Aachen/La Rochelle - Rugby-Spieler Eric Marks: „Jetzt war der richtige Zeitpunkt für mich“

Rugby-Spieler Eric Marks: „Jetzt war der richtige Zeitpunkt für mich“

Von: Carsten Rose
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Einsatz bei den Profis: Der 19-jährige Aachener Eric Marks (2.v.l.) spielt beim französischen Klub La Rochelle. Hier spielt er im Testspiel gegen das Team aus Brive an der Seite von Damien Lagrange (am Ball) und Leandro Cedaro (hinten). Foto: imago/PanoramiC
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Nationalspieler: Eric Marks trägt den Adler auf der Brust. Foto: A. Steindl

Aachen/La Rochelle. Rugby, das körperbetonte Spiel mit dem eiförmigen Ball, ist nach Fußball in Frankreich die zweitbeliebteste Sportart. An der Spitze der ersten Liga steht ein Team, in dem ein junger Aachener Student in den vergangenen Wochen Eindruck hinterlassen hat.

Der 19-jährige Eric Marks hat diesen Sommer einen Vertrag für drei Jahre beim Klub La Rochelle unterschrieben. Er steht im Entwicklungskader des Vereins. Marks hat also gute Chancen, regelmäßig in den Profikader aufzurücken. Vor dem Wechsel vom deutschen Zweitligisten Rugby Club Aachen hat Marks lange gegrübelt: das Bauingenieurwesen-Studium abbrechen oder eine einmalige Chance verpassen? Die Antwort: unterschreiben und weiterstudieren.

Herr Marks, warum lautet Ihr Spitzname Honecker?

Marks: Der Spitzname kommt aus meiner Jugendzeit. Weil ich Eric heiße, wurde daraus Erich – wie Erich Honecker. Das hat also keine sportlichen Gründe.

Wie läuft das Studium?

Marks: Vor zwei Wochen habe ich in Aachen zwei Klausuren geschrieben, eine habe ich auch schon bestanden. Ich habe vor der Saison geklärt, dass ich ein paar Tage nach Aachen fahren kann. Die Trainer waren einverstanden. So, wie es jetzt funktioniert hat, würde ich es die nächsten Klausurphasen auch machen.

Der Wechsel nach Frankreich kollidiert nicht mit dem Studium?

Marks: Noch nicht, das ist das Gute. Ich bin bei der U 22 unter Vertrag, das heißt, ich bin nur halbtags Rugbyspieler und habe sonst Sprachkurse. Der Verein ist damit einverstanden, dass ich weiterhin in Aachen studiere. Wenn ich Pflichtveranstaltungen habe, zu denen ich hingehen muss, muss ich sehen, wie ich das schaffe. Aber zum Glück habe ich genügend Kurse ohne Anwesenheitspflicht.

Beschreiben Sie mal das letzte Jahr, was ist alles passiert?

Marks: Eine Menge. Vergangenen Sommer wurde ich für ein Testspiel für die Nationalmannschaft gegen La Rochelle nominiert – und durch das Spiel wurden die Trainer dort auf mich aufmerksam. Im November wurde ich zu einer Trainingswoche mit der U 22 eingeladen. Zu der Zeit war noch unklar, ob ich wechseln möchte. Das Studium hatte Priorität.

Und dann?

Marks: Ich habe mit den Trainern und dem Manager gesprochen und bin schließlich diesen Juli nach La Rochelle gewechselt. Ich kann jetzt beides machen: Rugby beruflich spielen, also meine Leidenschaft ausüben, und mein Studium fortführen. Die Pre-Saison und ein Testspiel habe ich mit den Profis absolviert. Jetzt bin ich in dem sogenannten Entwicklungskader, das heißt: Ich bin U 22-Spieler, habe aber die Chance, bei den Profis mitzumachen.

Sie haben drei Wochen bei den Profis trainiert. Wie kam‘s?

Marks: Ich denke, die Trainer wollten mich testen und schauen, wie weit ich schon bin. Bei anderen Spielern, die jetzt älter sind als ich, war das genauso. Für mich war es aber schon eine große Überraschung, dass ich direkt zu den Profis durfte. Vergangene Woche hatte ich ein Gespräch über die Pre-Saison. Die Trainer meinten, dass ich großes Potenzial hätte, athletisch beste Voraussetzungen.

