Nur 0,5 Punkte fehlen der Aachener Lateinformation an einem Wunder

Von: Helga Raue
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Spalier stehen: Trainer Torben Bölk (rechts) und Co-Trainerin Marion Kegenhoff applaudieren ihrer Mannschaft vor dem Defilée bei der Siegerehrung in Düren. Foto: Jürgen Karl

Düren. Es war das Statement des Abends: „Wir danken Ihnen, dem Publikum, das uns in Düren elf Jahre begleitet und zum EM-Titel getragen hat. Wir fühlen uns verpflichtet, wiederzukommen. Also, Krönchen rücken, eine Runde durch die Zweite Liga, und wir sind wieder da.“

Tosender Beifall für Elke Eschweiler, Präsidentin des Tanzsportzentrums Aachen, für ihr Schlusswort nach dem letzten Bundesliga-Turnier der Lateinformationen. Das Team der FG TSZ Aachen/Boston-Club Düsseldorf hatte zwar überzeugend das kleine Finale in Düren gewonnen, steigt aber mit 0,5 Punkten Rückstand auf den 1. TC Ludwigsburg ab.

Gekämpft, alles gegeben, gewonnen – und doch verloren. Während alle anderen Entscheidungen in der Liga schon gefallen waren, mussten die Aachener Tänzer noch um den Klassenerhalt kämpfen. Und dabei hoffen, dass sie nicht nur selbst eine gute Leistung bringen, sondern, dass der 1. TC Ludwigsburg gleich zwei Plätze schlechter aus dem Rennen gehen würde. Schon in der Vorrunde gaben die Aachener alles – getragen vom Publikum, das sie – aber fairerweise auch alle anderen Teams – feierte.

Es war eine schöne Vorrunde mit einem kleinen Pirouettenfehler, deutlich besser als beide Ludwigsburger Teams – Residenz stand vor dem Turnier bereits als Absteiger fest –, die die Formation von FG-Trainer Torben Bölk zuletzt zweimal auf den letzten Platz verwiesen hatte. Ja, es gab sogar die Hoffnung, wie beim ersten Turnier Backnang mit ins kleine Finale ziehen zu können, denn Aachen tanzte definitiv auf Augenhöhe mit dem Aufsteiger.

Die Hoffnung zerplatzte, zu Dritt traf man sich im kleinen Finale. Der 1. TC legte solide vor, Residenz folgte und hinterließ erneut die Frage, wie Aachen tänzerisch zwei Mal hinter diesem Team landen konnte. Strahlend schön und motiviert traten die Gastgeber auf die Fläche und brannten mit ihrem temperamentvollen Charleston zum Auftakt der Choreographie „The Great Gatsby“ gleich ein Feuerwerk ab. Auch erneute Patzer in der Pirouette und diesmal auch der Bodenpirouette konnten den guten Eindruck nur geringfügig stören. Was diesmal auch die Wertungsrichter so sahen und Aachen/Düsseldorf zum Sieger des kleinen Finales kürten. Vor dem 1. TC – und das bedeutete, dass dieser die Klasse mit 0,5 Punkten Vorsprung vor dem FG-Team sicherte.

Verdienter Bundesliga-Sieger mit der makellosen Saisonbilanz aller Einserwertungen wurde Weltmeister GGC Bremen A, der auch in Düren unbestritten das Maß der Dinge war. Auf den Plätzen folgten der WM-Dritte Bochum-Velbert und Shooting-Star Buchholz.

„Hoffnungsvoll, aber natürlich auch wehmütig.“ Torben Bölk machte aus seinem Herzen keine Mördergrube nach dem Abstieg, der ihn natürlich nicht unerwartet getroffen hatte. Wehmütig, weil „es eine sehr schöne Zeit in der ersten Liga war, und das auch die Klasse ist, wo wir hingehören.“ Hoffnungsvoll, weil „man nun in der Zweiten Liga die noch junge Mannschaft in Ruhe weiterentwickeln und ausbilden sowie an den Schwächen arbeiten kann“. Bölk sagte: „Ich habe als Trainer in diesem Jahr viele Erfahrungen sammeln können, viel gelernt, werde aus dieser Saison viel mitnehmen und kann auch an meinen Fehlern arbeiten.“ In Liga 2 ist der direkte Wiederaufstieg das Ziel.

Wehmütig war auch Eric Soeterboek, für den das 63. Turnier mit der FG zugleich – nach zwei Comebacks – diesmal der endgültige Abschied vom aktiven Tanzsport war. „Diesmal ist wirklich Schluss, ich spüre mein Alter“, sagte der 37-jährige Niederländer lachend. „Ich war sehr entspannt, wusste, den Klassenerhalt noch zu schaffen, war utopisch. Daher wollte ich das Turnier genießen. Es waren zwei gute Durchgänge, schade, dass die Fehler im Finale passiert sind.“

Spaß haben und Familien und Freunden Spaß bereiten stand beim letzten Bundesliga-Turnier im Mittelpunkt – und das war dem Team gelungen. „Ein geiles Gefühl, so vom Publikum gefeiert zu werden“, strahlte Ralph Schmidts, der im vergangenen Jahr als Reservist noch zuschauen musste. „Nach dem tollen Turnier und dem Ergebnis sind die Gefühle natürlich sehr gemischt“, ergänzte Laura Karsch. „Wir haben so hart gearbeitet und uns in den letzten Wochen als Team noch mehr zusammengefunden. Daher war es ein tolles Gefühl auf dem Parkett.“

Auf der Tribüne hatten viele frühere FG-Tänzer die Daumen gedrückt, darunter Ines Behrendt: „Wir haben alle mitgefiebert. Es fühlt sich so an, als würde ich noch zum Team gehören, daher weiß ich, wie die Tänzer sich gerade fühlen“, war die Ex-Kapitänin traurig, während der aktuelle Teamführer Niklas Freche ergänzte: „Wir wollten Spaß haben. Den hatten wir und haben uns mit einer tollen Leistung verabschiedet.“

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