Frankfurt/Main - Profisport: Ein schmutziges Geschäft?

Profisport: Ein schmutziges Geschäft?

Von: Ulrike John, dpa
Letzte Aktualisierung:
THW Kiel/ Manipulationsverdacht
Das HBL-Präsidium in Dortmund beschäftigt sich mit Manipulationsvorwürfen gegen den THW Kiel. Danach soll der Verein unter anderem das Champions-League-Finalrückspiel am 29. April 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt mittels Schiedsrichterbestechung manipuliert haben. Die Kieler gewannen, nach einem Unentschieden im Hinspiel, mit einem 2-Tore-Vorsprung den Titel. Foto: ddp

Frankfurt/Main. Der Sport, so scheint es zur Zeit, ist ein schmutziges Geschäft geworden: Bestechungsvorwürfe im Handball, endlose Streitigkeiten und Enthüllungen beim Thema Doping, undurchsichtige Transfers im Fußball.

Kurz bevor die Wirtschaftskrise voll durchschlägt, präsentieren sich die professionellen Leibesübungen nicht gerade als Hochglanzprodukt. „Wenn der Sport in der Krise steckt, dann gilt dies für den globalen Sport insgesamt. Hinzu kommt: Heute werden Dinge aufgedeckt, die früher unter den Tisch gekehrt wurden”, sagt Dirk-Reiner Martens, einer der führenden Sportjuristen in Deutschland und Richter am Internationalen Sportgerichtshof CAS, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Die finanziellen Folgen der Negativschlagzeilen sind noch nicht absehbar. „Sponsoren hassen zwei Dinge: Doping und Korruption”, warnt Hartmut Zastrow, Chef der Kölner Marktforschungsagentur „Sport + Markt”. „Die aktuellen Entwicklungen in einzelnen Sportarten können somit großen Einfluss auf Sponsorenentscheidungen haben. Sollten sich Vorwürfe erhärten und keine beherzten Gegenmaßnahmen ergriffen werden, ziehen sich Sponsoren zurück.”

Oder sie werden erst gar nicht groß an Land gezogen wie bei Aljona Savchenko/Robin Szolkowy: Das Eislauf-Paar ist zwar zum zweiten Mal Weltmeister geworden, hat aber mit Trainer Ingo Steuer eine Stasi- Altlast anhängig. Die deutschen Leichtathleten, die zwischen Olympia- Debakel und Heim-WM in Berlin den Weg aus der sportlichen Krise finden müssen, streiten vor dem Arbeitsgericht mit einem dopingverdächtigen Bundestrainer Werner Goldmann, dessen DDR- Vergangenheit - wie bei anderen Kollegen - nie richtig aufgearbeitet worden ist.

Siehe auch Biathlon: Die Vorwürfe gegen Medaillenmacher Frank Ullrich haben den gleichen Hintergrund. Der Radsport? Seit dem Fall Jan Ullrich ein Gemälde des Sittenverfalls. Ein Fall für Juristen ist längst auch der Anti-Doping-Kampf geworden: Martens nennt als Beispiel dafür den WADA-Code mit den Abmeldepflichten und die Diskussionen über den Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.

„Es gibt keinen anderen gesellschaftlichen Bereich, der sagen kann: Wir regeln alles selbst”, erklärt Martens die Autonomie des Sports, die mitunter zu sehr schwierigen Konstellationen führe, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht und derzeit auf den Prüfstand gestellt wird.

Bei der Problembewältigung - siehe THW Kiel bei den aktuellen Bestechungsvorwürfen im Handball - wirken die Betroffenen schnell überfordert. „Vernünftiges Krisenmanagement ist in Sportverbänden leider die Ausnahme”, meint Zastrow. Sehr gute Noten verdiene seiner Ansicht nach aber derzeit die Handball-Bundesliga in der Außendarstellung. „Oft herrscht in Sportverbänden aber zu viel Herzblut und zu wenig kühler Verstand.”

„Professionell aufgearbeitet” hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach Ansicht des Münchner Juristen Martens den Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer und auch jüngst die Dopingtest-Affäre um 1899 Hoffenheim. „Andere Verbände kommen mit solchen Problemen nicht so gut zurecht. Das ist allerdings auch eine Struktur- und insbesondere eine Budgetfrage”, sagt Martens.

Doch auch der Fußball schreibt Schlagzeilen, die einen Sumpf ahnen lassen: Steht Jürgen Born, der inzwischen zurückgetretene Vorstandschef von Werder Bremen, stellvertretend für einen Transfermarkt, auf dem nicht nur die Spielerberater, sondern auch Funktionäre, Manager, Trainer und Profis in die eigene Tasche wirtschaften? Und was ist mit dem Dauerthema Wettmanipulationen?

Die Fans störts möglicherweise gar nicht. Auch das Thema Doping, so Martens, habe beim Publikum offenbar kaum einen Imageschaden hinterlassen. „Es ist leider ein Irrtum, dass jemand, der gedopt hat, nicht mehr als Werbeträger taugt”, sagt er. Skandalbehaftete Sportarten, so glaubt Marketing-Fachmann Zastrow, müssen nicht per se beschädigt sein: „Erscheint das Problem einer Sportart systematisch und langfristig zu sein, nimmt sie Schaden. Ein Dopingfall und selbst ein Bestechungsvorwurf hinterlassen noch keinen großen Schaden, so lange der Anhänger sie als absolute Einzelfälle wahrnimmt.”

Die Korruptions-Enthüllungen im europäischen Handball nehmen kein Ende. Der französische Schiedsrichter Laurent Reveret hat jetzt einen Bestechungsversuch im Frauen-Handball nach dem Champions-League-Finale vom vergangenen Jahr in Russland preisgegeben. In einem Interview der französischen Sportzeitung „LEquipe” sagte Reveret, er habe beim Bankett nach dem Final-Hinspiel zwischen Swesda Swenigorod und Hypo Niederösterreich (25:24) von einem Russen „einen Umschlag mit vielen Euro” bekommen. Es sei das erste Mal, dass man versucht habe, ihn mit Geld zu beeinflussen. „Mit hübschen Mädchen war das schon ein oder zweimal passiert”, sagte er. Den Umschlag habe er umgehend zurückgegeben. Die Tatsache, dass der Bestechungsversuch erst nach dem Spiel erfolgte, betrachtet Reveret zwar als „komisch”, weil es selten passiert, dass ein Schiedsrichter-Duo nach dem Hin- auch das Rückspiel pfeift. „Aber vielleicht war das eine Investition auf lange Sicht, wir (er und sein Kollege Nordine Lazaar) gehören zu den jungen Schiedsrichtern. Vielleicht hat man gedacht, das könne für die Zukunft nützlich sein”, erklärte der Unparteiische. Er habe den Beobachter der Europäischen Handball-Föderation (EHF) sofort von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt.
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