Sport bestimmt das Leben: „Einsatz ist viel wichtiger als Talent“

Von: Heribert Förster
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Vier Aachener Talente und ein talentierter Trainer: Die BG-Spielerinnen Jule Jörissen (von links), Esther Kaltwasser, Felicia Ameur und Lauryn Vogt mit Trainer Thomas Krystof. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Die den Ball in den Korb legt: Jule Jörissen ist für die BG Aachen, die Rheingirls aus Neuss und in der WBV-Auswahl aktiv. Foto: W. Birkenstock

Aachen. Als Jule anfing, „da konnte sie den Ball noch nicht mal fangen“. Mama Regina erinnert sich mit einem Lächeln an die Zeit, als ihre Tochter mit sieben, acht Jahren das erste Mal den orangefarbenen Basketball in Händen hielt – vielmehr fallen ließ...

„Heute würden die Gegnerinnen am liebsten rückwärts aus der Halle laufen, wenn sie Jule sehen“, sagt Thomas Krystof. Der 26-Jährige ist seit 2008 Trainer bei der BG Aachen und darf sich glücklich schätzen, gleich mehrere Auswahlspielerinnen unter seinen Fittichen zu haben. Als da wären:

Jule Jörissen, 15 Jahre jung, Schülerin des Gymnasiums St. Ursula. Sie spielt mit der BG in der U17-NRW-Liga und mit den Rheingirls aus Neuss in der WBNL, der Weiblichen Nachwuchs Bundesliga. Ach ja: Und gelegentlich auch mit den BG-Frauen in der Landesliga.

Felicia Ameur, gerade 15 geworden, KKG-Schülerin, spielt mit Jule in der U17 der BG, dazu mit der SG Rhein Berg/Erft, die in Hürth oder Bonn ihre Heimspiele austrägt, in der WBNL – und gelegentlich mit der U19 der BG in der Kreisliga.

Lauryn Vogt, 13, Schülerin am Anne-Frank-Gymnasium, Leistungsträgerin der BG in der U15-Regionalliga und mit Jule und Felicia auch in der U17 in der Regionalliga am Ball.

Esther Kaltwasser, 12, Couven-Schülerin, spielt auch schon in der U17 der BG mit und zudem ebenfalls mit einem Doppelspielrecht in der U15 des Hürther BC (NRW-Liga).

Vier Talente, vier Basketballerinnen mit Leib und Seele. Aus dieser Gruppe sticht Felicia ein wenig heraus. Sie hat tatsächlich noch ein anderes Hobby, spielt Keyboard...

Jule und Felicia, Lauryn und Esther: Keine der vier war von der ersten Sekunde an das ganz große Talent, dem alles in die Hände fiel. Und nicht nur Jule hatte anfangs Probleme, Lauryn sagt: „Mir hat’s gar keinen Spaß gemacht.“ Und Felicia erinnert sich: „Das erste Jahr, das war gar nichts.“ Allein Esther hatte direkt ihre Freude, vielleicht, weil sie keine andere Möglichkeit hatte. Schon mit fünf Jahren war sie ständig in der Halle, ihre drei Geschwister spielen Basketball (zwei Jungs erfolgreich in der Jugend des Brander TV), sie wuchs quasi mit dem Ball auf. Und Esther hat vielleicht die größten Möglichkeiten. Nicht wenige sagen, sie könnte einmal das Trikot einer Nationalmannschaft tragen.

Zukunftsmusik, sicher, aber für Thomas Krystof werden jetzt die Weichen gestellt. Für den Inhaber der C-Lizenz ist dabei klar: „Einsatz ist viel wichtiger als Talent“, die Bereitschaft, viel zu investieren. So wie die vier es tun, „sie sind mit Feuer und Flamme dabei“. Der Wille macht’s, und Zusatzschichten waren und sind für Jule und Felicia, Lauryn und Esther keine Belastung. Sondern Freude.

Der Spaß am Spiel wird auch nicht genommen durch die durchaus sehr hohen Anforderungen in der WBNL, „da ist der Leistungsdruck schon vorhanden“, sagt Jule. Sie muss Woche für Woche genau wie Felicia kämpfen, um bei den Spielen im Bundesliga-Kader zu stehen. Für Krystof kein Pro-blem, „mit 12, 13 Jahren muss der Leistungsgedanke schon da sein, in diesem Alter werden die Grundlagen gelegt“.

Für Jule und Felicia, Lauryn und Esther ist Thomas Krystof wahrscheinlich genau der richtige Ausbilder. „Unsere Mädchen stehen da, weil wir eben diesen Trainer haben“, sagen die Mütter Regina Jörissen und Irene Kaltwasser, die wie viele andere Eltern einen entscheidenden Beitrag leisten. Finanziell sowieso, aber auch mit ihrem Einsatz für ihre Kinder. Regina Jörissen erinnert sich: „Irgendwann haben wir entschieden, das ist jetzt unser Hobby.“ Das sich viel im Auto abspielt, „rund 13000 Kilometer“ waren es im vergangenen Jahr, die für den Basketball abgespult wurden.

Die Kaltwassers haben das gleiche Hobby, aber auch ein Problem: Es gilt, die Spiele der vier Kinder an einem Wochenende unter einen Hut zu bringen. „Wir versuchen schon, alle zu sehen“, erklärt Mama Irene. Klar ist: „Ohne Zeit und Geld geht gar nichts.“

Montags bis freitags ist Training

Der Sport bestimmt das Leben der Mädchen, und der Sport hat nicht nur auf dem Feld positive Einflüsse. Jule ist zum Beispiel wesentlich selbstbewusster geworden, seit sie den Umgang mit dem Ball beherrscht, ihr Leben strukturierter. Muss es aber auch, bei dem wöchentlichen Programm: Dienstags und donnerstags Training in Aachen, mittwochs und freitags in Neuss, wo auch das Training der Auswahl des Westdeutschen Basketball-Verbandes stattfindet. Und wann? Genau, montags, so dass ein Basketball-freier Tag entfällt. Aber Jule und die andere bekommen Sport und Schule prächtig unter einen Hut.

Wo der Weg von Jule und Felicia, Lauryn und Esther sportlich gesehen einmal hinführt, keiner kann es sagen. Allein der Weg von Jules Gegenspielerinnen ist vorgezeichnet. Am liebsten rückwärts aus der Halle, wenn die Defensivspezialistin ihnen mal wieder den Ball stibitzen will.

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