Steve Briese beerbt Erfolgscoach Manuel Ortiz-Gonzalez

Von: Helga Raue
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Betreut die Alemannia-Frauen in Liga 2: Steve Briese ist der neue Coach. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Erst am Sonntag in vier Wochen rollt der Ball in der Zweiten Fußball-Bundesliga der Frauen – zum Auftakt erwartet Aufsteiger Alemannia Aachen Bayern München II. Doch schon jetzt sind bei den Schwarz-Gelben dunkle Wolken aufgezogen.

Völlig überraschend wurde am Dienstag Trainer Manuel Ortiz-Gonzalez entlassen, und am Mittwoch Steve Briese als neuer Coach verpflichtet (wir berichteten kurz). Am Donnerstagmorgen folgte die nächste Hiobsbotschaft: Sabrina Bemmelen, die das Team mit ihren 22 Saisontreffern erst in Liga 2 geschossen hatte, hat sich mit sofortiger Wirkung von der Mannschaft getrennt.

„Wir sind froh, mit Steve Briese einen jungen, dynamischen Trainer für das Abenteuer Zweite Liga gewinnen zu können“, würdigte Alemannias Abteilungsvorstand Stephan Grießer die Verpflichtung. „Auch für mich kam das alles sehr überraschend“, sagt Briese, der schon am Mittwoch das Trainingsspiel gegen Jüngersdorf-Stütgerloch (4:0) leitete.

Der 35-Jährige – gebürtig aus Erfurt, aufgewachsen in Berlin – kam vor acht Jahren in die Region. 2009/10 trainierte er die U 15 von Germania Dürwiß, war dann eineinhalb Jahre mit für die U 14 von Alemannia Aachen zuständig, ehe er eineinhalb Jahre erneut bei der Germania arbeitete. Vergangene Saison hatte Briese Aachens U 17-Mädels gecoacht, die in der Regionalliga Rang 4 belegten. Eigentlich hatte Briese seiner Lebensgefährtin zurück nach Berlin folgen wollen und daher sein Amt Ende der Saison niedergelegt. „Zudem habe ich in den letzten vier, fünf Jahren auf Jugend-Niveau gearbeitet und nicht gesehen, dass ich hier den nächsten Schritt machen würde“, erläutert Briese.

Zuletzt hatte der 35-Jährige Aachens bisherigen Coach Manuel Ortiz-Gonzalez, der keinen „Co“ hatte, unterstützt. Um so überraschender war es, dass der Spanier nach vier Jahren, in denen er hervorragende Arbeit bei den Schwarz-Gelben geleistet hat und zuletzt Meistertitel, Aufstieg und beide FVM-Pokale für den Verein holte, wegen „Kommunikationsproblemen“ (O-Ton Abteilungsvorstand) entlassen wurde. Und Briese, der weder über Erfahrung im Frauenfußball noch über die für Liga 2 erforderliche A-Lizenz verfügt, sein Nachfolger wird.

„Als das Angebot von Alemannia Aachen kam, habe ich eine Nacht darüber geschlafen und zugesagt. Ich finde es bewundernswert, was die Mädels in ihren Sport investieren“, so Briese, der heute eigentlich seinen neuen Job als Buchhalter in Berlin antreten sollte. „Zum Glück ist mir mein neuer Arbeitgeber entgegengekommen.“

Nicht minder überraschend war der Rücktritt von Torjägerin Sabrina Bemmelen. „Es hat schon in der vergangenen Saison Differenzen mit den Verantwortlichen und dem Team gegeben. Es hat sich gezeigt, dass diese nicht zu beseitigen sind“, erläutert die 28-Jährige ihren Schritt. Berufsbedingt hatte sie in der vergangenen Saison nicht immer voll trainieren können, war von Ortiz-Gonzalez aber aufgrund ihrer guten Leistungen immer aufgestellt worden. „In einem Gespräch habe ich meine Situation dargelegt, hatte aber nicht das Gefühl, auf Verständnis zu treffen. Ich konnte spüren, dass man mit mir nicht mehr zusammenarbeiten will.“

Dass zudem Ortiz-Gonzalez entlassen worden war, hat ihre Entscheidung beeinflusst. „Ich bin professionell genug, mit dem Trainer zu arbeiten, der mir vorgesetzt wird. Und ich habe auch gute Erfahrungen mit Steve gemacht. Aber natürlich bin ich aus allen Wolken gefallen, als man Manuel entlassen hat“, so Bemmelen, die bei Essen-Schönebeck Erstliga-Luft schnupperte.

„Und nun lassen sie zwei Erfolgsgaranten der letzten Jahre gehen“, darf die Torjägerin, die sich (erst einmal) ins Privatleben zurückziehen will, zurecht ihr Fazit ziehen. Personell hat Alemannia damit ein Problem. Briese bestätigt: „Wir müssen noch auf einigen Positionen etwas tun, natürlich nach Sabrinas Abgang vor allem in der Offensive.“

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