„Rund um Dom und Rathaus“ ist wieder zurück

Von: Roman Sobierajski
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Näher dran ist kaum noch möglich: Während sich die Starter 80 Mal über das Kopfsteinpflaster der Innenstadt quälen, haben die Zuschauer direkt nebenan einen Logenplatz für das Rennen.

Aachen. Ein Wunsch von Guido Diefenthal wird vielleicht erst in zehn Jahren zum 50. Jubiläum Wirklichkeit werden. „Ich möchte mir einmal ‚Rund um Dom und Rathaus‘ mit einem Bier in der Hand als Zuschauer ansehen“, sagt der Präsident des Radsportclubs Zugvogel Aachen – und weiß genau, dass sich diese Hoffnung so schnell nicht erfüllen wird.

Zumindest nicht so lange, wie er für die Ausrichtung des traditionellen Radrennens verantwortlich ist. Am Samstag geht das Starterfeld erneut auf die wilde Hatz über das Kopfsteinpflaster und nach der baubedingten Verlegung im vergangenen Jahr, geht es wieder zurück auf den gewohnten 900 Meter langen Kurs, der für die bislang 70 gemeldeten Kontinental-Fahrer als Halbprofis und die A/B-Amateure 80 Mal zu bewältigen ist.

Wenn das Alemannia-Urgestein Jupp Martinelli – früher selbst begeisterter Radfahrer – um 19 Uhr den Startschuss für die Spitzenfahrer gibt, ist die „Arbeit“ für die C-Klassen-Fahrer und die U 19-Hoffnungen über 55 Runden bereits beendet. „Den U 19- Fahrern wollen wir auf heimischem Gelände die Chance geben, einmal große Rennluft zu schnuppern“, will Diefenthal den Talenten, die auf dem Sprung in den Senioren-Leistungsbereich stehen, ein Sprungbrett bieten.

Noch jüngere Fahrer an den Start gehen zu lassen, verbietet sich aufgrund der anspruchsvollen Strecke: Vom Start- und Zielpunkt Marktplatz geht es Richtung Jakobstraße, dann am Fischmarkt vorbei zur Schmiedstraße, und schließlich über den Münsterplatz, Ursuliner- und Buchkremerstraße den „Scharfrichter“ hoch, wie Diefenthal die brutale Steigung über Kopfsteinpflaster am Büchel nennt. „Nach dem Anstieg fallen oft viele Fahrer zurück, für die Zuschauer ist es aber sicher die attraktivste Stelle.“

Die Sicht der Fahrer dürfte ein klein wenig anders aussehen, denn auch wenn das Kopfsteinpflaster durch die Bauarbeiten der letzten Jahre nicht mehr ganz so kräfteraubend und techniktötend ist wie in den Anfangsjahren, gibt es keine Stellen auf der Strecke, auf denen die Teilnehmer mal ein wenig durchatmen und neue Kräfte sammeln können. „Kopfsteinpflaster rollt nicht“, nennt Diefenthal einen Grund für die hohen Anforderungen, die „Rund um Dom und Rathaus“ zu einem der anspruchsvollsten Kurse dieser Kategorie machen. Und kann einen zweiten direkt hinterher liefern: „Windschatten fahren, im Hauptfeld einfach mitrollen, das ist nicht möglich.“

Vor genau 40 Jahren wurde das Rennen durch die Aachener Innenstadt aus der Taufe gehoben, dass an diesem Wochenende nicht die 40. Auflage stattfindet, ist – wie könnte es anders sein – Baumaßnahmen geschuldet. „2005 konnte das Rennen nicht stattfinden, weil der Markt eine einzige Baustelle war“, erinnert sich Guido Diefen-thal. Ohnehin ist es Jahr für Jahr eine Herausforderung, das Rennen wieder auf die Beine zu stellen. Organisatorisch schränken die Straßen und Gässchen im Stadtkern die Möglichkeiten ein: Die Parkhäuser müssen anfahrbar bleiben, Einbahnstraßen, Bushaltestellen und Taxistände sind ebenfalls mit in die Planungen aufzunehmen.

Qualitativ ist nach „oben“ auch nur noch wenig Luft. Der große Radsport-Boom aus den 90er Jahren, als etwa das Team Telekom in Aachen an den Start ging, sind lange passé, fehlende Medienpräsenz und der Rückzug von Sponsoren aufgrund der unrühmlichen Doping-Jahre im „großen“ Sport schlagen auch auf die unteren Etagen durch. „Wollten wir das Rennen eine Nummer größer aufziehen, müssten wir an den Etat noch zwei Nullen dranhängen“, schätzt Diefenthal aus Veranstaltersicht ein. „Aber dann könnte ich eine Woche vor dem Rennen nicht mehr ruhig schlafen.“

Für den Radsport-Nachwuchs werden die Hoffnungen, eine Anstellung als Profi zu finden, auch immer geringer. Die Zahl der deutschen Rennställe nimmt ab, die Konkurrenz im Dreiländereck zu den Niederlanden und Belgien ist gewaltig groß. „Für die Jungs hoffe ich einfach, dass wieder bessere Zeiten kommen“, wünscht sich der „Ober-Zugvogel“. Vielleicht in zehn Jahren, wenn er selbst als bloßer Zuschauer an der Strecke steht.

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