Schiedsrichter-Angriff: Öcuk B. für drei Monate gesperrt

Von: pa
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Öcuk B. wurde von der Spruchkammer für drei Monate gesperrt.

Aachen. Als Öcuk B. den Gerichtssaal betrat, hatte er schlechte Aussichten. Beim Spiel der Kreisliga C, Staffel 2, soll der Spieler der Spielvereinigung Straß beim Gastspiel bei Fortuna Beggendorf nicht nur seinen Gegenspieler, sondern auch den Schiedsrichter geschlagen haben.

Der hatte die Partie am 18. Oktober daraufhin nach 48 Minuten abgebrochen. „In solchen Fällen kommt es nur selten zu einer Sperre unter zwei Jahren“, nannte Peter Büttgen, der die Kreisspruchkammer seit 31 Jahren leitet, den handelsüblichen Tarif. Als Öcuk B. den Gerichtssaal, der in Wahrheit das Hinterzimmer einer Kneipe ist, verließ, konnte er aufatmen.

Die Anklage fußte auf den Angaben des Spielleiters, der das Geschehen in einem Sonderbericht festgehalten hatte. Der Schiedsrichter war ebenfalls als Zeuge zu der Kreisspruchkammer geladen, er wurde nicht mehr gehört. Die Beweisaufnahme ergab dann ein etwas anderes Bild des Vorfalls. Eher besonnen trat der angeklagte Spieler vor Gericht auf.

Kurz nach der Halbzeit verkürzte sein Team per Foulelfmeter auf 1:4. Es entstand ein Gerangel um den Ball, die gegnerischen Spieler versuchten trotz der klaren Führung ein bisschen Zeit von der Uhr zu nehmen. Ein Beggendorfer Spieler klemmte den Ball unter dem Arm ein, „als ich einen Schlag auf den Rücken spürte“, erzählte er der Kammer. Öcuk B. hatte ihn wohl beim Versuch, an den Ball zu kommen, getroffen.

„Das war doch kein Schlagen“

Der Beggendorfer Spieler informierte den Schiedsrichter, der sich gerade den Treffer notierte. „Ich lasse mich hier doch nicht schlagen.“ Der Spielleiter wartete noch einige Sekunden, und rief noch vor dem Wiederanpfiff den „Spieler mit der Nummer 11“ heran, um ihm die Rote Karte zu zeigen.

Öcuk B. war damit nicht sonderlich einverstanden. „Das war doch kein Schlagen“, teilte er dem Schiedsrichter mit und wollte die Szene noch einmal nachstellen. Das war eher keine gelungene Idee, denn auch der Schiedsrichter verspürte laut Bericht „einen Schlag mit dem Unterarm in seine Seite“ und brach das Spiel daraufhin ab.

„Ich wollte nur den Vorgang demonstrieren“, berichtete der verdächtige Spieler. Sein Trainer stellte ihm im Zeugenstand ein gutes Führungszeugnis aus. „Er hat sein Temperament im Griff.“ Vielmehr habe der Schiedsrichter etwas empfindlich reagiert. Die Zeugen beider Klubs schilderten den Vorfall weitgehend identisch.

„Als ich die Akte gelesen habe, hatte ich eine ganz andere Vorstellung“, räumte auch Büttgen ein, der den Spieler mit erhobenem Zeigefinger ermahnte, dass er den Schiedsrichter „niemals anfassen“ dürfe. Öcuk B. wurde wegen „grober Unsportlichkeit“ nur für drei Monate, rückwirkend ab dem 18. Oktober, gesperrt. Er verpasst wegen der anstehenden Winterpause nicht mehr viele Spiele.

Die Partie wird mit 4:1 Toren und 3:0 Punkten für Beggendorf gewertet. Spieler und die Spielvereinigung Straß müssen 100 Euro wegen des verursachten Spielabbruchs zahlen und tragen darüber hinaus die Verfahrenskosten. „Ich denke, damit können Sie zufrieden sein“, endete Büttgens kurze Urteilsbegründung. Das sah der Spieler auch so und nahm das Urteil sofort an.

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