Aachen - Mit „Showstars“ Chancen auf den WM-Titel

Mit „Showstars“ Chancen auf den WM-Titel

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
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Mit-Favorit: die FG Aachen/Düsseldorf. Foto: Sport/Baumann
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Hat die neue Bewertung mit entwickelt: Bundestrainer Horst Beer.

Aachen. Als die Wertungsrichter bei der Deutschen Meisterschaft der Lateinformationen in Ludwigsburg die Tafeln hochhielten, war die Enttäuschung der Aachener grenzenlos. Neun Mal gab es die Platzziffer 1 für Titelverteidiger und Weltmeister GGC Bremen, neun Mal die 2 für die FG Tanzsportzentrum Aachen/Düsseldorf.

Eine klare Wertung. Oder doch nur vermeintlich klar? Denn bisher konnten die Richter nur absolute Wertungen abgeben. Bei der Weltmeisterschaft 2014 wird sich das ändern: Wenn am Samstag in Bremen insgesamt 18 Formationen aus zehn Nationen aufs Parkett gehen, wird erstmals das neue Bewertungssystem 2.1 getestet.

„Ich bin begeistert, dass es ein neues System geben wird. Ich denke, das wird bei der WM ganz spannend“, erhofft sich FG-Cheftrainer Oliver Seefeldt eine nachvollziehbarere Bewertung als bei der DM. Neun Mal die 2 – das war für den amtierenden Europameister, der mit seiner neuen Choreographie „Showstars – Rise and Shine“ das Publikum klar hinter sich hatte, wie ein Schlag ins Gesicht gewesen. „Das war hart, gar nicht mal, weil wir wieder Zweiter hinter Titelverteidiger Bremen geworden sind, aber die vermeintliche Klarheit des Ergebnisses hat schon weh getan. Gerade daher wird es so spannend, bei der WM zu sehen, wo wir stehen.“

Bundestrainer Horst Beer ist sich sicher: „Ich erwarte, dass es engere Ergebnisse geben wird als zuvor.“ Der 56-Jährige, mit Ehefrau Andrea selbst Latein-Weltmeister und mit seinem früheren Team TSG Bremerhaven siebenfacher WM-Sieger, hat das neue Wertungssystem mitentwickelt. Statt der üblichen sieben (nur bei der DM sind es neun) werden am Wochenende zwölf Wertungsrichter die Darbietungen benoten. „Bei der großen Anzahl von Richtern ist eine Beeinflussung schwieriger“, so Beer.

Computer entscheidet

Somit werden „nationale Wertungen“ – wie etwa der russische Richter für Russland, der deutsche immer für den Deutschen Meister – nicht mehr so gravierend ins Gewicht fallen. Je drei Richter betreuen eins der vier Wertungsgebiete, welche drei und welches Gebiet bestimmt alleine der Computer – und zwar für jede Runde neu. „Die Ergebnisse werden kontrollierbarer, die Richter können sich schlechter herausreden, wenn sie auf ihre Einschätzungen angesprochen werden, da sie künftig nur ein klar begrenztes Gebiet benoten müssen“, erläutert der Bundestrainer (siehe auch: Sofort nach dem...). „Und die Wertung ist kein Einheitsbrei, weil ein Richter nicht mehr alles wie in einer einzigen Platzziffer ausdrücken muss.“

Getestet wurde das neue Wertungssystem 2.1 erstmals Anfang November bei der WM der Standardformationen, bei der der Braunschweiger TSC ganz knapp mit sensationellen 38,786 (von 40) Punkten vor Vera Tyumen aus Russland (38,214) gewann. Ähnlich knappe Ergebnisse – und somit auch viel mehr Spannung – erwartet Beer am Samstag auch bei der WM der Lateinformationen. „Ich denke, es wird ein faireres Ergebnis geben, wobei ich nicht sagen will, dass es früher unfair zuging. Aber diese neue Wertung kann man besser nachvollziehen“, ist der 56-Jährige sicher.

Objektiver, transparenter und ein Hinweis für die Formationen, auf welchem Gebiet ihre Leistungen top sind und auf welchem vielleicht noch etwas zu verbessern ist – das neue System bietet verschiedene Blickwinkel.Eine so (vermeintlich) klare Wertung wie bei der DM ist nicht zu erwarten. Beer: „Nach der Vor- und Zwischenrunde in Ludwigsburg war nichts klar, aber im Finale hat Bremen richtig Gas gegeben. Da können die Richter auch alle eine Platzziffer 1 ziehen. Aber man sieht eben nicht, wie weit Aachen/Düsseldorf wirklich dahinter lag. Im neuen System schon.“

Und das könnte auch ganz interessante Ergebnisse bringen. „Ich könnte mir vorstellen, dass Bremen tänzerisch mehr punktet, aber die FG in Sachen Kreativität die Nase vorne hat“, wagt Beer – mit Blick auf die DM-Leistungen – eine Prognose. Und nicht zu vergessen die starken Russen oder Litauer, die sehr synchron auftreten, während in Deutschland der Schwerpunkt auf dem Tänzerischen liegt. Russland könnte also in diesem Wertungsgebiet entscheidend punkten. „Die Standard-WM hat gezeigt, dass das neue Wertungssystem für Mannschaften mit hohem tänzerischen Potenzial von Vorteil ist.“ Was – neben dem Heimbonus – für Titelverteidiger Bremen sprechen dürfte. „Beide deutsche Teams zeigten sich auf der DM gut vorbereitet, beide haben große Chancen auf den Titel. Bremen darf auf jeden Fall kein Finale so wie die DM-Vorrunde tanzen“, sieht der Bundestrainer Aachen/Düsseldorf, aber auch die Russen auf Augenhöhe.

FG-Formation austrainiert

Zweieinhalb Wochen sind seit der DM vergangen, in denen die FG-Formation hart gearbeitet hat. „Die Mannschaft ist richtig austrainiert, alle Tänzer sind topfit und gut drauf“, ist Oliver Seefeldt sehr zufrieden mit der WM-Vorbereitung. Wie immer hat er nach der DM weiter an der Choreographie gefeilt und vor allem in der gefühlvollen Rumba-Passage noch kleine Änderungen vorgenommen, die die schöne Choreographie weiter unterstreichen. „Da habe ich einen Gimmick rausgenommen, das ist jetzt reines Lateintanzen“, hat Seefeldt die Schwierigkeiten vor der WM weiter erhöht.

Ohnehin ist die Choreographie ein wahrer Hingucker mit vielen Einfällen, wie etwa der Charleston-Einlage zur Musik aus der Muppet-Show. Bei der DM kam das beim Publikum richtig gut an. „Ich bin schon sehr gespannt, wie die internationalen Wertungsrichter unsere neue Choreographie beurteilen“, ist dem FG-Coach die Vorfreude auf die WM deutlich anzumerken.

Tanzsportfans, die nicht in Bremen dabei sein können, sollten am Samstag um 23.15 Uhr ihren Fernseher einschalten: Der NDR überträgt das WM-Finale live.

Bekanntgabe des Ergebnisses sofort nach dem Auftritt

Bei der Wertung 2.1 betreuen je drei Richter, die der Computer „zusammenwürfelt“, ein Wertungsgebiet. „Die Ergebnisse werden so kontrollierbarer, die Richter können sich schlechter herausreden, da sie künftig nur ein klar begrenztes Gebiet bewerten müssen“, erläuert Bundestrainer Horst Beer. Wertungsgebiete sind Technische Qualität, Bewegungen zur Musik, Teamharmonie sowie Choreographie/Präsentation. Die Noten reichen von 1 (sehr schlecht) bis zu 10 (außergewöhnlich), und es sind erstmals auch Abstufungen von 0,5 Punkten möglich.

Der Computer errechnet einen Punktwert je Komponente. Nur der mittlere der drei Werte geht vollständig, der obere und untere Punktwert gehen reduziert in die Bewertung ein. Hierbei berücksichtigt der Computer den jeweiligen Abstand vom mittleren Wert. Je weiter entfernt davon der Punktwert ist, desto weniger zählt dieser im Endwert der Komponente. Die so errechneten Punktwertungen aller vier Komponenten werden addiert. „Ausreißer werden vermieden“, ist Beer sicher.

Neu ist zudem, dass die Bewertung in allen Runden, auch im Finale, unmittelbar nach dem Auftritt einer Mannschaft abgegeben wird.

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