Aachen - Otto Becker: „Was vorher war, ist Schnee von gestern“

Otto Becker: „Was vorher war, ist Schnee von gestern“

Von: Helga raue
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Konzentriert: Bundestrainer Otto Becker.

Aachen. Der Bundestrainer wirkt ganz entspannt, dabei steigen die deutschen Springreiter ab Mittwoch in ihren EM-Wettkampf ein. Otto Becker lacht: „In den Tagen zuvor war ich sehr unruhig. Aber in der vergangenen Nacht habe ich hier in Aachen endlich mal wieder tief und fest geschlafen.“ Der 56-Jährige sprach mit Helga Raue über Chancen, Ziele und Wünsche für die EM in Aachen.

War es die gute Aachener Luft, die Sie hat schlafen lassen? Oder der Optimismus vor dem Wettkampf?

Becker: Ich bin mit einem erfahrenen Team hier in Aachen am Start. Wir sind am Montagmittag angekommen. Alle Pferde sind fit und gut durch den Vet-Check gekommen. Und dann sind wir mit dem Team gemeinsam bei meinem alten Freund Peter Schmitz auf Gut Schwarzenbruch essen gewesen. Wir hatten einen schönen Abend mit gutem Essen, vielleicht lag der gute Schlaf auch daran (lacht).

Wie sah der Vorbereitungsweg Ihres Teams zur EM nach Aachen aus? Es gab ja keine Qualifikation, nur Sichtungen?

Becker: Seit Mannheim Mitte Juli stand die Mannschaft ja schon im Großen und Ganzen mit Daniel Deußer, Ludger Beerbaum und Christian Ahlmann fest. Dann haben wir individuell die weitere Vorbereitung der Paare abgesprochen und Pläne erarbeitet. Nach Hickstead Anfang des Monats kamen Meredith Michaels-Beerbaum und als Reserve Janne-Friederike Meyer hinzu.

Gab es im Vorfeld der EM ein Trainingslager?

Becker: Nein. Das hatte verschiedene Gründe: Der eine wollte lieber zu Hause reiten, weil sein Hengst sich auf einen fremden Platz leichter ablenken lässt, der andere wollte lieber auf Sand trainieren, einige waren hier in die Eröffnungsfeier integriert, einige ritten im Vorfeld noch bei einem anderen Turnier. Wir haben alle Reiter individuell besucht und betreut.

Und wie war der Eindruck?

Becker: Sehr gut. Alle Reiter und Pferde waren sehr gut drauf.

Nun lief es im Vorfeld der EM nicht so erfolgreich. Es wurde 2015 bisher noch kein Nationenpreis der ersten Liga gewonnen.

Becker: Nein, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Natürlich haben wir mit unserer Leistung in den bisherigen Nationenpreisen noch nicht einmal das Finale in Barcelona erreicht. Wir müssen hoffen, dass wir uns über die andere Nationenpreisserie als Nachrücker vielleicht noch qualifizieren. Auf der anderen Seite lief es in den Nationenpreisen aber auch nicht schlecht, in Rotterdam verbuchten wir fünf Nullrunden, in Dublin zwei, dazu sechs Runden mit je einem Abwurf. Das ist weiß Gott nicht schlecht, reichte aber nur zu Platz vier.

Und bei der EM...?

Becker: Zum Glück fangen wir bei der EM heute ja wieder bei Null an. Alles was vorher war, ist Schnee von gestern.

Nach dem heutigen Zeitspringen folgt am Donnerstag und Freitag jeweils ein Umlauf des Nationenpreises. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Becker: Beim klassischen Nationenpreis, wie beim CHIO Aachen, werden die beiden Runden hintereinander geritten. Das macht Sinn, weil die Pferde dann einmal im Fluss sind. Bei einer EM oder WM sieht das anders aus, da sind 90 oder mehr Pferde am Start. Da reitet man in der ersten Runde frühmorgens und ist dann acht Stunden später im zweiten Umlauf wieder dran. Da ist es schwierig, die Pferde wieder aufzuwärmen. Auf dem Championat ist mir der Nationenpreis über zwei Tage lieber. Ich denke, es ist pferdefreundlicher und zudem auch für das Publikum attraktiver. Ich begrüße das auf jeden Fall.

Der Weltranglisten-Erste Scott Brash verzichtet auf die EM. Er schont Hello Sanctos für Calgary, wo er eine Million Euro gewinnen kann. Ist so eine Entwicklung auch für Sie ein Problem?

Becker: Unsere Reiter ziehen echt mit, konzentrieren sich nach wie vor auf die Nationenpreise und stehen zur Verfügung, wenn ich sie anrufe. Und wenn mal einer nicht kann, dann springt ein anderer in die Bresche. Pferde und Reiter haben sich in der Saison alle mit Blick auf die EM vorbereitet. Und ich bin sehr froh darüber.

Wie sehen Sie die Chancen der Deutschen, und wer ist favorisiert?

Becker: Da gibt es einige Teams, die vorne sein können: Weltmeister Niederlande, Belgien ist sehr stark geworden oder auch Irland, beim Springen können sechs, sieben Nationen Gold gewinnen – auch wir. Erfahrungsgemäß geht es in dieser Disziplin oft knapp zu. Wir haben Chancen, auch im Einzel.

Fühlt sich Aachen in diesen EM-Tagen anders für Sie an?

Becker: Schon das ganze Jahr waren wir fokussiert auf diese Heim-EM. Aachen ist auf der einen Seite wie immer, auf der anderen Seite ist es schon anders, weil es die Euro ist. Ich habe meinen Reitern gesagt, dass wir ganz viel positive Stimmung bekommen vom Publikum und die mitnehmen wollen. Vor dem Aachener Publikum zu siegen, wäre ein Highlight.

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