Köln - Stöger: „Erfolg ist immer das Produkt von Teamarbeit“

Stöger: „Erfolg ist immer das Produkt von Teamarbeit“

Von: Günter Kirschbaum
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„Erfolg ist immer ein Produkt von Teamarbeit“, sagt Stöger. Derzeit verpasst der Taktik-Tüftler seinem Kader in Windischgarsten/Oberösterreich gerade den Feinschliff. Foto: imago/Eduard Bopp

Köln. Holger Stanislawski erklärte seine Mission beim 1. FC Köln für gescheitert. Nun soll es Peter Stöger richten. Der 47-jährige Österreicher, der in der letzten Saison mit Austria Wien Meister wurde, setzt auf Offensive, schnelles Passspiel und den Mannschaftsgeist.

„Erfolg ist immer ein Produkt von Teamarbeit“, sagt Stöger. Derzeit verpasst der Taktik-Tüftler seinem Kader in Windischgarsten/Oberösterreich gerade den Feinschliff.

Wie haben Sie Ihre erste Zeit in Köln erlebt?

Stöger: Anstrengend, stressig, sehr nett. Ich finde es hier toll. Ich hatte viel zu tun.

Was genau hatten Sie zu tun?

Stöger: Ich musste viele Menschen kennenlernen, der FC ist ja ein großer Klub. Ich versuche, das so schnell wie möglich zu schaffen. Es gibt auch viel Arbeit mit der Mannschaft. Gespräche führen. Ein bisschen darüber zu sprechen, was wir trainingstechnisch und sportlich umsetzen wollen. Ich arbeite also jeden Tag im Geißbockheim und hatte bisher nur wenig Zeit, die Stadt kennenzulernen.

Haben Sie alles so angetroffen, wie es Ihnen Ihr Landsmann Toni Polster beschrieben hatte?

Stöger: Der erste Eindruck ist der, den er mir mitgeteilt hat. Die Leute sind offen, sehr kommunikativ. Es wird so sein, dass ich mich mit den Menschen hier verstehen werde. Das könnte passen.

Sie sind angetreten, um mit dem FC aufzusteigen. Wie gehen Sie dieses Projekt an?

Stöger: Ich habe schon festgestellt, dass diese Menschen, diese Stadt eine große Identifikation mit dem Verein haben. Das ganze Umfeld ist ausgerichtet auf Erstliga-Fußball. Jetzt heißt es, erst einmal den Kader fertigzustellen. Da ist noch einiges zu tun, vor allem im Offensivbereich. Dann müssen wir ein System wählen, mit dem wir in der Lage sind, mehr Tore zu erzielen, als das vorher der Fall war. Das war das Manko. Wenn man ohne Informationen hierher gekommen wäre und sieht die Tabelle, dann würde man sagen, die 43 Tore sind zu wenig, um aufzusteigen. Nach meinen ersten Eindrücken ist der Defensivbereich sehr gut aufgestellt, das könnte funktionieren.

Personelle Rückschläge mussten Sie schon hinnehmen. Adil Chihi und Sascha Bigalke fallen monatelang aus. Wie wollen Sie das kompensieren?

Stöger: Wir haben jetzt Maurice Exslager aus Duisburg geholt. Das ist eine Variante, für die wir uns kurzfristig entschieden haben. Das ist jemand, der Impulse bringen kann. Von seiner Schnelligkeit her, von seiner Aggressivität. Er könnte uns Räume schaffen.

Wie wollen Sie spielen lassen?

Stöger: Wir wollen eine offensive Variante schaffen, im Idealfall mit einem Sechser, mit zwei offensiven Spielern davor und drei Offensiven vorne. Wenn man so will 4-3-3, das im Defensivbereich auch ein 4-1-4-1 werden könnte. In diese Richtung denken wir. Wir wollen fünf, sechs Spieler vorne einbringen.

Exslager ist eine Offensivkraft. Anthony Ujah möchte in Köln bleiben. Ist dieser Transfer finanziell zu stemmen?

Stöger: Das ist die Frage. Ich hatte während des Confed Cups in Brasilien Mailkontakt zu ihm. Er weiß, dass ich ihn gerne hier hätte, dass er gut hierher passen würde, dass er hier den nächsten Schritt machen kann. Er würde auch gerne hier bleiben. Es ist aber auch auf dem deutschen Markt so, dass etwas nichts funktioniert, weil es um das liebe Geld geht.

Die Finanzen sind bei etwa 30 Millionen Euro Schulden ein bekanntes Problem. Können Sie trotzdem alles umsetzen, was Sie sich vorgestellt haben?

Stöger: Die meisten Trainer sind selten mit etwas zufrieden. Ich bin kein Trainer, der einen Verein ausbluten lassen will und bis ans Limit geht. Ich bin aber auch keiner, der sich mit allem zufrieden gibt, weil ich auch an den Folgen gemessen werde. Ich bin kompromissbereit. Mein Job ist es, das Bestmögliche aus dem, was ich habe, herauszuholen.

Wie möchten Sie Fußball spielen?

Stöger: Offensivorientiert, möglichst hoch verteidigen. Ich hätte gerne, dass die Leute erkennen: Die Mannschaft ist gewillt, nach vorne zu spielen, sie ist gewillt, den Gedanken zu haben, Tore zu schießen, die Mannschaft ist bissig und hungrig, den Erfolg einzufahren. Dafür werde ich mit meinem Trainerteam in Zukunft stehen. Ich hoffe, dass wir es so hinbringen können, dass wir eine Mannschaft haben, die vorne dabei sein kann.

Was funktioniert bereits?

Stöger: Die Defensive. Da ist die Mannschaft gut aufgestellt. Da kommt es jetzt darauf an, das Feintuning zu finden, weil wir versuchen werden, etwas höher zu verteidigen und ein bisschen offensiver zu stehen. Die Jungs sind sehr flexibel in der Umsetzung, was bedeutet, dass sie taktisch ganz gut ausgebildet sind. Sie sind schon in der Lage, innerhalb von zwei, drei Wochen ein taktisches Konzept einzuüben.

Müssten nicht im Trainingslager die Neuen schon dabei sein?

Stöger: Schauen Sie, die wenigen personellen Dinge, die wir noch machen wollen, müssen passen. Da warten wir lieber ein paar Tage, ehe wir etwas tun, von dem wir nicht überzeugt sind. Deshalb mussten am Montag noch nicht alle mit im Flieger sitzen. Und wenn ich alle dabei hätte, und es würden sich zwei verletzen, hätte ich wieder eine andere Situation. Trainer zu sein heißt, sich permanent mit den Möglichkeiten, die man hat, auseinanderzusetzen und das Beste daraus zu machen. Natürlich hätte ich gerne schon vor zehn Tagen alle gehabt. Entscheidend ist aber, dass am Ende das Konstrukt passt.

Was zeichnet ein Stöger-Team aus?

Stöger: Meine Mannschaften hat immer die Harmonie ausgezeichnet, dass alle Spieler das Gefühl haben, wichtig zu sein und Erfolg letztendlich nur das Produkt von Teamarbeit ist.

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