Nationenpreis nicht mehr Teil der FEI-Serie: Reiter üben Kritik

Von: Helga Raue
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So war‘s 2004: Otto Becker als Aktiver auf Cento beim Nationenpreis in der Aachener Soers. Die deutsche Equipe gewann. Foto: sport/Sven Simon

Aachen. Die wichtigste Botschaft vorweg – auch 2014 wird es einen Nationenpreis der Springreiter beim CHIO Aachen geben! Die Ankündigung, dass Aachen nicht mehr Bestandteil des FEI Furusiyya Nations‘ Cups sein wird, hatte für Verwirrung gesorgt. „Der Nationenpreis ist ein Highlight unseres Turniers, und es ist wichtig, dass er bleibt“, betont Frank Kemperman, Vorstandsvorsitzender des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV).

„Wir bleiben weiterhin das offizielle Turnier Deutschlands und werden weiterhin einen Nationenpreis ausrichten.“

Allerdings wird der CHIO Aachen nicht mehr zur sogenannten „Europe Division 1“ gehören, den Top-Turnieren, bei denen die Nationalteams für das geldträchtige Nationenpreis-Finale, diesmal Anfang Oktober in Barcelona, punkten und sich der Klassenerhalt bzw. Abstieg aus der Ersten Liga entscheidet. „Ich finde das nicht gut“, redet Otto Becker, Bundestrainer der deutschen Springreiter, Klartext. „Das habe ich von Anfang an gesagt, und ich habe in den letzten Tagen sogar noch hin- und hertelefoniert und versucht, noch einen Kompromiss zu finden. Leider vergeblich.“

Traditionell sichtet Becker ebenso wie seine Vorgänger beim CHIO Aachen die besten Reiter für die folgenden Championate, in diesem Jahr die Weltreiterspiele in der Normandie ab Ende August. „Der Nationenpreis in Aachen hat eine lange Tradition und herausragende Bedeutung. Dass Aachen nun nicht mehr zur ersten Serie gehört, darüber bin ich alles andere als begeistert.“

Die erste Serie umfasst wie bisher die Fünf-Sterne-Turniere in La Baule/Frankreich (15. bis 18. Mai), Rom/Italien (22. bis 25. Mai), St. Gallen/Schweiz (29. Mai bis 1. Juni), Rotterdam/Niederlande (18. bis 22. Juni), Falsterbo/Schweden (10. bis 13. Juli), Hickstead/Großbritannien (31. Juli bis 3. August) und Dublin/Irland (6. bis 10. August). Als Aachen-Ersatz ist Lummen/Belgien (30. April bis 5. Mai) neu im Reigen der Top-Turniere. Seit Jahren richtet Hausherr Peter Postelmans, der selbst 2002 bei den Weltreiterspielen in Jerez de la Frontera auf Oleander mit dem belgischen Team Bronze gewann, hier erfolgreich internationale Turniere aus, darunter einen Nationenpreis der Division 2.

„Das ist für den belgischen Springsport und für Peter, der sich seit Jahren darum bemüht hat, natürlich sehr schön“, freut sich Dirk Demeersman, seit Beginn dieses Jahres Co-Trainer des belgischen Nationalcoaches Kurt Gravemeier. „Für Aachen ist die Entwicklung zwar schade, aber auf der anderen Seite hat Aachen die Serie gar nicht nötig. Alle Reiter wollen da starten, daran wird sich auch nichts ändern“, betont der 49-Jährige, der neben seinem neuen Amt weiter international reiten wird.

Ludger Beerbaum bringt es auf den Punkt: „Aachen bleibt Aachen, daher mache ich mir als Reiter keine Sorgen. Aber wenn ich FN-Präsident wäre, würde ich das schon“, kommentiert Deutschlands erfolgreichster Springreiter. „Ich finde es für unseren Sport nicht gut, dass Aachen aus der ersten Serie raus ist. Am guten Sport in Aachen wird das allerdings nichts ändern.“ Möglicherweise wird der sogar noch besser, denn nun hat der ALRV die freie Entscheidung, welche Nationen er in die Soers einlädt.

„Ich habe gerade die erste Nation eingeladen: Deutschland“, witzelt Kemperman, wird aber gleich wieder ernst: „In den vergangenen Jahren war kein Team aus Übersee am Start, diesmal kann ich schon sicher sagen, dass die USA kommen werden. Wir überlegen noch, ob wir acht oder neun Teams einladen.“ Einladungen erhalten die Nationen, die im Ranking oben stehen und zudem auch aktuell die besten Leistungen bringen. „Es wird nur nach Qualität gehen“, verspricht Kemperman. Was auch Otto Becker nicht anzweifelt: „In Aachen werden sicher wie immer sehr starke Mannschaften starten, und auch wir werden das beste Team schicken.“

Schließlich gibt es auch viel Geld zu verdienen: Der Mercedes-Benz-Nationenpreis ist seit vergangenem Jahr mit knapp 400.000 Euro dotiert und damit fast doppelt so hoch wie die Wettbewerbe in der Nationenpreis-Serie der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI). Um Geld ging es auch bei der Trennung. „Wir verhandelten seit Oktober. Die FEI wollte nur noch 25 Prozent für ihr Werbepaket zahlen. Da haben wir noch okay gesagt, nicht aber bei gleichen Leistungen wie von der FEI erwartet. Wir haben bis zuletzt verhandelt, da am 31. Dezember Deadline für die Nennung war, sind aber zu keinem Ergebnis gekommen.“

Zudem: Im kommenden Jahr hätten eh Änderungen angestanden. 2013 wechselte die FEI ihren langjährigen Hauptsponsor, ging von Rolex zu dessen Konkurrent Longines. Und ab 2015 müssen alle Turniere der Division 1 mit Longines zusammenarbeiten, 2013/14 galt als Übergangsfrist. „Wir haben seit Jahren Rolex als Hauptsponsor, daran wollen wir festhalten.“

Somit wäre 2014 sowieso das letzte Jahr in der FEI-Serie gewesen. „Jetzt kommt die Trennung eben ein Jahr früher“, erläutert Frank Kemperman einen weiteren Grund.

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