Neubeginn in der dritten Liga

Von: Wilhelm Peters
Letzte Aktualisierung:
kopp_foto
Comeback in der „dritten Liga”: David Kopp (rechts) erhält von Manager Markus Ganser eine neue Chance im Stolberger Continental-Team Kuota Foto: Wilhelm Peters

Stolberg. Es sprudelt geradezu so aus ihm heraus wie aus dem Mund eines Kindes, das stolz sein erstes eigenes Fahrrad präsentiert. Erleichterung klingt durch. Und auch ein Stück Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass er in der „dritten Liga” eine zweite Chance erhält: David Kopp ist zurück im Profiradsport.

Als geläuterter und gereifter Mensch, der nichts beschönigt und sich an die eigene Brust klopft: „Ich habe Mist gebaut und bin dafür zu Recht bestraft worden”, sagt er. „Und ich bin sehr froh, dass mir Markus Ganser diese Chance gibt.”

Kopp, der 31-jährige Rennfahrer mit den Profi-Stationen Team Telekom (2002/03), Lamonta (2004), Wiesenhof (2005), Gerolsteiner (2006/07) und zuletzt Cycle Collstrop/Belgien (2008), war am 11. September 2008 bei einem „Kirmesrennen” in Belgien, das nicht zu den UCI-Kriterien gehörte, auf Kokain getestet worden. Über ein Jahr nach dem Vorfall wurde Kopp im November 2009 rückwirkend ab 1. Januar vorigen Jahres vom flämischen Verband für zwölf Monate gesperrt. Rückwirkend deshalb, weil Kopp letztes Jahr keine Rennen gefahren ist, was von Gesetzes wegen möglich gewesen wäre. Kopp beantragte jedoch keine Lizenz. „Das hätte weder mir noch dem ohnehin angeschlagenen Ruf des Radsports gut getan und wäre ein schlechtes Signal gewesen”, sagt der einstige Sieger des Klassikers Rund um Köln (2005), der mit Freundin Kristin in Köln-Mülheim zu Hause ist.

Da die Zuständigkeit für die „Kokain-Affäre Kopp” lange unklar war (flämischer oder deutscher Radsportverband), zögerte sich die Entscheidung über ein Verfahren so endlos lange hinaus. Nach Monaten der Ungewissheit ergriffen Kopp und sein Anwalt Michael Lehner selbst die Initiative: „Es war irgendwie auch makaber, dass ich mich selbst um meine Bestrafung gekümmert habe. Aber ich wollte Klarheit.” Die UCI, der Radsport-Weltverband, erklärte schließlich den flämischen Verband für zuständig, der dann die Sperre aussprach.

Markus Ganser, der Manager der Stolberger Equipe Kuota Indeland, dem ältesten Profiteam in Deutschland, sagt: „Es war keine leichte Entscheidung, David einen Einjahresvertrag zu geben. Was das Thema Radsport und Doping betrifft, sind wir sehr sensibel. Ich habe mir Davids Sicht der Dinge angehört, und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass er die Chance verdient hat. Jeder hat eine zweite Chance verdient, zumal David sein Fehlverhalten auch öffentlich eingestanden hat. Es liegt ja kein Dopingfall im klassischen Sinne vor, weshalb er auch zu einer kürzeren Strafe verurteilt worden ist.”

Kopp, der Zweite von Gent-Wevelgem (2006), nennt die Strafe „hart, aber gerechtfertigt”, die er hinter sich hat. Nicht nur das Strafmaß, auch die Monate des Nachdenkens haben ihn geläutert: „Ich hatte meinen ganz persönlichen 11. September”, erinnert er sich an den Tag, als die Probe gezogen wurde. „Und ich hatte 2008 meinen ganz persönlichen 3. Oktober”, sagt Kopp. An jenem Tag informierte ihn der flämische Verband über die positive A-Probe, die noch keinen Nachweis, wohl aber den dringenden Verdacht nahe legte, der sich dann später in der von Kopp beantragten B-Probe bestätigte. Der Bund Deutscher Radfahrer hatte zuvor im März 2009 das Ergebnis der A-Probe öffentlich gemacht.

„Ich verspürte auch eine Art Erleichterung, als Klarheit herrschte”, sagt Kopp, der als Rückkehrer mit einem halben Jahr Training in den Beinen „nicht mehr dieselben Ansprüche mit in die Saison nimmt wie früher. Zunächst hatte ich im März nur eines im Kopf: nie mehr Radsport.” Aber bald merkte er: „Das geht nicht, das will ich nicht. Ich möchte zeigen, dass ich wieder für positive Schlagzeilen sorgen kann. Meine eigene Dummheit soll nicht über meine Karriere entscheiden. Markus Ganser und das Team geben mir diese Chance. Ich will sie nutzen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert