Mohrs „perfekter Sprung”: 5,90 Meter auf dem Katschhof

Von: Heribert Förster
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Jubelnd schon im Fallen die Arme hochgerissen: Malte Mohr lieferte auf dem Katschhof den perfekten Sprung ab und gewann das sechste Domspringen mit 5,90 Metern. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Es war das sechste Domspringen in Aachen, und man könnte zum sechsten Mal Lobeshymnen ohne Ende verfassen. Wer schon einmal ein Springen auf dem Katschhof im Herzen Aachens erlebt hat, wird jede Arie mit anstimmen. Um es abzukürzen: Das „NetAachen Domspringen” ist eine richtig, richtig gute Veranstaltung.

Und so ist es kein Wunder, dass sich Lars Börgeling, 31, den historischen Platz zwischen Dom und Rathaus ausgesucht hatte, um seine erfolgreiche Karriere zu beenden. „Es war genau richtig, hier noch einmal zu springen. Aachen ist der richtige Rahmen, um Tschüss zu sagen”, verkündete der Leverkusener gerührt.

Es war der erste emotionale Höhepunkt des Abends, dem noch ein spektakulärer folgen sollte. Für den war einzig und allein Malte Mohr zuständig, der faszinierende Flugstunden zelebrierte. Nicht, dass er mit seinem zweiten Versuch 5,76 Meter meisterte und Björn Otto (5,75 m/2009) als Meeting-Rekordhalter ablöste. Schon im Fallen machte Mohr das Victory-Zeichen, so, als wisse er, es geht heute noch höher hinaus. Mohr, bei der EM noch enttäuscht im geschlagenen Feld, ließ 5,90 m auflegen - und meisterte die Höhe blitzsauber im ersten Versuch!

La Ola, standing ovations, ein tobender Katschhof. Persönliche Bestleistung, deutsche Jahresbestleistung. Und dann ließ der Münchner, der am vergangenen Freitag beim Diamond-Legue-Meeting in Brüssel mit 5,85 m Jahresbestleistung gesprungen war, gar 5,95 Meter auflegen - Weltjahresbestleistung. Kein Zuschauer saß mehr, als der Deutsche Meister diese Höhe in Angriff nahm. Vergeblich, noch vergeblich. Dennoch: „Es war perfekt”, sagte der Sieger, der am Morgen noch Zweifel hatte, überhaupt springen zu können, weil er sich unwohl fühlte. „Aber bei der Atmosphäre hier... Es war einfach geil.”

Bei Mohrs umjubelten Versuchen hatten sich einige prominente Springer schon längst verabschiedet. Aus verschiedenen Gründen. Der französische Vize-Weltmeister Romain Mesnil kam mit der Anlage nicht klar, die in dieser Saison arg von Verletzungen gebeutelten Tim Lobinger und Björn Otto mussten ebenfalls nach übersprungenen 5,41 Metern passen.

Für Otto war es immerhin Jahresbestleistung, und Lobinger spielte mal wieder perfekt die Rolle des Entertainers. „Ich habe jetzt noch zwei Jahre Zeit. Ich will hier endlich einmal gewinnen! Vielleicht sollte ich alle Meisterschaften auslassen und mich nur noch auf Aachen vorbereiten”, sagte der Mann, der morgen 38 Jahre alt wird.

Richtiger Strahlemann

Lobinger und Otto enttäuschten nicht, dagegen ein bisschen Fabian Schulze und Raphael Holzdeppe. Die beiden EM-Teilnehmer pokerten nach souverän überquerten 5,41 m, ließen 5,51 m aus - und scheiterten dreimal an 5,61 m, so dass sich Ex-Weltmeister Brad Walker - er musste nach zwei Versuchen über 5,61 m verletzt aufgeben - und Wout van Wengerden vor den beiden Deutschen platzierten.

Apropos Wout van Wengerden: Der Niederländer ist ein richtiger Strahlemann, der jede Sekunde des Abend genoss, persönliche Jahresbestleistung sprang mit 5,51 m. Natürlich wurde er dafür gefeiert. Bei der Stabhochsprung-Party in Aachen. Die auch nächstes Jahr wieder stattfinden dürfte. Malte Mohr jedenfalls hat schon zugesagt: „Ich komme wieder.”
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