Rugbyspieler Erik Marks: Ein Aachener Hüne, der zur WM will

Von: Tyrone Schwark
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Nicht zimperlich: Eric Marks (am Ball) sucht eine Lücke in der rumänischen Abwehr. Nach einem Comeback siegt das deutsche Team gegen den Favoriten in Offenbach mit 41:38. Foto: imago/Jan Hübner

Aachen. Über ein Dutzend Männer tanzen auf Eric Prydz‘ Aerobic-Song „Call on me“; die einen tragen stilecht enge Sporthosen, die anderen voluminöse Afro-Perücken. Von allen Seiten ist Gelächter zu hören. Drei Tage später: Dieselben Männer feiern und jubeln erneut. Nur die Outfits haben sich geändert. Statt lila Aerobic-Shirts tragen alle einheitlich weiße Trikots – mit dem Adler auf der Brust.

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft hat gerade etwas Historisches geschafft. Sie gewann das erste EM-Spiel gegen Rumänien mit 41:38 – einen Sieg gegen das Land am Schwarzen Meer hat eine deutsche Mannschaft zuletzt 1972 verbucht. Und unter ihnen ist ein Aachener: Eric Marks.

Der 20-Jährige spielt seit dem vergangenen Jahr für das Nachwuchsteam von La Rochelle in Frankreich. Die Nominierung für die EM hat er sich dort hart erarbeitet. Ausgebildet wurde Marks bei seinem Heimatverein, dem RC Aachen. Mit 1,96 Meter und 115 Kilogramm ist er ein echter Hüne auf dem Spielfeld.

Ein Hüne, der das Vertrauen des Nationaltrainers genießt: Gegen Rumänien stand Marks von der ersten Minute an auf dem Platz und durfte durchspielen. Er selbst sieht seine Stärken im Zuspiel auf seine Team-Kollegen: „In Frankreich konnte ich noch mal viel lernen. Im Gedränge und in den Gassen fühle ich mich zurzeit sehr stark.“

Trotz des historischen Sieges gegen Rumänien schaut der Aachener schon auf den nächsten Gegner, Georgien. Auch wenn die „Lelos“ für eine mögliche WM-Qualifikation außer Konkurrenz spielen – sie sind für das Turnier 2019 in Japan gesetzt – gibt er sich kämpferisch: „Wir verlangen immer mehr von uns. Wir müssen unsere eigenen Fehler abstellen. Ich glaube, wir sind kein Überraschungsteam mehr. Wir dürfen jetzt nicht eingebildet sein und müssen versuchen, weiter auf dem gezeigten Niveau zu bleiben.“ Dann sieht er für sich und sein Team auch Chancen gegen „einen immer harten Gegner“ aus Georgien.

Die EM wird, anders als bei anderen Sportarten, in Heim- und Auswärtsspielen ausgetragen. Vor dem Turnierstart hat Bundestrainer Kobus Potigeter für die Spiele im eigenen Land eine Bilanz von zwei Siegen in drei Spielen als Ziel gesetzt. Ein Sieg gegen die favorisierten Rumänen war da wahrscheinlich nicht eingeplant. „Theoretisch sind Belgien und Spanien von der Weltrangliste her schwächer als wir. Das heißt aber nichts. Wir müssen alles geben, nur dann bin ich zuversichtlich, dass wir auch in den beiden anderen Heimspielen als Sieger vom Platz gehen“, sagt Marks.

Bei der EM hat sich das Nachwuchstalent ein Ziel gesetzt: „Drei Spiele möchte ich noch mindestens gewinnen. Aber auch die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft ist ein großes Ziel von mir.“

Momentan pendelt er zwischen Deutschland und Frankreich hin und her. Als U 22-Spieler bei La Rochelle arbeitet er hart an einem möglichen Profivertrag, einen Stammplatz im Nachwuchsteam hat er bereits. Erst ab 22 Jahren darf der momentane Spitzenreiter der französischen Liga Marks einen Vertrag für das Profiteam anbieten. Trainiert hat er dort aber schon; zusammen mit Stars wie dem Ex-All-Blacks-Spieler Jason Eaton. „In der Pre-Season werde ich wieder angreifen“, möchte der Stürmer beim Männer-Headcoach einen guten Eindruck hinterlassen.

Neben dem Rugby-Spielen studiert Marks zusätzlich in Aachen Bauingenieurswesen. „Der Verein gibt mir die Zeit für mein Studium – außer es kommt eine Notsituation dazwischen.“ Insgesamt sei der Verein „sehr verständnisvoll“.

Eins hat sich für Marks in Frankreich jedoch geändert: Sein Spitzname. Aus „Honecker“ – in Anlehnung an den damaligen DDR-Politiker wegen der Ähnlichkeit der Vornamen – wurde „Schneider“. „Ein Neuseeländer fand, dass das ein typischer deutscher Name sei und prompt hat sich das durchgesetzt“, sagt Marks.

Morgen in Tiflis

Am Freitag ist er mit der Nationalmannschaft nach Georgien abgereist, morgen findet die Partie in Tiflis statt. Nach dem Spiel gegen den haushohen Favoriten geht das „Mögliche“ weiter: Das zweite Heimspiel gegen Belgien findet am Samstag, 4. März, in Offenbach statt, bevor es eine Woche später im Kölner Stadion Höhenberg gegen Spanien geht. Vor der letzten Begegnung in Russland sollte sich dann schon zeigen, wie realistisch eine WM-Qualifikation ist.

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