Aachen/Grevenbroich - Nach umstrittenem Abbruch hofft Thaiboxer Fraikin auf ein Rematch

Nach umstrittenem Abbruch hofft Thaiboxer Fraikin auf ein Rematch

Von: Bernd Schneiders
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Der Dominator aus Aachen: Frederic Fraikin zwingt Patrick Kolbe nicht nur in dieser Szene in die Ecke. Doch der Cut, der mit acht Stichen genäht werden musste, stoppte später den Sportstudenten. Foto: privat

Aachen/Grevenbroich. „Es läuft!“ ist der durchweg positive Standardspruch von Frederic Fraikin und seinem Trainer Frederick Jungheim. Und es lief an diesem Abend in Grevenbroich. Aber nicht so richtig positiv. Blut sickerte aus einem Cut des Aacheners, ausgerechnet im Kampf um den vakanten Titel der Deutschen Meisterschaft im Profi-Thaiboxen (MTBD) bis 86 Kilo.

Routinier Patrick Kolbe hatte ihn mit dem Ellbogen erwischt, beim Thaiboxen anders als etwa beim K1 erlaubt. Es war bereits das letzte Drittel der vierten Runde. Bis dahin hatte Fraikin, immerhin frisch gebackener Amateur-Weltmeister, den Kampf dominiert, hatte alle Runden gewonnen – und es waren nur noch einige Sekunden und dann noch mal die finalen drei Minuten zu überstehen. Doch der Ringarzt schaute sich die Wunde an und brach den Kampf ab.

„Vielleicht ist er Kinderarzt“, mutmaßt Frederick Jungheim, Fraikins Trainer. Auch sein Schützling war einigermaßen verblüfft. „Es hat mich überhaupt nicht behindert, ist mir nicht in die Augen gelaufen.“ Der winkelförmige Riss (kleines Foto) wurde im Grevenbroicher Krankenhaus mit acht Stichen genäht. Doch die Stelle der Verletzung gilt im Kampfsport als relativ unproblematisch. Anders als etwa auf der Augenbraue oder gar im Augenlid drohen keine größeren Schäden, wenn dort erneut ein Schlag landet. Doch es regierte an diesem Kampfabend die Übervorsicht – und damit war der Titel futsch. „Freddy hat wunderbar gekämpft“, lobte sein Coach, „dieser Abbruch war absolut unnötig.“

Entscheidung akzeptiert

Großen Ärger machten die beiden Aachener aber nicht. „Das ist wie im Fußball: Die Entscheidung des Schiedsrichters muss man akzeptieren“, sagte Alemannia-Fan Fraikin. Immerhin kam nach dem Abbruch der Trainer seines Gegners zu ihm und bekannte, dass der Sportstudent besser als sein eigener Mann gewesen sei. Das sah sein Kämpfer, Patrick Kolbe, anders. „Gute Besserung! Aber der Fight war ja ausgeglichen“, teilte der Kölner dem überraschten Aachener mit. Der schluckte seinen Ärger runter und konnte sich zumindest etwas daran erfreuen, dass Kolbe vom Publikum im Elephants Dome gnadenlos ausgebuht wurde, als er sich auf den Seilen als Sieger zelebrierte.

„Der Ärger ist mittlerweile verflogen“, sagt Fraikin. Stattdessen ging es gemeinsam mit seinem Trainer in die Kampfanalyse. Den Cut wollen beide nicht als Alibi gelten lassen. Fehler und Schwächen suchen sie lieber im Sportlichen – sportlich halt. „Ich hätte anders kämpfen müssen“, gestand der Sportstudent ein. „In Runde 3 habe ich gemerkt, dass ich auch mit meinen Ellbogen gut durchkam.“ Eine Kampfweise, vor der Jungheim ihn gewarnt hatte. Der erfahrene Trainer hatte schnell bemerkt, dass Kolbe darauf aus war, seinem Schützling im Nahkampf einen Cut zu verpassen – vermeintlich die einzige Chance, um den überlegenen Aachener zu bezwingen. „Er hätte lang boxen müssen, auf Distanz bleiben“, erklärt der Tai-Kien-Coach. „Die Lektion habe ich gelernt“, sagt sein Schüler. Nichts wäre ihm lieber als ein Rückkampf. Doch auszuschließen ist nicht, dass Kolbe seine Karriere mit dem Titel beendet. Dann wäre die Deutsche Meisterschaft zwar wieder vakant und Fraikin gesetzt. Aber lieber würde das Aushängeschild des Tai-Kien Aachen die Scharte in einem Rematch auswetzen.

Die Erinnerungen werden so oder so bleiben. Allein schon durch die Narbe. Immerhin reagierte Augenzeugin und Freundin Julia nicht geschockt. „Sie findet es nicht so schlimm.“ Und auch am Selbstbewusstsein des Weltmeisters hat weder die Niederlage noch das Kampfmal genagt. Der Blick in den Spiegel führt zur Erkenntnis: „Dat tut et noch!“

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