Schubert: „Wir haben nichts zu verlieren“

Von: Christoph Pauli
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Kann auch keine Karten mehr für das Spiel am Samstag besorgen: Alemannias Trainer Peter Schubert.

Aachen. Und dann ist endlich der Tag gekommen, auf den eine ganze Fußball-Region hingefiebert hat. Das Spitzenspiel der Regionalliga West wird diesen Samstag angepfiffen. Es ist viel gesagt und geschrieben worden über den alten Westschlager. Einer hat sich nicht anstecken lassen von dem Trubel: Alemannias Trainer Peter Schubert setzt auf Normalität.

Wieviele Karten kann man bei Ihnen noch für die Partie gegen RW Essen erhalten?

Schubert: Keine! Meine Karten sind schon lange vergeben.

Sie sind während der kurzen Winterpause nicht weggefahren und haben die Begeisterung hautnah mitbekommen. Haben Sie eine Erklärung für den Hype?

Schubert: Die Fans haben sich gegenseitig gepusht, um das Stadion vollzumachen. Daraus hat sich eine Eigendynamik entwickelt, irgendwann kam der Punkt, als niemand diese Partie verpassen wollte. Und dann waren die Karten atemberaubend schnell vergriffen.

Lässt sich das wiederholen, oder sprechen wir von einem einzigartigen Event?

Schubert: Die Nachfrage wird davon abhängen, wie wir dieses Spiel gestalten. Wenn die Zuschauer, die vielleicht zum ersten Mal am Tivoli sind, erkennen, dass es nicht nur in Gladbach oder Köln guten Fußball gibt, werden sie wiederkommen.

Die Vorbereitung war kurz und belastet durch Spielabsagen. Kann man den Leistungsstand trotzdem erahnen?

Schubert: Es ist einfacher, wenn man den Wettkampf hat. Aber es ist keine neue Mannschaft mit vielen Veränderungen. Wir haben eine klare Struktur, die Abläufe sind eingeschliffen, insofern sind die Absagen nicht ganz so dramatisch.

Am Ende der Hinrunde, wollten Sie eine gut funktionierende Mannschaft eher nicht verändern. Was hat zu dem Sinneswandel mit drei Neuzugängen geführt?

Schubert: Wir sahen Bedarf auf den Außenverteidiger-Positionen, zudem verzögert sich die Genesung von Niko Opper, deswegen kam Roberto Guirino wieder in den Fokus. Wir konnten Ausfälle auf diesen Positionen für ein, zwei Spiele kompensieren. Mit Roberto haben wir eine gute perspektivische Absicherung. Schade, dass er sich sofort verletzt hat. In der Hinrunde gab es Phasen, in denen wir personelle Probleme im Mittelfeld hatten. Deswegen haben wir uns noch mal mit Maciej Zieba beschäftigt, der ja im Herbst als polyvalenter Gastspieler bei uns überzeugt hat. Als schließlich Viktor Maier kurzfristig auf den Markt kam, haben wir uns mit ihm beschäftigt – wie schon vor der Saison. Zumal Abedin Krasniqi signalisiert hat, dass er sich verändern will.

Sie schildern die Neuzugänge nicht als Ergänzungsspieler. Werden Maciej Zieba und Viktor Maier sofort auflaufen?

Schubert: Beide haben die Qualität, uns weiterzuhelfen. Viktor hat Spielpraxis bei den Amateuren von Paderborn gehabt, Maciej hat nur die beiden Spiele bei uns gemacht. Er kann aber mit seiner Erfahrung viel kompensieren. Über die Aufstellung habe ich mir noch keine abschließenden Gedanken gemacht.

Spürt man im Alltag, dass das Rennen um die Startformation noch intensiver geworden ist, weil drei ernstzunehmende Kandidaten dazugekommen sind?

Schubert: Man merkt in den Spielformen, dass weniger Zeit und Raum vorhanden sind.

Sind die Personalien nicht auch ein deutliches öffentliches Statement: Wir wollen Meister werden?

Schubert: Wir haben uns durch die Hinrunde verdient, oben mitzumischen. Jetzt hatten wir in einem soliden wirtschaftlichen Rahmen die Möglichkeit, den Kader zu ergänzen oder vielleicht auch zu verbessern. Die Gier der Hinserie wollen wir uns erhalten.

Um am Ende Meister zu werden?

Schubert: Wir sehen die Chance, weiter oben dabei zu sein. Wenn wir mit der gleichen Leidenschaft wie in der Hinrunde unterwegs sind, sind wir schwer zu schlagen.

Ist die Ausgangslage für das Team jetzt schwieriger, weil es plötzlich etwas zu verlieren hat?

Schubert: Wir haben nichts zu verlieren. Wir können nur gewinnen, Alemannia ist angetreten, um besser abzuschneiden als in der letzten Saison. Jetzt stehen wir deutlich besser da, als wir das geplant hatten. Das zu erhalten, ist eine Herausforderung. Selbst wenn es am Ende nicht ganz reicht, haben wir viele Sympathien, Zuschauer, Sponsoren zurückgewonnen. Und der Verein steht wieder in einem positiveren Licht. Jetzt schon.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem, wie Sie und die Spieler sich öffentlich äußern, und dem, was in der Kabine besprochen wird?

Schubert: Was dort besprochen wird, soll nicht nach außen dringen.

Kommt ein Kaliber wie Essen jetzt gerade recht?

Schubert: Ich fange nach einer etwas unrhythmischen Vorbereitung aber lieber mit einem solchen Gegner an, weil alle sofort Vollgas geben werden.

Besteht die Gefahr, dass dieses Spiel zu sehr mit Erwartungen aufgepumpt wird?

Schubert: Wir werden weder das Spiel noch das Ergebnis überbewerten. Es ist allerdings eine gute Gelegenheit, intensiv auf sich aufmerksam zu machen. Es bleibt aber nur eine von noch 15 Partien. Außer der Kulisse ist es ein normales Fußballspiel. Es gibt also keinen Grund für uns, von unseren Abläufen abzuweichen.

Wird die Mannschaft in der Rückrunde forscher agieren, oder bleiben Sie bei Ihrer Spielweise?

Schubert: Wir bleiben dabei, was uns stark gemacht hat. Darauf bauen wir auf und wollen den nächsten Entwicklungsschritt machen. Wir können uns in allen Bereichen noch verbessern und durchaus noch effektiver werden.

Auf vielen Positionen gibt es Zweitbesetzungen im Kader. Nur bei den Torhütern gibt es eine 1-a-Lösung mit Frederic Löhe und dann vielleicht eine 1-c-Idee mit seinen Konkurrenten.

Schubert: Das empfinden wir anders. Wir sind von all unseren Torhütern überzeugt. Natürlich ist Freddy, der noch mal einen Schritt gemacht hat, die klare Nummer 1. Dahinter gibt es einen offenen Wettstreit. Jeder Keeper hat seine Qualitäten, aber auch seine Defizite. Wir reden ja unverändert von der Regionalliga.

Es zeichnet sich ab, dass Anfang nächster Woche ein neuer Sportdirektor vorgestellt wird. Empfinden Sie die neue Personalie als Entlastung oder doch als Geringschätzung Ihrer erfolgreichen Arbeit?

Schubert: Ich empfinde meine Arbeit nicht als Belastung!

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