Palästina: Ein neues Abenteuer für Gert Engels

Von: Sandra Kinkel
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Aus der Dürener Fußgängerzone nach Ramallah: Fußballtrainer Gert Engels wird Technischer Direktor des palästinensischen Fußballverbandes. Foto: Sandra Kinkel
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An der Seitenlinie: Gert Engels war auch schon Nationaltrainer von Mosambik. Foto: imago/Huebner

Düren. Der Dürener Fußballtrainer Gert Engels steht vor einer neuen beruflichen Herausforderung. Er wird die Leitung eines außergewöhnlichen Fußballprojekts in Palästina übernehmen. Zunächst geht der 59-Jährige für zwei Jahre in den Nahen Osten.

Er wird als sogenannter Auslandsexperte des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Trainerausbildung, Talentförderung und das Training der Jugend-Nationalmannschaften unterstützen. Außerdem soll er im Frauenfußball neue Impulse setzen.

„Das Projekt wird“, erklärt Gert Engels, „im Rahmen der Internationalen Sportförderung vom Auswärtigen Amt finanziert. Sport kann integrativ und völkerverbindend wirken, Grenzen überwinden. Deswegen engagieren sich der DOSB, der DFB und das Auswärtige Amt für die Entwicklung des palästinensischen Fußballs.“

Engels, der von 1975 bis 1978 bei Borussia Mönchengladbach gespielt hat, ohne in der Bundesliga zum Einsatz gekommen zu sein, hat von 1990 bis 2011 als Vereinstrainer in der höchsten japanischen Liga gearbeitet. Danach war er für zwei Jahre Nationaltrainer in Mosambik.

Als der DFB ihn im vergangenen Jahr angerufen und ihm die Stelle in Ramallah angeboten hat, musste Engels nicht lange überlegen. „Ich war gerade aus Südafrika zurück, wo ich ein Angebot als Vereinstrainer bei den Free State Stars erhalten hatte“, erzählt der zweifache Familienvater. Der Klub aus dem südafrikanischen Bethlehem spielt in der Premier Soccer League, der höchsten Spielklasse des Landes.

„Die Entscheidung für Palästina und gegen Südafrika ist ziemlich schnell gefallen. Ich finde die Aufgabe einfach unglaublich reizvoll.“ Und das gleich aus mehreren Gründen: Es ist Gert Engels wichtig, auch beim palästinensischen Fußballbund als Trainer mitarbeiten zu können. „Die Gelegenheit zu haben, junge Mannschaften zu formen und frühzeitig an ihrer Entwicklung mitarbeiten zu können, ist gut. Und natürlich wäre es ein Traum von mir, bei einem großen Turnier wie Olympia 2020 in Tokio einmal im Trainerstab mit dabei zu sein. Und das dann auch noch in Japan, dem Land, wo ich lange gelebt und als Trainer gearbeitet habe. Aber das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Zunächst ist mein Vertrag auf zwei Jahre befristet.“

Gleichzeitig empfinde er es als überaus spannend, Strukturen in einem Fußballverband zu schaffen. „Als Nationaltrainer von Mosambik habe ich genau auf der anderen Seite des Tisches gesessen und mich manchmal über die Strukturen im dortigen Fußballverband geärgert. Genau diese Strukturen kann ich jetzt für den palästinensischen Verband ändern und hoffentlich ein Stück weit verbessern.“

Im vergangenen Jahr ist Gert Engels bereits einmal in Ramallah und Jerusalem gewesen und hat unter anderem die Fußballakademie besucht, wo er demnächst arbeiten soll. „Die Voraussetzungen sind sehr gut“, sagt er. „Es gibt ein kleines Stadion mit einem Kunstrasenplatz, wo durchaus Trainingslager und auch Trainerfortbildungen stattfinden können.“

Sein Eindruck sei, dass die Palästinenser ein fußballbegeistertes Volk seien. „Ich glaube, der Wunsch, guten Fußball zu spielen, ist recht groß. Das Niveau ist auch gar nicht so schlecht. Es gibt eine erste Liga, und die Nationalmannschaft rangiert in der Weltrangliste irgendwo im unteren Mittelfeld. Ich glaube, dass Mosambik und Palästina in Sachen Fußball durchaus vergleichbar sind.“ Das Team von Palästina habe zuletzt am Asien-Cup teilgenommen, einige der Nationalspieler hätten Verträge bei ausländischen Klubs. „Da lässt sich sicherlich etwas aufbauen“, ist Engels überzeugt.

Bei seinem Besuch in Ramallah und Palästina habe er sich nicht unsicher gefühlt. „Natürlich weiß ich um die politische Situation“, sagt der Trainer aus Düren. „Aber ich glaube, was den reinen Sicherheitsaspekt angeht, war Mosambik nicht weniger gefährlich.“ Er habe erste Gespräche mit Trainerkollegen und Mitarbeitern des palästinensischen Fußballverbandes geführt und „durch die Bank sehr nette Menschen getroffen“. „Ramallah und Jerusalem sind sehr offene und bunte Städte“, ergänzt Engels.

An der politischen Diskussion rund um Israel und Palästina will sich der Fußballlehrer aber ohnehin nicht beteiligen. „Meine Aufgabe ist der Fußball. Ich will Verbandsstrukturen schaffen und junge Menschen für unseren Sport begeistern. Nicht mehr und nicht weniger.“

Zunächst wird Engels, der damit rechnet, Ende März in Ramallah seine Arbeit aufzunehmen, allein in den Nahen Osten gehen. „Meine Tochter spielt in England in der Zweiten Liga Fußball, mein Sohn macht gerade sein Abitur. Er und meine Frau werden zunächst in Düren bleiben. Alles weitere werden wir sehen.“ Engels will auch seine Fußballschule „Soccer life“ weiter betreiben. „Ich muss mich vertreten lassen“, sagt er. „Aber das hat auch während meiner Zeit in Mosambik funktioniert. Und das wird jetzt auch klappen.“

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