Neue Sportart Cricket: Der PSV packt harte Schläger aus

Von: Carsten Rose
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...und der Schläger („Batsman“), hier Mohammad Tarek, ein Flüchtling aus Bangladesh (rechts). Der „Batsman“ beschützt sein „Wicket“ aus drei Holzstäben (hinter ihm) vor dem Wurf. Foto: Carsten Rose
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Die Hauptakteure beim Cricket: Der Werfer („Bowler“), hier Abteilungsleiter, Trainer und Spieler Waqas Tahir... Foto: Carsten Rose
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Handgenäht und innen aus Kork: Thomas Kremer, Erster Vorsitzender des PSV Aachen, hält das originale Spielgerät in den Händen. Im Training werden andere Bälle genutzt.

Aachen. Alle paar Sekunden macht es „Betsch“, wenn der weiße Hartgummiball auf den schweren Schläger aus Weidenholz knallt – und manche Köpfe senken sich dann in Deckung, wenn der Ball quer durch die Sporthalle an der Aretzstraße schießt. Oder jemand fängt das runde, zu einem Geschoss gewordenen Spielgerät – ohne Handschuhe. Das Ganze geht gut und gerne mal über zwei Stunden so.

„Das Ganze“, das ist Cricket. Eine Sportart, die an Baseball erinnert und seit Anfang Dezember zum ersten Mal in Aachen vom Polizei-Sportverein angeboten wird.

Cricket? „Das musste ich erst einmal googlen, als mir die Sportart am Telefon vorgeschlagen wurde“, sagt Thomas Kremer, der erste Vorsitzende des PSV. „Danach dachte ich direkt: Klar, das machen wir.“ Der Mann, der Thomas Kremer angerufen hat, ist Waqas Tahir. Der gebürtige Pakistaner hat am 3. Dezember mit dem PSV die Cricket-Abteilung gegründet. „Der Anruf kam etwa zwei Wochen vorher“, sagt Kremer. Somit hat sich für Tahir, mehr als ein Dutzend weiteren aus Pakistan oder Bangladesch stammenden Hobbyspielern und einen Australier ein Wunsch erfüllt: ihren Nationalsport wettbewerbsmäßig in Aachen zu spielen.

Es fehlen noch Deutsche

Dass der PSV das in Europa als Randsportart geltende Cricket für Hobbyspieler, die momentan aus Aachen, der Städteregion und Düren kommen, anbietet, hat für den Vorstand einen Grund: die Integration von Flüchtlingen und Migranten durch ihren Lieblingssport. „30 bis 40 Prozent der Spieler sind relativ neu in Aachen und sprechen auch noch kein Deutsch“, sagt Thomas Kremer. Was zu einer erfolgreichen Integration noch fehlt, sind daher deutsche Mitspieler. „Es soll kein abgeschlossener Spielbetrieb werden“, sagt Kremer. Eine Maximalanzahl von Spielern gebe es nicht: „Wenn wir am Ende 30 Spieler haben, melden wir eben eine zweite Mannschaft.“

Der Optimismus ist groß

Im April startet die Saison unter freiem Himmel gegen Teams aus der Region Köln-Bonn. „Wir hoffen auf eine eigene Wiese“, sagt Tahir. Überlegungen im Hintergrund würden, so Kremer, laufen. Der Vorsitzende, der sich selbst noch nicht mit Ball oder Schläger ausprobiert habe, ist der Optimismus über das neue Sportangebot in Aachen anzumerken. „Ich habe noch nie Spieler gesehen, die so agil sind. Die wollen quasi Tag und Nacht spielen“, sagt er.

Im März soll es nach draußen gehen. „Wenn das Wetter schön ist, wollen wir Freundschaftsspiele absolvieren“, sagt Tahir, der mit 14 Jahren angefangen hat, in Pakistan im Seniorenbereich zu spielen. Tahir wohnt in Hellental, lebt seit 1999 in Deutschland und hat unter anderem in Vereinen in Köln und Duisburg weiter Cricket gespielt.

Bekannte von ihm wohnen in Aachen, und die lieben den Sport genauso wie er. „Studenten oder Flüchtlinge haben aber nicht die Möglichkeit, immer nach Köln zu fahren.“ So entstand die Idee, ein Team in Aachen zu gründen. Trainiert wird momentan noch provisorisch dienstags von 17.30 bis mindestens 19 Uhr in der Turnhalle an der Aretzstraße. Der Sonntag stehe als weitere Option im Raum, sagt Kremer. In der Halle wird zum größten Teil das Werfen und Schlagen trainiert, denn für ein Spiel ist ein offenes Spielfeld nötig.

Die Regeln in Kurzform

Die Cricket-Regeln in Kurzform: Ein Werfer, der sogenannte „Bowler“, versucht, mit einem Ball das „Wicket“, das sind drei Holzstäbe hinter dem Schläger („Batsman“) des anderen Teams zu treffen. Der Schläger versucht, sein „Wicket“ einerseits zu verteidigen und andererseits den Ball weit genug wegzuschlagen, um mit einem Lauf zum 20 Meter entfernten „Wicket“ des anderen Teams und zurück selbst Punkte zu sammeln. In der Regel soll der Ball des Werfers einmal auf dem Boden auftitschen; wenn nicht, darf er die Gürtellinie des „Batsman“ nicht überschreiten.

„Die Werfer brauchen viel Kraft“, sagt Waqas Tahir, „die Bälle werden international bis zu 150 Stundenkilometer schnell geworfen.“ Der Rekord für einen Wurf des gut 160 Gramm schweren handgenähten roten Lederballs – die Hartgummibälle werden nur im Training genutzt – liege gar bei 160 Stundenkilometern. Dementsprechend ist der „Batsman“ am Körper gepolstert. Wichtige Momente in einer Partie entstehen, wenn neue Bälle verwendet werden. Dann seien Werfer mit viel Erfahrung gefragt, sagt Tahir: „Wenn man eine Seite des Balles ganz trocken reibt, bekommt er beim Wurf eine andere Flugbahn.“

Mit dieser Technik ist es einfacher, dass der „Batsman“ den Ball nicht trifft. Gelingt das beim Hallentraining, müsste niemand mehr den Kopf einziehen.

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