Sie waren vor dem Wechsel skeptisch. War das nur wegen des Studiums?

Marks: Hauptsächlich wegen des Studiums, ich wollte nicht einfach mittendrin aufhören. Jetzt ist das nicht einfach, klar, aber ich werde unterstützt. Ich habe unterschrieben, weil nicht jeder die Chance bekommt, nach La Rochelle zu wechseln. Im nächsten Jahr wäre ich schon zu alt, um in einen Entwicklungskader zu kommen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt für mich.

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Rugby in Frankreich und dem in Aachen?

Marks: Die Physis und die Schnelligkeit sind die größten Unterschiede. Die Franzosen spielen härter, von Kind auf sind sie das gewohnt. Und auf dem hohen Niveau ist das Spiel schneller. Da muss ich mich wirklich anpassen.

Schnitzel ist Ihr Lieblingsgericht. Hilft das oder hat das geholfen, die richtige Physis zu bekommen?

Marks: Schnitzel habe ich die letzten Jahre immer gerne gegessen, ich denke schon, dass das dazu beigetragen hat (lacht). Leider gibt es die hier nicht.

Und jetzt? Essen Sie 35 Croissants zum Frühstück?

Marks: Nein, ich achte schon darauf, dass ich nicht der leckeren französischen Küche verfalle (lacht). Mittags und abends essen wir Spieler beim Verein. Da gibt es hauptsächlich Hähnchen, Fisch, Reis – eine ausgewogene Sportlernahrung.

Haben Sie auch schon einen französischen Spitznamen?

Marks: Ja, Schneider – für die meisten ist das typisch deutsch.

Wie läuft das mit der Sprache? Der Franzose an sich ist eitel, was die englische Sprache angeht.

Marks: Am Anfang dachte ich, ich komme auch mit Englisch durch. Allerdings hatte ich schon vier Jahre Französisch in der Schule und als Note eine 2, ich kann mich also gut verständigen. Für die ausländischen Spieler in der U 22 sind Französischkurse Pflicht, bei den Profis freiwillig.

Sie haben mit den Ex-All-Blacks Jason Eaton und Victor Vito trainiert. Was schauen Sie sich von ihnen ab?

Marks: Laufwege, die Technik beim Tackling, den Umgang mit dem Ball. Ich muss sagen, dass einem die Profis sehr helfen, sie kommen auf einen zu und sagen: „Wenn du etwas nicht verstanden hast, helfen wir dir.“ Das ist super. Ich habe mir schon viele Tipps eingeholt.

Schieben Sie viele Extraschichten?

Marks: Ich gehe öfter länger in den Kraftraum. Rugby-Skills zu trainieren, ist alleine leider schwer. Durch die Französischkurse bleibt auch nicht viel Zeit für mehr – und lernen muss ich auch noch.

Wo sehen Sie Ihre größte Schwäche?

Marks: Ich habe super Grundvor­aussetzungen, muss mich aber noch besser einspielen. Im Spiel verstehe ich manchmal durch das Französische nicht immer, was links und rechts von mir passiert. Das ist aber mehr eine Kopfsache als eine richtige Schwäche.

Ist Ihr Debüt im Nationalteam noch immer Ihr persönlich größter Erfolg oder ist es jetzt der Wechsel und ihre Entwicklung?

Marks: Definitiv der Wechsel, aber natürlich hat mich der Weg über die Nationalmannschaft überhaupt erst hierher gebracht.

Welche Ziele haben Sie für diese Saison?

Marks: Ich will ein Spieler für die Mannschaft werden, den der Trainer immer braucht.

Was bevorzugen Sie: Jedes Match für die U 22 zu bestreiten oder bei den Profis auf der Bank zu sitzen?

Marks: Mir ist es wichtig, Spielpraxis zu bekommen, und die kriege ich vor allem bei der U 22. Das hat Priorität. Über Spiele bei den Profis würde ich mich auch freuen, wäre dort aber gerne nicht nur Reservespieler.

Was würden Sie gerne in drei Jahren erzählen?

Marks: Dass ich einen Profivertrag unterschrieben habe.

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