Maastricht - MVV Maastricht spielt um die Rückkehr in die Ehrendivision

MVV Maastricht spielt um die Rückkehr in die Ehrendivision

Von: Klaus Schmidt
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Zupacken, wenn sich die Chance bietet: René Trost, in der Ehrendivision mehr als 300 Mal für Roda Kerkrade am Ball, lässt MVV Maastricht wieder von der Erstklassigkeit träumen.

Maastricht. Das war eine böse Überraschung am Montagabend. Man hatte sich darauf eingestellt, die Tabellenführung zurück zu holen, und nun das: 3:4 im Nachholspiel gegen den FC Volendam. Da konnte auch der prominente Last-Minute-Zugang nach seiner Einwechslung nichts mehr retten, der seit August vereinslose Debütant Koen Daerden, ehemaliger belgischer Nationalspieler.

Schon in der Winterpause war der Vorsprung von MVV Maastricht um zwei Punkte geschmolzen, der niederländische Fußballverband hatte die Lizenz von AGOVV kassiert, den finanziell darbenden Klub aus der Ersten Division geworfen und die Spiele auf null gesetzt. Pech für MVV: Der Sieg gegen Apeldoorn war nichts mehr wert, der Verfolger der Profiteur – Sparta Rotterdam hatte in der Hinrunde remis gespielt gegen AGOVV. So startete MVV mit nur noch zwei Zählern Luft als Tabellenführer ins Jahr – und liegt jetzt (bei einem Spiel weniger) einen Punkt hinter Sparta.

Was gerade im Stadion „De Geusselt“ passiert, davon hatten sie vor drei Jahren nicht einmal zu träumen gewagt. „Das hat keiner von uns erwartet“, sagt René Trost, 48, der Cheftrainer. Sechs Millionen Euro Verbindlichkeiten nahmen dem Klub die Luft zum Atmen, erst im letzten Moment wurde die Insolvenz abgewendet.

Die Gemeinde Maastricht half mit dem Kauf des Stadions (1,8 Millionen Euro), die Gläubiger übten bis zu 60 Prozent Verzicht, der neue Vorstand verordnete einen rigorosen Sparkurs und eine neue Mentalität: weg mit den viel zu teuren Legionären, die bis zu 150 000 Euro pro Saison kassiert, aber kein Herz für Verein und Stadt hatten. MVV deckelte das Jahresgehalt auf maximal 50 000 Euro und setzte auf Charaktere und junge Spieler, die das Wort „Vorbildfunktion“ mit Leben erfüllten. Seit Ende letzten Jahres darf sich Maastricht „finanziell gesund“ nennen: Der Verband (KNVB) stufte den Klub in Kategorie 3 ein, besser geht’s nicht. „Dafür haben wir auch hart gearbeitet“, sagt Paul Rinkens, MVV-Vorsitzender.

Die „Maastrichtse Voetbal Vereniging“, am 2. April 1902 als MVC (Maastricht Voetbal Club) gegründet, gehörte lange zum Inventar der Ehrendivision. Das Gründungsmitglied startete 1956/57 mit der bis heute besten Platzierung (Vierter), in der „ewigen Tabelle“ liegt MVV auf Rang 13. Nach dem ersten Abstieg 1976 folgte ein ständiges Auf und Ab, zuletzt war der Klub vor 13 Jahren erstklassig. Den sportlichen Tiefpunkt erlebte Maastricht in der Saison 2003/04 als Tabellen-18. und Vorletzter.

