Philipp Gruner gegen Max Keller in den Ring – und wieder sahen alle drei Wettkampfrichter den Aachener als Sieger, und kein einziger den Chemnitzer.

Doch der Höhepunkt sollte noch im Finale gegen den eher unerfahrenen Denny Stenzel folgen. „Man schlägt, fühlt die Distanz und versucht, sich Respekt zu verschaffen“, eröffnete Keller den Kampf über drei Runden eher traditionell. Doch mit einem kleinen Unterschied: „Ich habe gemerkt, dass die ihm zu schaffen machen und habe noch zwei Dreier- und Viererkombinationen hinterher geschickt.“

Einige müssen das Ziel gefunden haben, denn der Ringrichter unterbrach den Kampf nach 30 Sekunden, der Ringarzt attestierte Stenzel, den Kampf nicht mehr fortführen zu können – und Keller war der nun noch eindeutige Sieger durch technischen K.o.. Versprechen erfüllt, zwei Meinungen waren nun nicht mehr möglich und Keller konnte bei der Siegerehrung triumphierend den Klenkes hochrecken.

Wie hinter fast allem, was sich so leicht erzählen lässt, steckt ein langer Weg und eine Unmenge Arbeit dahinter. Zumal Max Keller die Mär vom dummen Boxer locker widerlegt und neben der Vorbereitung auf die Box-Meisterschaften auch noch an seiner beruflichen Karriere gefeilt und seine Bachelor-Arbeit fertiggestellt hat. Fachbereich: Psychologie. „Das war schon eine schöne Schinderei“, schildert Keller die harten Wochen. „Morgens um halb acht zum ersten Training, anschließend in die Uni, abends wieder Training, danach zu Hause lernen.“

Ob der geistige Kampf einen ebenso durchschlagenden Erfolg hatte wie die physische Auseinandersetzung, ist allerdings noch nicht klar, auch wenn Keller guter Dinge ist. „Irgendwann kommt der Briefumschlag mit der Urkunde“, beschreibt Keller die stimmungsvolle Feier. Aber, wenn die Hände schon schmerzen, ist es auf jeden Fall gut, das Schriftliche erledigt zu haben.

Sportlich ist unter das Jahr jedenfalls ein Haken gemacht, zumal der Titelgewinn zu spät kam, um noch in die Waagschale für den Start in Rio bei den Olympischen Spielen im kommenden Jahr geworfen zu werden. „Der deutsche Starter ist schon nominiert, aber ich werde auf jeden Fall daran arbeiten, bei den Olympischen Spielen 2020 dabei zu sein“, hat sich Keller ein Fernziel für die besten Boxer-Jahre gesteckt.

Das Nahziel heißt, im kommenden Jahr für einen guten Klub in der Bundesliga anzutreten. „Es gab bereits einige Anfragen“, verrät Keller. „Aber der PTSV Aachen bleibt natürlich mein Heimatverein.“

Eine Aussage seines Schützlings, die Heimattrainer Manfred Lutter, beim PTSV zuständig für die Wettkampfboxer, ebenso freuen dürfte wie die sportliche Bilanz seiner Abteilung in den abgelaufenen Monaten. „Zweimal Gold und zweimal Silber auf Mittelrhein-Ebene, einmal Gold und einmal Silber auf NRW-Ebene“, zählt Lutter auf und lässt „die deutsche U 21-Meisterschaft von Alex Pilz und jetzt der Seniorentitel von Max Keller“ folgen. Allein schon das würde reichen, um einen Medaillenschrank mit reichlich Leben zu füllen, und dabei sind der dritte Platz von Max Keller bei den European Games in Baku und sein zweiter Rang beim traditionsreichen Chemie-Pokal noch nicht einmal erwähnt.

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