„Schlachtvieh seh ich weit und breit nicht”

Von: eck
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Begreifbar: Stefan Falter arbe
Begreifbar: Stefan Falter arbeitet mit Zuspielerin Lucy Wicks im Trainingslager in Linz. Foto Andreas Steindl Foto: Andreas Steindl

Aachen. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Die Bestätigung dieser These wünscht sich auch Stefan Falter, der als Trainer von Alemannia Aachens Volleyballerinnen am kommenden Samstag in seine dritte Bundesliga-Saison geht.

Für das Team des 46-jährigen Bauingenieurs beginnt am Samstag in Vilsbiburg bereits die vierte Spielzeit im Oberhaus. Dort gab es in der vergangenen Saison den neunten Rang, den man jetzt aber liebend gerne „toppen” würde. Über aktuelle Themen unterhielt sich der Chefcoach mit Max Eckstein.

Explodiert das Thermometer, wenn Sie so kurz vor dem Saisonstart Fieber messen würden?

Falter: Ich lasse es lieber nicht darauf ankommen. Aber Spaß beiseite: Wir habe so lange - täglich sechs Stunden, und das fünf Wochen ohne freien Tag - konzentriert gearbeitet und dabei einen grandiosen Willen gezeigt, dass man jetzt zwangsläufig ungeduldig wird. Eine derart intensive Vorbereitung hatte ich bis dahin noch keinem Team zugemutet.

Warum war das so?

Falter: Angelina Grün als annehmende Außenangreiferin stieß im Grunde genommen erst Ende vergangener Woche hinzu. Libera Simone Legerstee war zwischenzeitlich wegen ihrer Erkrankung für drei Wochen außer Gefecht gesetzt. Und Linda Büsscher, die dritte Mittelblockerin, wurde erst spät verpflichtet. Da ging es einfach nicht anders. Aber jetzt sind wir heiß wie Lumpi . . .

Daran zweifelt wohl niemand. Aber ist die Mannschaft auch auf dem Leistungsstand, den Sie erwartet haben?

Falter: Aus an zwei der genannten Spielerinnen festzumachenden Gründen hinken wir im Bezug auf die Abstimmung im Abwehrriegel etwas hinterher. Wir haben halt lange improvisieren müssen und kein Konzept durchziehen können. Es wird konsequent daran gearbeitet, mit Angelina Grün alles schnell und wunschgemäß hinzukriegen. In den anderen Bereichen sind wir absolut im Soll.

Das - für viele Alemanninnen erste - Treffen mit dem sensationellen Neuzugang, der als beste Annahmespielerin bei der mit Silber beendeten Europameisterschaft geehrt wurde, war geprägt von gespannter Erwartung und großer Herzlichkeit. Ist das insgesamt das Gütesiegel Ihres Teams?

Falter: Unsere Spielerinnen sind allesamt sehr beziehungsfreundlich und treten jedem gerne entgegen. Hinzu kommt, dass Angelina Grün mit jedem grandios kommuniziert und erkennbar wissbegierig durch die Halle geht. Sie ist eben in sich gefestigt und weder eine Diva noch ein Star mit Allüren.

Entsprechend mutig müsste sich das Saisonziel anhören. Ist es inzwischen formuliert?

Falter: Nein, das werden wir auf der Fahrt nach Vilsbiburg tun. Ich will aber nicht verhehlen, dass die Tendenz in Richtung Play-off-Teilnahme geht, also den achten Platz. Das würde ein zusätzliches Heimspiel gegen den Besten der Doppelrunde bedeuten. Allein dafür lohnt sich jeder Einsatz.

Wer die vergangene Saison als Neunter beendet, darf doch wohl zuversichtlich sein...

Falter: Was wir zuletzt erreicht haben, nimmt uns keiner mehr ab. Aber es ist Vergangenheit! Jetzt fangen wir neu an und sind uns klar darüber, von keinem Gegner mehr unterschätzt zu werden. Darüber hinaus muss man feststellen, dass nicht nur mehr Geld in der Liga ist, sondern auch mehr Qualität. „Schlachtvieh” seh ich weit und breit nicht.

Wie ist die Liga überhaupt zu charakterisieren?

Falter: Die großen Drei - Schwerin, Dresden und Vilsbiburg - sind weiterhin eine Klasse für sich. Stuttgart hat noch einmal zugelegt, und auch Münster wird deutlich besser sein als zuletzt. Hamburg hat - wie jedes Jahr - große Erwartungen. In Suhl, Wiesbaden, Sinsheim, Potsdam und Köpenick ist einiges gelaufen. Wenn Leverkusen, der einzige Aufsteiger seinen Aufschlag durchbringt, sollte man sich in Acht nehmen. Und da Berlin ohnehin vom Abstieg - zwei Klubs müssen runter - ausgenommen ist, kann man leicht ermessen, was da für eine Saison ansteht.

Das hört sich so an, als seien die zwischenzeitlichen internen Querelen - der Vorwurf stand im Raum, die Volleyball-Bundesliga habe 280.000 Euro mehr „verschlungen”, als im Etat verankert waren - spurlos an der „Abteilung Hochleistungssport” vorbeigegangen seien...

Falter: Ganz so war es nicht! Wir mussten mit der Situation umgehen, für das Team nur Geld ausgeben zu dürfen, was schon „im Säckel” war. Und das ist absolut in Ordnung. Wir wollen es ohnehin nicht so handhaben wie der eine oder andere Konkurrent, der mit lediglich in Aussicht gestellten finanziellen Mitteln operiert. Genau deshalb sind wir so froh, Angelina Grün ausschließlich aus externen Quellen finanzieren zu können.
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