Aldenhoven - Nachwuchsringer Jakob Kemper holt bei der DM die Bronzemedaille

Nachwuchsringer Jakob Kemper holt bei der DM die Bronzemedaille

Von: Helmut Schiffer
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Jakob Kemper und Trainer Karl-Heinz Ruch präsentieren den Lohn der Ringer-Mühen: die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften der B-Jugend. Foto: Schiffer

Aldenhoven. „Der Kalle ist der beste Ringertechnik-Trainer in Deutschland.“ Sagt Jakob Kemper aus Düren-Echtz. Der 14-Jährige sicherte sich nun bei den Deutschen Meisterschaften im Freistil im westfälischen Herdecke die Bronzemedaille in der Klasse bis 69 Kilogramm.

Die Grundlagen für diesen Erfolg – es blieb die einzige Medaille für die Ringer aus NRW – erarbeitete sich der Schüler im Aldenhovener Landesstützpunkt, auf dem Karl-Heinz Ruch (59) seit mehr als 30 Jahren verantwortlicher Trainer ist.

Schon auf den Parkplätzen rund um die Blechsteinhalle in Herdecke war anhand der Kfz-Kennzeichen zu erkennen, dass dort in der Vorwoche eine überregionale Veranstaltung über die Bühne ging. Die Akteure kamen nicht nur aus Hamburg, Berlin, Rostock oder Mainz, sondern auch aus so bekannten Ringerhochburgen wie Schifferstadt, Köllerbach oder Bonn. Und aus Aldenhoven, wo der 14-jährige Jakob Kemper seit drei Jahren auf dem dortigen Ringer-Landestützpunkt trainiert. Unter den Fittichen von Kalle Ruch, dem Ex-Weltklasse-Ringer, der zusammen mit seinem Bruder Lothar, dem jetzigen Bildungsreferenten und Wissenschaftskoordinator im Deutschen Ringer-Bund und ehemaligen Bundestrainer Griechisch-Römisch, viele Jahre dem damaligen Bundesligisten TuS Aldenhoven den Stempel aufdrückte.

Vier Mal Training plus Laufabend

Der Ringersport hat die Gebrüder Ruch nie losgelassen, so ist es denn nicht verwunderlich, dass Kalle Ruch auch weiterhin jede Woche mehrmals den Weg zur Sporthalle an der Schwanenstraße nimmt, um dort talentierte Jugendliche in die Leistungsspitze des Deutschen Ringersports zu führen. Dazu zählt Jakob Kemper aus Echtz. Zweimal pro Woche wird der von seiner Mutter nach Aldenhoven zum Training gefahren. Trainiert, so sagt er aber betont, „wird vier Mal die Woche plus ein Laufabend“. Denn aktiv ist der Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule in Mariaweiler seit fünf Jahren beim RC Merken. „Seit drei Jahren arbeite ich mit Kalle Ruch zusammen“, berichtet er stolz. Und zeigt auf die Bronzemedaille samt Urkunde, die ihm bei der Siegerehrung von keinem Geringeren als Reinhard Rauball, dem Präsidenten von Borussia Dortmund, überreicht wurde. Denn dieser nahm in Herdecke mit den Verantwortlichen der ausrichtenden TSG Schwerathletik die Siegerehrung vor. Ein Höhepunkt, den gerne alle gestarteten 126 Teilnehmer aus insgesamt 18 Landesverbänden erleben wollten.

„Die Atmosphäre war schon toll, es hat Spaß gemacht“, berichtet Jakob von den drei Tagen, an denen er auf die Matte ging. Betreut natürlich von seinem Coach Ruch, der auch ansonsten auf dem Landesstützpunkt in Aldenhoven die Richtung vorgibt. Für rund 20 talentierte und fleißige Jugendliche, die mehr als nur Ringen wollen. „Es fehlen in den Vereinen einfach die ausgebildeten Trainer“, umschreibt Ruch ein Dilemma, das viele Ringervereine aber nicht einsehen wollen. Natürlich, so sagt der Experte, sind gerade die finanziellen Rahmenbedingungen ausschlaggebend. „Aber in unserem Landesstützpunkt könnten wir gut und gerne noch den einen oder anderen hoffnungsvollen Nachwuchsringer weiterbilden“, appelliert er an die Vereine, „die Jungs doch zu schicken“.

Zurzeit sind es Aktive aus Oberforstbach, Hückelhoven, Walheim, Merken, Aldenhoven und dem niederländischen Landgraaf, die zwei Mal wöchentlich trainieren, sich dann auch intensiv vorbereiten auf anstehende Meisterschaften oder aber Lehrgänge. Von letzteren möchte Ruch künftig mehr anbieten. Da ist er sich mit dem neuen NRW- Ringer-Präsidenten Jens Nettekoven einig. Der hat ihm jedwede Unterstützung signalisiert, „damit wir mit unserem Ringersport wieder in die Spur kommen“. Denn was zum Beispiel die Erstklassigkeit anbelangt, gibt es im Moment keinen einzigen Verein in Nordrhein Westfalen.

So wünscht sich der Landesstützpunkttrainer aus Aldenhoven denn auch mehr Beteiligung von jungen Ringern, auch aus seinem Heimatverein TuS Aldenhoven oder aber dem RC Merken. „Wünschenswert wären auch Lehrgänge an einem Samstag“, kann sich Ruch vorstellen, auf NRW-Tour zu gehen und Training vor Ort bei den Vereinen durchzuführen. Und somit die Zusammenarbeit zu forcieren. Dass dabei auch die Eltern des Ringernachwuchses eingebunden werden müssten, verstehe sich von selbst. Denn die, so sagt er, „müssen hinter der Sportart ihrer Kinder stehen“. Eine Sportart, die bei richtiger und Erfolg versprechender Durchführung zeitintensiv sei „und viele Kilometer Fahrt mit sich bringt“. Sagt Jakob Kemper, der für andere Hobbys keine Zeit hat, sich nur auf das Leben eines Pennälers der 8. Klasse beschränken kann und will. „Aber alle Anstrengungen haben sich gelohnt“, blickt er mit leuchtenden Augen auf seine Medaille, mit der er nach dem ersten Kampf schon nicht mehr gerechnet hatte.

„Da traf er auf Denis Würger aus dem Landesverband Südbaden. Ein bärenstarker Mann, der dann später auch verdient Deutscher Meister geworden ist“, erinnert sich auch Ruch an den Auftakt der Pool-Kämpfe seines Schützlings und vergisst nicht zu erwähnen, dass der es war, der es als einziger von Würgers Gegnern schaffte, über die komplette Zeit zu ringen. Alle anderen wurden schon vorher von diesem aufs Kreuz gelegt oder vorzeitig nach Punkten besiegt.

Starke Schlussrunden

Danach machte sich, und dies betont auch Kemper, die dreijährige Vorbereitungszeit im Landestützpunkt bezahlt. Denn in der Schlussrunde zeigte der Echtzer, was er von seinem Techniktrainer gelernt hatte. Die beiden aus dem Landesverband Württemberg stammenden Athleten Dennis Fries und Alex Kinstler, bis dahin ungeschlagen, hatten nichts zu bestellen. Letzterer wurde im kleinen Finale von Jakob Kemper klar und verdient mit 5:2 besiegt. Damit holte der Sieger die einzige Medaille für den NRW-Verband.

Der nächste Mattenstart für Jakob Kemper steht am Wochenende im Sportzentrum Ried in Mainz-Laubenheim an – bei den Deutschen Meisterschaften der A-Jugend.

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