Nun wirft der in der Not entworfene Dreijahresplan seine Früchte ab, daran hat natürlich auch der Trainer seinen Anteil. Seit Juli 2010 ist René Trost, der fast 15 Jahre lang und mehr als 300 Mal in der Ehrendivision für Roda Kerkrade verteidigte, im Amt. Man sagt, er sei der richtige Mann im richtigen Moment gewesen.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn 1998 hatte Trost als Assistent unter Sef Vergoossen, Georges Leekens und Wiljan Vloet gearbeitet. In Belgien (Maasmechelen, Lierse SK, Lommel) schwamm er sich als Chefcoach frei, wurde dann Leiter der Jugendabteilung bei Roda und erneut Co-Trainer (von Harm van Veldhoven). Der latente Sparzwang auch in Kerkrade kostete Trost eine Vertragsverlängerung. „Aber dann kam MVV, das war mein Glück“, sagt der Ex-Profi. Ausgerechnet Maastricht. „Das ist nach fast 28 Jahren insgesamt bei Roda so, als wenn du von Schalke nach Dortmund gehst. Aber es war die richtige Entscheidung.“

Trotz acht Strafpunkten (verhängt nach den wirtschaftlichen Exzessen des Klubs) führte René Trost die neu formierte Mannschaft in seiner ersten Saison auf Platz zehn. „Es war ein Risiko auch für mich. Doch wir haben gesagt, wir packen das jetzt mal an“, mit nur 16 Spielern, die das Vertrauen des Trainers spürten und zurückzahlten. Achter wurde MVV ein Jahr darauf, „eine Saison ohne Ausreißer“. Trost findet dafür ein herrliches, typisch niederländisches Bild: „Es war so, als wenn du lange Haare haben willst, die Haare aber noch kurz sind – alles dazwischen ist nicht schön.“

Inzwischen sind die Haare ordentlich gewachsen. Das Team um den belgischen Kapitän und Mittelfeldspieler Tom van Hyfte, bis Montag nur ein Mal ausgerechnet durch den Widersacher Sparta Rotterdam geschlagen (0:1), grüßte wochenlang als „koploper“ von der Tabellenspitze. Außerplanmäßig, unter den ersten Fünf wollte man landen und sich für die Play-offs zur Ehrendivision qualifizieren. Aber Meister und Direkt-Aufsteiger?

„Wir haben einen enormen Sprung gemacht“, sagt René Trost. „Und wenn du so nah dran bist, dann willst du auch hoch.“ MVV ist bislang, anders als die Konkurrenz, ohne Schwächeperioden durch die Saison gesteuert. „Wenn wir das halten können und keine Probleme durch Verletzungen oder Sperren bekommen, dann könnte es reichen, um am 3. Mai mit der Schale dazustehen.“ Nach dem letzten Spiel gegen den alten Rivalen Fortuna Sittard.

Castro hält, Schreurs trifft

Maastrichts Stärke ist vor allem ein pflegeleichter, homogener Kader. „Die Spieler korrigieren vieles untereinander. Als Trainer braucht man da nicht mehr viel zu sagen und kann die ganze Energie in Fußball stecken.“ Trost hat keine herausragenden Einzelkönner wie im vergangenen Jahr Prince Rajcomar (jetzt Sittard), „wenn der einen schlechten Tag hatte, wurde es schwierig für uns“. Namhaftester Profi neben Koen Daerden ist der langjährige Roda-Keeper Bram Castro, für die meisten Tore (neun) zeichnet Danny Schreurs verantwortlich.

Der Mittelstürmer kehrte im letzten Sommer nach Stationen in Sittard, Zwolle und Tilburg zu seinem Jugendverein zurück, treibt seinen Trainer zwar manchmal an den Rand der Verzweiflung, „wo ich denke: Jetzt nehme ich ihn raus. Aber ich lasse ihn dann doch auf dem Feld“, weil er immer für die eine Aktion gut sei.

15 Spiele liegen noch vor René Trost und seiner Mannschaft, mit Wochen im Freitag-Montag-Freitag-Rhythmus. Da könne man sich, von der Belastung her, „ein bisschen wie der FC Barcelona fühlen“, natürlich auf einem anderen Niveau und augenzwinkernd gesagt. Sein Vertrag läuft aus, Trost und die Klubführung stehen bereits im Austausch darüber, was bei MVV noch möglich ist. „Wir haben uns drei Jahre perfekt verstanden, aber ich will auch den nächsten Schritt nach vorne machen. Es wird keine einfache Entscheidung.“ Vielleicht lasse er sein Gefühl sprechen. „Meine besten Jahre als Fußballtrainer müssten ja erst noch kommen . . .“

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