Köln - „Schaffen wir die Relegation, ist hier die Hölle los“

„Schaffen wir die Relegation, ist hier die Hölle los“

Von: Günter Kirschbaum
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Für die einen Kampfsau, für die anderen Chancentod: Stefan Maierhofer, einer der Wortführer beim 1. FC Köln. Foto: imago/Martin Hoffmann

Köln. Er wechselte erst vor gut vier Monaten zum 1. FC Köln. Doch in dieser Zeit hat sich Stefan Maierhofer, 31, zu einem der Wortführer der Mannschaft entwickelt. Vor den letzten fünf Zweitliga-Spieltagen sprachen wir mit dem 2,02 Meter großen Stürmer über die Chancen des FC, die Relegation zu erreichen.

 

Der FC liegt nur neun Treffer hinter Kaiserslautern auf Platz vier. Wenn die Stürmer Maierhofer, Ujah und Przybylko ihren Job in den nächsten fünf Spielen gut machen, dann dürfte da ja nichts schief gehen . . .

Maierhofer: Es geht nicht nur um die drei Spieler, es geht um das Kollektiv. Seit ich im Januar hierher gekommen bin, ziehen alle an einem Strang, arbeiten im Training hart. Da sieht man schon, dass alle diesen dritten Platz wollen.

Ab wann habt ihr geglaubt, dass ihr das tatsächlich schaffen könnt?

Maierhofer: Schon im Trainingslager in der Türkei wussten wir alle, wo wir hin wollten. Wir hatten sechs Punkte Rückstand, haben immer an uns geglaubt und sind jetzt da, wo wir hin wollten. Wir haben uns alles hart erarbeitet. Die Tordifferenz ist uns noch ein Dorn im Auge. Jetzt warten noch fünf schwere Spiele auf uns, und unser Restprogramm ist mit dem von Kaiserslautern vergleichbar. Es sind noch 15 Punkte zu vergeben, und ich glaube, es bleibt bis zum letzten Spieltag spannend.

Wie viele Punkte braucht der FC noch?

Maierhofer: Wenn Lautern alle Spiele verliert, wäre ich schon mit einem Unentschieden zufrieden. Aber dann würde es durch die Mannschaften hinter uns noch einmal eng. Wir müssen einfach wie in den letzten Wochen gute Arbeit leisten. Da haben wir es ganz gut gemacht. Ich bin guter Dinge.

Ist es einfach nur Glück, dass der FC einige Spiele erst in den letzten Minuten für sich entscheidet oder einfach eine Qualität der Mannschaft?

Maierhofer: Wir haben den verrücktesten Trainer der Liga. Und wenn du tagtäglich mit dem arbeitest und der dir es immer wieder sagt, dann glaubst du daran, dass es immer geht. Außerdem sind wir alle Fußballverrückte. Natürlich schauen wir uns auch andere Spiele an. Wie beispielsweise Dortmund gegen Malaga. Die haben sogar noch zwei Tore gemacht. Du darfst nie den Glauben aufgeben. Wir wollen auch den Fans etwas zurückgeben. Gegen Aalen war es das erste Frühlingswochenende, Sonntagmittag und gleichzeitig spielen die Haie um die Eishockey-Meisterschaft. Und dann sind über 44 000 Zuschauer im Stadion. Da ist es für mich selbstverständlich, dass ich solange alles gebe, bis der Schiedsrichter abpfeift. Und was dann nach dem Abpfiff im Stadion los ist, das ist einfach geil. So ist der Fußball.

Was geht in einem Spieler nach einem so späten Tor wie beispielsweise gegen Aalen vor?

Maierhofer: Ich bin ins Tor gegangen, habe den Ball genommen. Die anderen sind alle weggelaufen, ich konnte nicht mehr sprinten. Und einer musste ja in der gegnerischen Hälfte bleiben, damit der Schiedsrichter nicht so schnell wieder anpfeifen konnte. Da sind ja auch schon die dubiosesten Dinge geschehen. . . Du freust dich über die drei Punkte, schaust auf die Ränge, siehst glückliche Menschen, Kinder, die lachen. Das ist extrem positiv. Und dann liegst du nachts bis zwei, halb drei im Bett, die eine oder andere Szene geht dir noch einmal durch den Kopf. Du bist einfach erleichtert, gewonnen zu haben.

Am Montag geht’s nach Duisburg. Im vorletzten Pflichtspiel gegen den MSV haben Sie noch auf der anderen Seite gespielt.

Maierhofer: Dieses Pokalspiel war auch ein schöner Moment in meiner Karriere. Damals bin ich mit dem MSV in dieses Stadion gekommen, es ist um eine schöne Prämie gegangen. Wir haben an diesem Abend als Kollektiv überzeugt. Wir sind in dieser Saison bis ins Finale gekommen, wo wir dann gegen Schalke aber absolut chancenlos waren.

Würde eine mögliche Teilnahme an der Relegation dieses Pokalerlebnis toppen?

Maierhofer: Uwe Rapolder war mein Trainer in Koblenz, wo wir den Nicht-Abstieg gefeiert haben. Rapolder hat einen Satz gesagt, der bei mir hängen geblieben ist. Er hat gesagt, ein Aufstieg ist immer besser zu feiern als ein Nicht-Abstieg. Ich bin mit Wolverhampton in der Premiere League nicht abgestiegen, das war in Ordnung so. Ich bin mit Rapid Wien Meister geworden. Das werde ich nie vergessen. 50 000 Menschen auf dem Rathausplatz. Danach bin ich noch mit Salzburg Meister und Pokalsieger geworden. Aber ich glaube, wenn wir hier die Relegation schaffen und aufsteigen würden, wäre in dieser Stadt die Hölle los. Aber daran will ich noch gar nicht denken.

Das FC-Spiel ist nicht auf Sie zugeschnitten, Sie werden nicht gerade mit Flanken gefüttert…

Maierhofer: Das ist eine komische Sache. Ich bin mit dem Trainer zusammengesessen, habe die Statistik gesehen, nachdem Köln in der Liga die meisten Flanken schlägt und dachte, das wird geil. Und jetzt bin ich da vorne drin, aber acht bis zehn Flanken pro Spiel kriege ich nicht. Aber das ist jetzt auch nicht das Entscheidende. Klar ist es schön, wenn du als Stürmer Tore machst. Aber in der einen oder anderen Situation hat Tony (Ujah, d. Red.) eine Chance bekommen, weil ich die beiden Innenverteidiger gebunden habe. Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft, will vorne die erste Anlaufstelle sein, wenn der Gegner den Ball hat. Es ist einfach wichtiger, wenn das Kollektiv funktioniert. Dann kommen die anderen Sachen von ganz allein.

Welche Strecke legen Sie durchschnittlich im Spiel zurück?

Maierhofer: Wenn ich abends im Bett liege und meine Füße wieder spüre, denke ich nur: Was ist denn jetzt schon wieder los? Aber es ist schön, wenn man mit einem positiven Gefühl einschläft. Die einen loben meine Art zu spielen, die anderen kritisieren. Die einen sprechen von mir als Kampfsau, andere schimpfen, weil ich ihrer Meinung nach zu wenig Tore schieße. Das ist für mich aber nicht wichtig. Wichtig ist, was der Trainer sagt, welches Standing ich in der Mannschaft habe, dass wir als Kollektiv funktionieren. Und das stimmt momentan alles.

Mit welchem persönlichen Ziel sind Sie in der Winterpause nach Köln gekommen?

Maierhofer: Der Klub will wieder in der Bundesliga spielen. Das wäre auch für mich ein absolutes Highlight in meiner Karriere. Es ist schließlich ein Privileg, ein Teil dieser Mannschaft zu sein und alle zwei Wochen vor dieser Kulisse auflaufen zu dürfen.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Würden Sie notfalls auch ein weiteres Jahr mit dem FC in der Zweiten Liga spielen?

Maierhofer: Wir werden uns in den nächsten Wochen zusammensetzen. Dann wird man sehen, wie die Planungen ausschauen. Wir hoffen, dass wir für die Erste Liga planen, im anderen Fall muss man sehen. Es muss einfach alles passen. Abgeneigt bin ich nicht. Wie’s im Moment ausschaut, vom Zeugwart bis in die Führungsspitze, ist das hier Bundesliga-Niveau. Und ich bin einer, der für vieles offen ist.

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