Nach dem EM-Erfolg: Zwei Wochen Pause für FG Aachen/Düsseldorf

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
7648698.jpg
Das letzte gemeinsame Bild der erfolgreichen EM-Mannschaft: FG-Cheftrainer Oliver Seefeldt (links) und sein „Co“ Bernd Waldschmidt mit den überglücklichen Tänzern der FG Aachen/Düsseldorf, von denen sich vier nach dem Triumph verabschiedeten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Bis in die frühen Morgenstunden wurde der EM-Titel gefeiert. „Um 5.30 Uhr lag ich im Bett, um 8 Uhr war ich wieder wach. Und mir wurde bewusst, dass wir Europameister sind. Da habe ich geweint.“

Der Tänzer der FG Tanzsportzentrum Aachen/TD TSC Düsseldorf Rot Weiß, der aus seinem Herzen keine Mördergrube machte, soll anonym bleiben. Doch das Zitat sagt aus, was für eine Sensation die Tänzer mit harter Arbeit geschafft haben. Oliver Seefeldt, seit 2006 FG-Cheftrainer, ordnet die Leistung mit EM-Gold, WM-Bronze sowie DM- und Bundesliga-Silber noch einmal ein und blickt auf die neue Saison voraus.

Wie fühlt sich der EM-Titel im Rückblick an?

Seefeldt: Es fühlt sich sehr, sehr gut an. Jetzt realisiert man erst, was man geleistet hat. Ich bin sehr stolz darauf, es ist toll, dass so etwas möglich ist. Wir haben acht Jahre lang mit allen Höhen und Tiefen hart dafür gearbeitet.

Wie haben Sie denn die Wertungen in der Arena Kreis Düren erlebt?

Seefeldt (lacht): Als die Wertung für Vera Tyumen so uneinheitlich war, habe ich nur gedacht, was ist das denn? Als Bremen nur drei Mal die Platzziffer 1 erhielt, dachte ich, die haben es nicht geschafft. Und als die Wertung für das zweite russische Team erfolgte, das Vierter wurde, dachte ich, das seien wir – und habe mich fragend umgedreht. Mein Team rief: „Wir kommen erst jetzt.“ Dann ging unsere Wertung hoch – und alles war klar, da ich Bremens 4 im Kopf hatte.

Bremens Trainer Roberto Albanese hat die Wertungsrichter, die ihm eine Platzziffer 4 und Vera Tyumen sogar zwei Mal eine 5 gegeben haben, böse kritisiert, weil sie nicht gut genug geschult gewesen seien.

Seefeldt: Also, ich denke, man darf nicht auf die Wertungsrichter hacken. Man muss es auch vorantreiben, dass Richter aus anderen Ländern ein Championat werten und nicht immer nur die gleichen. Nur so bringt man auch unseren Sport voran. Roberto hat Recht, es ist wichtig, dass die Richter gut geschult werden, aber auch, dass sie die Chance bekommen, zu werten.

Böse Zungen haben gesagt, hätte Bremen gewonnen, wären die Richter zwar unerfahren gewesen, hätten aber alles richtig gemacht. . .

Seefeldt (lacht): Sagen sie das. . ?

Vor Saisonbeginn gab es einige Fragezeichen. Sie mussten zehn Tänzer – sieben neue und drei Rückkehrer – integrieren. Das klappte gut.

Seefeldt: Ja, es ist eine tolle junge Mannschaft, die sich sehr schnell gefunden hat. Wir hatten während der Saison einige Probleme und Rückschläge, aber das Team hat immer voll dahinter gestanden. Gleich ob wir Trainer gesagt haben, wir trainieren nun fünf Mal die Woche, wir stellen das Team noch einmal um und müssen noch mehr trainieren. Egal, was war, das Team wollte das auch und hat immer mitgezogen, hat uns komplett vertraut. Dabei haben wir den Tänzern wirklich viel abverlangt.

Sie sprachen Probleme an. Ein Beispiel dafür sind die Pirouetten – bei der EM ein Highlight, das perfekt in allen Runden klappte.

Seefeldt: Zur DM im November hatten wir noch nicht die beste Bildentwicklung, da waren die Tänzer noch sehr auf sich konzen-triert. Zur WM fünf Wochen später waren die Bilder viel besser, dafür wurden die Pirouetten auf einmal im Wettkampf nicht mehr gestanden. Der „Höhepunkt“ war dann das Bundesliga-Turnier in Bremen. Die Mannschaft hatte auf einmal den Kopf nicht mehr frei beim Turnier, geriet in eine Stresssituation und hat die Pirouetten nicht mehr gestanden. Wir haben versucht, das Team wieder zu entspannen, haben zwei Paare umgestellt, wollten die Pirouetten aus den Köpfen bekommen. Wir haben diese nicht explizit zusätzlich trainiert, sondern immer wieder mal zwischendurch Pirouetten gedreht, bis das Team diese als ganz nebensächlich empfunden hat.

Sie greifen auch gerne in die psychologische Trickkiste, siehe etwa die veränderten Kleider und Frisuren der Tänzerinnen bei der EM.

Seefeldt: Ja, ich wollte erreichen, dass das Team die EM noch einmal als etwas Besonderes, etwas Neues angeht. Daher sind wir von unseren weißen zu roten Röcken gewechselt. Zudem steht die Farbe Rot für Angriff – und wir wollten ja angreifen. Aus dem gleichen Grund haben wir die offenen Lockenfrisuren der Frauen in einen Knoten und den Kopfschmuck verändert – das Team sollte fühlen, dass die EM etwas anderes ist.

Anfang Juni 2013 startete die gerade beendete Saison. Wie lange haben die Tänzer denn nun Urlaub?

Seefeldt: Zwei Wochen. Dann geht es los mit Basics und der Erarbeitung der neuen Choreographie. Ich bin bereits voll in der Planung, und nach dem EM-Erfolg habe ich gleich wieder richtig Spaß daran. Schon auf der Heimreise nach Berlin am Sonntag habe ich geplant.

Und die neue Choreographie wird natürlich wieder komplett anders?

Seefeldt (grinst): Wer mich kennt, weiß das. Ich kann schon so viel verraten: Es wird wieder ein geschlossenes Thema werden, und ich will eine Geschichte erzählen.

Es wird Veränderungen im Team geben. Vier Tänzer verabschieden sich.

Seefeldt: Ja, Nadine Frings, Sabrina Letzel und Noel Borchardt haben mit der EM ihre Karrieren beendet, da sie sich auf den Beruf konzen-trieren wollen. Und Marc Horvath geht im August für ein Urlaubssemester nach Asien. Wir haben schon neue Leute, die wir in den vergangenen Wochen bereits ins Team eingebaut haben. Weitere Neuzugänge haben sich angekündigt. Mitte Sommer werden wir daraus einen Kader von zehn Paaren formen, der die Chance bekommt, auf dem Parkett zu stehen.

Und wer nun Lust aufs Formationstanzen bekommen hat. . .

Seefeldt: . . . der ist bei uns jederzeit herzlich willkommen. Neben der Bundesliga-Mannschaft tanzt das zweite FG-Team in der Regionalliga. Und der Nachwuchs kann erste Erfahrungen im TSZ-A-Team in der Landesliga sammeln.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert