Monschau-Marathon: Von Bluffern, Belgiern und Bestzeiten

Von: Bernd Schneiders
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Monschau Marathon
Duell vor malerischer Kulisse: Die Eifelläufer Christian Niessen (links) und Markus Werker wollen den Sieg beim Marathon. Foto: Heiner Schepp
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Dieses Duo will den Streckenrekord knacken: Jerome Hilgers-Schütz (rechts) und sein Tempomacher Christoph Gallo. Foto: Andreas Gabbert

Konzen. Seine Worte sind nicht in Stein gemeißelt. „Ich will nur ankommen“, behauptet der Steinmetz. Eigentlich sei es „nur ein Trainingslauf“. Doch die Konkurrenten von Langläufer André Collet mögen das nicht so recht glauben. Überraschend steht die Lauf-Ikone der Aachener TG auf der Starterliste für den 39. Monschau-Marathon.

Überraschend deshalb, weil es der 43-Jährige einmal nach seiner zweiten Fersen-Operation ruhig angehen lassen wollte und zum anderen sich mehr auf Ultraläufe konzentrieren wollte, wie zuletzt beim 100-km-Lauf in Doha.  Und plötzlich taucht er fürs 42-Kilometer-Rennen am Sonntag in Monschau aus der Versenkung auf. Sollte es etwa stimmen, was Kurt Koll vermutet? Der Elftplatzierte des letzten Jahres startet diesmal über die Ultra-Strecke (56 Kilometer) und sagt grinsend: „Ich glaube, Collet geht mir aus dem Weg.“ Der nimmt diese Theorie mit Humor. „Ich habe großen Respekt vor großen Namen.“

Wohl näher der Wahrheit aber kommt seine Behauptung: Nach einem Jahr Pause habe er absolut keine Form. Die Nachricht hören die Konkurrenten wohl, allein ihnen fehlt der Glaube. Was den erfahrenen Läufer, der auch alle mentalen Tricks kennt, schmunzeln lässt. Und nach einiger Beharrlichkeit gibt er zu: „Ich hoffe nicht, dass irgendwann die Pferde mit mir durchgehen. Dafür müsste ich sicherlich teuer bezahlen.“ So ganz abwegig erscheint dies auch seiner Lebenspartnerin nicht, die weiß, dass ihr André ein Siegergen eingepflanzt hat.

Ohne Pferde aber ist Collet bereits mit einer Zeit von drei Stunden zufrieden. Gezogen werden soll er dabei von seinen ATG-Kollegen Stefan Schnorr und Philipp Nawrocki.  „Das alte Meisterschafts-Team“, grinst Collet. Klare Favoriten sind für den Steinmetz und Bildhauer zwei Belgier: Christoph Gallo und Jerome Hilgers-Schütz, die für AC Eifel starten. Gallo reist mit einer Bestzeit von 2:26:12 (Frankfurt-Marathon 2014) an. Sein Trainingspartner und Trainer Hilgers-Schütz kann eine 2:27 nachweisen.

„Im Vergleich mit einer Stadtstrecke muss man beim Monschau-Marathon erfahrungsgemäß circa zehn Minuten draufrechnen“, ordnet Collett ein, der letztes Jahr als Erster bei 2:39:09 über die Ziellinie lief – vor den „Einheimischen“ Markus Werker (Konzen) und Christian Niessen (Schmidt). Für das deutsche Eifel-Duo sieht er normalerweise nur eine Siegerchance. „Ich habe gehört, dass die Belgier Streckenrekord laufen wollen. Das ist nicht ungefährlich, dabei kann man auch einbrechen. Und dann wären Niessen, der großes Potenzial besitzt, und Werker da.“

Der Streckenrekord von 2:33:12 datiert aus dem Jahr 1990, aufgestellt vom ATG-Läufer Michael Reuel. „Wenn Christoph Gallo auf Monschau hin trainiert hat, wird er mit Sicherheit fallen“, glaubt Christian Niessen, der den Belgier bei dessen Sieg vor dreieinhalb Wochen über 10 km in Gemünd live erleben durfte. „Wenn der ernst macht . . .“

Und auch Collet und seinen Kollegen nimmt er die fehlende Fitness nach der langen Verletzungspause nicht ganz ab. „Die laufen auch ohne Training unter drei Stunden.“ Mit Stefan Schnorr teilte sich Niessen vor dreieinhalb Wochen beim 10-km-Lauf in Obermaubach den Sieg. „Wir hatten beide nicht mehr die Kraft zu spurten.“ Und so sprachen sie die gemeinsame Zielüberquerung ab.

