Aachen - Mit Totilas auf das falsche Pferd gesetzt?

Mit Totilas auf das falsche Pferd gesetzt?

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
10635847.jpg
Gedämpfte Freude: Matthias Alexander Rath und Kristina Bröring-Sprehe nehmen etwas gequält an der Siegerehrung teil. Die Amazone hat mit dem dritten Platz in der Einzelwertung noch gute Chancen auf weitere Medaillen. Foto: Uwe Anspach

Aachen. Der Kater kam unvermittelt und mit aller Härte. Gold hatte es werden sollen, doch nach zwei schweißtreibenden Tagen hielt der Titelverteidiger nur Bronze in der Hand. Und musste sich die Frage stellen, ob man aufs falsche Pferd gesetzt hatte.

Das Duell Valegro gegen Totilas, vielleicht ein Dreikampf mit Desperados – die Einzelmedaillen schienen im Vorfeld verteilt, Team-Gold sowieso. Doch da gab es den lachenden Dritten: Angeführt von einem überragenden Edward Gal auf Undercover gewannen die Niederlande mit 235,629 Prozentpunkten Gold. Auch Großbritannien (234,229) zog noch an Deutschland (korrigierte 230,914) vorbei.

„Es ist wunderbar, es fühlt sich gut an. Wir haben ein tolles Team und sind sehr glücklich“, freute sich Edward Gal über Gold und Platz 2 im Grand Prix hinter der Britin Charlotte Dujardin, die auf Valegro trotz Fehlern wie im Zickzack und in den Einerwechseln mit 83,029 Punkten an der Spitze stand und Top-Favoritin für die Einzelmedaillen ist.

Als Kristina Bröring-Sprehe (Dinklage) mit Desperados als letzte Starterin ins Viereck ritt, war Gold für Deutschland schon so gut wie verloren. Satte 84 Prozent hätte Desperados holen müssen, und der Hengst legte mächtig vor. Doch Fehler in den Piaffen und im Zickzack warfen die 28-Jährige auf 79,743 Prozentpunkte zurück – nach Gold war auch Silber aus der Hand gerutscht.

„Wir haben im Rahmen der Möglichkeiten gekämpft, andere waren diesmal besser, das müssen wir akzeptieren“, erklärte Bundestrainerin Monica Theodoresu. „Jessica hat eine gute Leistung gezeigt, ebenso Isabell, die für ihren Fehler in den Einerwechseln zu hart bestraft wurde.“ Championatsdebütant Jessica von Bredow-Werndl (Tuntenhausen, 75,2) auf Unee BB und Isabell Werth (Rheinberg; 74,9) auf Don Johnson hatten 150,100 vorgelegt, das war die knappe Führung nach Tag eins gewesen – deutlich weniger als erhofft.

Am Donnerstag nun folgte Totilas, der Hoffnungsträger: Doch der 15-jährige Hengst trat im Trab hinten deutlich ungleich. Einige zaghafte Pfiffe ertönten von den Rängen – wegen der ungleichen Tritte, oder weil die Anzeige der offenen Bewertung ausgerechnet bei diesem Ritt nicht funktionierte? Totilas rettete sich in den Galopp, der sein Problem kaschierte, zwei Fehler in den Einerwechseln kosteten weitere Punkte. Matthias Alexander Rath und Totilas ließen Richter und Zuschauer im Zwiespalt.

„Ich habe das von meiner Position aus nicht gesehen“, kommentierte Theodorescu – und auch die Richter hatten nicht alle genau hingeschaut: Magere 71,9 aus Dänemark und 72,9 ausgerechnet von der deutschen Richterin Katrina Wüst standen je 80,1 aus Dänemark und Großbritannien gegenüber. Erboste Pfiffe der Zuschauer über die vermeintlich zu schlechte Bewertung gellten durch Stadion.

„Es kommt immer darauf an, wo man als Richter sitzt. Auf der langen Seite sieht das anders aus, als wenn man an der kurzen Seite sitzt“, versuchte sich der niederländische Chefrichter Eduard de Wolff van Westerrode an einer Erklärung für die großen Differenzen in den Benotung.

„Ich war im Großen und Ganzen zufrieden, 72 Prozent verstehe ich nicht. Ich muss die Protokolle ansehen, zig Leute sagten, dass es gut war, und da sind keine Amateure um mich herum“, hatte Rath keine Probleme während der Prüfung gefühlt. Auch die erneuten Fehler in den Einerwechseln nicht, „man hat mir gesagt, ich hätte zwei gemacht...“. Die Frage im Hinblick auf den Start im Spécial am Samstag, in dem die ersten Einzelmedaillen verteilt werden, verwunderte Rath – um 16 Uhr: „Ich will auf jeden Fall starten.“ Fünf Stunden später sagte Rath hörbar kleinlauter nur: „Das werden wir am Freitag sehen. Wir müssen, was der Tierarzt sagt.“ Wetten wird auf einen weiteren Start von Totilas allerdings niemand...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert