Aachen - Preis der Nationen: Der große Abend von Maurice Tebbel

Preis der Nationen: Der große Abend von Maurice Tebbel

Von: Christoph Pauli und Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
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Entrückt: Maurice Tebbel reißt erleichtert die Arme gegen Soerser Himmel – der erste Nuller ist geschafft. Foto: Thomas Rubel

Aachen. An diesem 20. Juli kam ein Elefant in Aachen an. Ein persischer Kalif ließ Abul Abbas als Geschenk an Kaiser Karl den Großen übergeben, es war der erste Dickhäuter nördlich der Alpen. Das liegt ein Weilchen zurück, und vermutlich gehört die kleine Information aus dem Jahr 802 eher in die Rubrik Spezialwissen.

Zum Allgemeinwissen gehört aber das: Wann immer an einem Donnerstagabend in der Soers das Flutlicht angeknipst wird, geht es um andere Vierbeiner, die die Aachener in ihr Herz geschlossen haben wie früher den bestaunten Abul Abbas. An diesem 20. Juli 2017 sahen die Nachfahren von Kaiser Karl den Preis der Nationen. Es war ein stimmungsvoller Abend, der Himmel beließ es bei ein paar Drohgebärden. 40.000 Pferdefans sahen großen Sport. Am Ende des Spektakels wiederholten die Deutschen ihren Sieg aus dem Vorjahr – und wieder ohne jeden Fehler. „Das ist einfach nur vom Feinsten“, feixte Marcus Ehning.

Zweite wurden die Schweizer (Werner Muff, Martin Fuchs, Nadja Peter Steiner, Steve Guerdat) mit acht Strafpunkten gemeinsam mit den USA. Die Belgier hatten ein bisschen Pech, weil Pieter Devos im zweiten Umlauf nicht mehr starten konnte, sein „Dream of India“ hatte sich gezerrt. Das Team fiel noch auf Platz 4 zurück.

Parcoursbauer Frank Rothenberger hatte zunächst eine lange kraftraubende Bahn aufgebaut, die Fehler häuften sich erwartungsgemäß auf den letzten der 560 Metern.

Ehning ist ein guter Vorreiter

Das deutsche Team ist gerade im Umbruch. Von den vier Paaren, die bei den Olympischen Spiele 2016 in Brasilien die Bronzemedaille gewannen, steht Otto Becker keines mehr zur Verfügung. Der erfahrene Marcus Ehning wäre ein naheliegender Schlussreiter, sagt selbst der Bundestrainer. Aber weil der Routinier flexibler mit seinen Galoppsprüngen als die übrigen Teamkollegen ist, begann er als „Vorreiter“. Der Plan ging auf, null Fehler, Rückenwind für das Team. Maurice Tebbel war der große Unbekannte.

Der erste Auftritt bei einem Länderwettkampf in Aachen verlief grandios, Chacco‘s Son hatte erkennbar Spaß an dieser Herausforderung. Das Paar blieb fehlerfrei, Tebbel junior riss nach dem letzten Hindernis beide Arme nach oben, der Bundestrainer zeigte, was so eine richtige Becker-Faust ist. Und Trainervater René Tebbel grinste: „Das war eine famose Leistung der beiden.“ Auch Philipp Weishaupt blieb fehlerfrei, sein „Convall“ war im Frühjahr verletzt und ist schon fast wieder in Championatsform. Für das Streichergebnis sorgte Marco Kutscher, dessen Clenur am Wassergraben verweigerte und keinen guten Rhythmus mehr fand – 12 Strafpunkte.

Als nach dem ersten Durchgang addiert wurde, schienen die ersten Plätze schon vergeben. Neben den Gastgebern blieben auch Belgien und die Schweiz ohne jeden Fehler. Der belgische Equipechef Peter Weinberg gab gleich die Losung für sein Team aus: „Das wiederholen wir am besten noch mal im zweiten Durchgang.“ Für Spannung war ausreichend gesorgt.

Die USA lagen zur Halbzeit nur auf Platz 6, musste gewaltig aufholen. Die größte Schrecksekunde erlebte der Brite Guy Williams, der aufgeben musste, weil sein Pferd lahmte. „Titus“ wurde noch im Parcours untersucht, musste dann in einem Krankenwagen abtransportiert werden. Später kam die vorsichtige Entwarnung, der Wallach fällt mit einer Sehnenzerrung nur vorübergehend aus. Den Briten fehlte das Streichergebnis, sie spielten keine Rolle mehr.

Die Anforderungen im zweiten Durchgang wurden etwas „erhöht“, die Hindernisse anspruchsvoller. Der Dreikampf ging vorerst weiter. Marcus Ehning und Pret a Tout gelang noch ein fehlerfreies Ergebnis. Das Paar kam nicht in Gefahr an diesem Abend. Die nächsten „Aaahs“ und „Ooohs“ gehörten Maurice Tebbel. Der 23-Jährige zeigte keine Nerven, Doppel-Null, schöner kann so eine Premiere nicht verlaufen. „Das ist ein ganz besonderer Moment für uns. Mein Pferd kämpft immer für mich mit, will immer alles richtig machen.“

Seine Mannschaft blieb auf Kurs, Marco Kutscher leistete sich nur einen Abwurf in der dreifachen Kombination. Die Entscheidung fiel vorzeitig – und sie war eine schöne Pointe an diesem Abend, denn Geburtstagskind Philipp Weishaupt blieb weiterhin fehlerfrei. Der Tag endete im Jubel.

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