Sotchis Trauma: Olympia versinkt unter dem grauen Schleier der Kritik

Letzte Aktualisierung:

Sotchi. Wenn am 7. Februar die Sportler zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi auflaufen, dann werden viele ihrer Landsleute nicht wie sonst gebannt vor dem Fernseher sitzen oder ihnen im Stadion zujubeln. Weltweit haben die Kritiker dazu aufgerufen, das diesjährige Sportevent zu boykottieren.

So haben sich hochrangige internationale Politiker wie Joachim Gauck, François Hollande oder Barack Obama dazu entschieden, den Spielen fernzubleiben. Die Signale sind deutlich, auch wenn sie nicht immer so klar formuliert werden wie von Viviane Reding, EU-Justizkommissarin und Vize Präsidentin der Europäischen Kommission: Solange Minderheiten von der russischen Regierung so behandelt werden, so Reding, werden sie „sicherlich nicht nach Sotchi fahren"

Darüber hinaus kritisiert auch Amnesty International die derzeitige politische Lage des Landes, die mit teils „besonders perfide[n] Methoden" zur Repression ihrer Kritiker arbeite und durch die jüngst geschaffenen Gesetze massiv die Menschenrechte einschränke.

Angesichts der berechtigten Kritik an Russlands Regierung und nicht zuletzt an deren Oberhaupt Putin bleibt der sportliche Charakter der Olympischen Winterspiele allerdings auf der Strecke. Die Olympia-Fans zu Hause sind hin und her gerissen zwischen Boykott und der Unterstützung ihrer Idole.

Doch nicht nur die vielfach verurteilten Gesetzesänderungen zur Machtstärkung Putins und gegen die Freiheit von Minderheiten, auch die Unruhen im nahegelegenen Nordkaukasus geben Anlass zur Besorgnis. Die internationalen Besucher gehen mit einem mulmigen Gefühl zu den Spielen. Zwar hat Sicherheitsminister Wladimir Putschkow eine rund 100 Quadratkilometer große Sicherheitszone um Sotchi ausgerufen, doch ein bitterer Beigeschmack bleibt.>

Insbesondere aber die Sportlerinnen und Sportler, die sich über Jahre auf dieses Ereignis vorbereitet haben, sehen ihren Traum von der Medaille nun von den dunkeln Wolken dieser politischen Ereignisse überschattet. Dabei versprechen die Olympischen Winterspiele in Sotchi besonders spannend zu werden, nehmen doch so viele Nationen wie nie an den diesjährigen Spielen teil. Darunter für den Wintersport sehr exotische Länder wie Togo, Tonga oder Simbabwe.

Deutschland wird voraussichtlich mit über 150 Sportlern in allen 15 Disziplinen vertreten sein. Viele Termine, wie die der Ski Alpin Wettbewerbe, stehen bereits fest. 

Inwiefern die politische Lage in Russland die diesjährigen Olympischen Winterspiele tatsächlich beeinträchtigen wird, bleibt abzuwarten. Denn Kritik wird auch in Hinblick auf die Kritik wach. Boykottgegner konstatieren, dass die Spiele auch als eine Chance gesehen werden können, den Blick der Weltöffentlichkeit gerade auf die Missstände im Land zu richten, wie SPD-Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil im Dezember der „Welt" erklärte.

In der Tat ist, zumindest in Deutschland, das Bewusstsein für Russlands eigenwilliges Demokratieverständnis gestiegen und die Kritik an Putins Regierungsstil lauter geworden. So hilft es vielleicht bereits, den Blick hier und da von den Sportstätten abschweifen zu lassen und zu sehen, was sich hinter den blankgeputzten Fassaden der neuen Stadien und den Gesichtern der lächelnden Staatsmarionetten verbirgt. Unsere Sportler freuen sich sicher dennoch über jeden gedrückten Daumen.  

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert