Aachen - Rund um Dom und Rathaus: Florian Bissinger sucht das Heil in der Flucht

Rund um Dom und Rathaus: Florian Bissinger sucht das Heil in der Flucht

Von: Helga Raue
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Führt nach der Überrundung seine eigenen Verfolger an: Florian Bissinger (vorne rechts) dominiert das Radrennen „Rund um Dom und Rathaus“ fast nach Belieben.

Aachen. Noch zwölf Runden zu fahren: Ziemlich geschlossen kommt das Fahrerfeld über den Marktplatz, gleich dahinter das Führungsfahrzeug. Doch wo war Florian Bissinger? Einen Moment herrschte Verwirrung, dann wurde der Bayer gesichtet – mitten in seinem Verfolgerfeld.

Da hatte der 27-Jährige seine Kollegen schon überrundet. Eine Runde später führte er seine eigenen Verfolger selbst an – trotz der Anstrengungen jedes Mal lachend, wenn er am Rathaus vorbeifuhr und der Beifall der Zuschauer immer stürmischer aufbrandete. Spannend war da nur noch der Kampf um Platz 2, den Alexander Welfenbach (Spich) im Sprint vor Hendrik Werner (Porz) eroberte.

„Wenn wir aus Österreich anreisen, dann muss auch der Sieg das Ziel sein“, kommentierte Bissinger hinterher lachend und kein bisschen aus der Puste. „Hier in Aachen muss man schon richtig fit sein, wir wussten, dass das ein ex-trem schweres Rennen auf dem Kopfsteinpflaster ist.“ Davon hatte sich der Bayer vom Tegernsee, der für das 2011 gegründete österreichische Continental-Team WSA Greenlife fährt, schon im vergangenen Jahr ein Bild gemacht. „Da war ich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe und konnte das Rennen nicht beenden.“

Ganz anders anno 2015: 55 Starter gingen im Eliterennen auf den 900 Meter langen Rundkurs, der 80 Mal zu bewältigen war. Für die 72 Kilometer über das berüchtigte Aachener Pavée benötigte Bissinger, der nach der Überrundung etwas Tempo rausnahm, 1:45,48 Minuten. Neben ihm erreichten nur 15 weitere Fahrer das Ziel.

„Das Kopfsteinpflaster, der bissige Anstieg – ich habe von Beginn an mein Heil in der Flucht gesucht“, erläutert Bissinger, Siebter der Straßen-DM im Juni. Schon früh setzte er sich vom Feld ab, fuhr über 30 Runden alleine und baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Gut hatte es zwischenzeitlich auch für Christoph Schweizer, der für Gastgeber Zugvogel fährt, ausgesehen. Zwei Mal führte er eine Ausreißergruppe an. Doch der Polizist, der zur Hundertschaft Zug 2 gehört, wurde wieder gestellt und landete nach einer Reifenpanne auf Rang 5.

„Ich weiß eigentlich nicht, warum es nicht geklappt hat. Es lief gut, ich hatte ein gutes Tempo. Am Anstieg Büchel ist es relativ einfach, einen Vorsprung herauszufahren, aber es ist schwer, den zu halten. Wenn ich mich hier in Aachen absetze, dann wissen die Kollegen, dass es losgeht und ziehen ebenfalls an“, erläutert der 29-Jährige. Zum Rennen „Rund um Dom und Rathaus“ empfindet er eine „Hassliebe. Ich fahre es sehr gerne und zugleich unglaublich ungern. Zudem stehe ich in Aachen natürlich besonders unter Druck, weil mich hier viele kennen. Für Aachen ist das Rennen wichtig, und wenn man an dem Tag schlechte Beine hat...“

Hochzufrieden hatte Guido Diefenthal das Rennen verfolgt. „Das war eine tolle Leistung von Bissinger. Das Starterfeld überhaupt war im Amateurbereich absolut top besetzt“, freute sich der Zugvogelchef auch über das große Interesse der Zuschauer, die vor allem in der Schlussphase an die Rennstrecke drängten. Ein wenig hatte ihn der Sieg des Bayern überrascht – wie wohl auch dessen Kollegen, die ihn davonfahren ließen. „Bissinger fährt viel in Österreich. Da wusste man nicht, ob er das Tempo durchhalten würde.“ Überrascht war auch Vorjahressieger Dennis Klemme (Havestehude), der Achter wurde. „Wer fährt denn nun vorne?“, wollte er in Runde 30 lauthals vom Kommentator vor dem Rathaus wissen – ein wenig ungläubig, weil Bissinger schon so lange außer Sichtweite war.

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