Für den Schmidter war es Teil der Trainingsvorbeitung auf Monschau, seinen Saisonhöhepunkt, nachdem er den Marathon in Rom im April bei Kilometer 19 verletzungsbedingt abbrechen musste. Nach vierwöchiger Trainingspause startete der Schmidter, der bei der Berufsfeuerwehr in Aachen arbeitet, das Projekt Monschau-Marathon. Neun Wochen harte Vorbereitung  mit dem erklärten platzierungsfreien Ziel: „Ich will auf jeden Fall schneller als letztes Jahr sein.“ Unter 2:47:03 also, „ich bin optimistisch, da ich mich sehr gut fühle und auch nicht mehr den Fehler machen werde, zu schnell anzugehen.“

Das nimmt sich auch Markus Werker vor, der bereits zwei Mal die Eifel-Tour gewonnen hat. Er sei ebenfalls zu schnell angegangen letztes Jahr, aber auch, „weil ich den falschen Plan hatte, der nicht zur Tagesform passte und nicht flexibel genug war, ihn so kurzfristig zu modifizieren“. Das soll jetzt anders werden. Und der 29-Jährige rechnet sich durchaus Sieg-Chancen aus. „Ich werde es versuchen.“

Triumph im eigenen Dorf?

Den großen Favoriten etwa wegen der Bestzeit sieht er nicht, denn „der Monschau-Marathon ist speziell.“ Der Ingenieur, der bei einem Kfz-Unternehmen in Alsdorf arbeitet, war zwar zuletzt beruflich stark eingespannt. Doch trotz etlicher Dienstreisen ins Ausland ist die Vorbereitung gut gelaufen. Für ihn als Lokalmatador ist die Motivation, ganz vorne zu landen, besonders hoch. „Es ist umso schöner, im eigenen Dorf zu gewinnen“, sagt der Konzener. Druck durch die Heimsituation sieht er nicht. „Das ist nur Ansporn für mich. Den Druck mache ich mir nur selbst, der kommt nicht von anderen.“

Jeder läuft erst einmal für sich, und deshalb stimmt der Gewinner des Jahres 2013 mit seinem Eifel-Konkurrenten Christian Niessen überein: „Mit einer Rivalität zwischen Konzen und Schmidt hat das gar nichts zu tun. Wir kennen und schätzen uns alle. Und ich gönne jedem, der schneller ist als ich, zu gewinnen.“  Für Werker ist der 39. Monschauer Marathon bereits sein zwölfter. „Auf meinen ersten habe ich gewartet, bis ich 18 war.“ Eine gute Gelegenheit, den dritten Sieg einzufahren.

Dabei wird ihn der als großer Favorit gehandelte Christoph Gallo nur indirekt stören. „Ich werde nur den Tempomacher für meinen Trainer spielen“, erklärt der ostbelgische Landwirt. „Wenn ich nicht mehr kann, steige ich aus.“ Der 26-Jährige wird in diesem Jahr überhaupt nicht die 42-Kilometer-Strecke bewältigen.

„Ich laufe lieber kürzer und öfter. Einen Marathon kannst du maximal nur zwei Mal im Jahr laufen, ansonsten ist die Belastung zu groß. Zehn Kilometer dagegen jede Woche.“ So gibt er am Sonntag eine hochkarätige Zugmaschine für Jerome Hilgers-Schütz, seinem 40-jährigen Trainingspartner.  Die große Chance für Niessen, Werker oder etwa doch „Tricky“-Collet?

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