Mit 70 Abschied vom Leistungssport

Von: Wilhelm Peters
Letzte Aktualisierung:
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Ende der Karriere: Manfred Steinhart – hier mit Elke Rongen – legt den Schläger aus der Hand.

Aachen. Wenn Manfred Steinhart von seinen sportlichen Erfolgen erzählt, wird schnell deutlich, worum es dem Para-Badminton-Athleten der BSG Aachen fast ein ganzes Leben lang ging: um ein Stück Lebensqualität. Und es ging um Dankbarkeit dafür, dass er überhaupt Sport treiben kann.

Dass dabei WM-, EM- oder DM-Medaillen heraussprangen, ist für Steinhart eher ein Nebeneffekt gewesen. So genau weiß der Aachener nicht, wann er wo welche Medaille geholt hat, er müsste erst in seinen Unterlagen nachsehen. Nun, mit 70 Jahren, hat Steinhart sein Equipment, den Spezial-Rollstuhl, die Badmintonschläger und alles Zubehör an andere Behinderte weitergegeben. Steinhart hat seine Karriere als aktiver Sportler, der vor allem im Para-Badminton Siege und Treppchenplätze sammelte wie andere Briefmarken, nach über einem halben Jahrhundert mit zuletzt einer Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften im Doppel (Partner David Holz) und Silber im Mixed (Partnerin Elke Rongen) beendet.

Eine Karriere, von der Steinhart in jungen Jahren nicht wissen konnte, dass sie überhaupt stattfinden kann. Die Lebensplanung war nämlich eine ganz andere, als das Schicksal gnadenlos zuschlug. „Ich war 17 Jahre, als ich diesen Arbeitsunfall hatte“, erzählt er. Die Lehre als Elektromonteur war jäh beendet. „Ich bin von einem Hausdach an der Lütticher Straße in Aachen abgestürzt.“ Wirbelbrüche, Querschnittslähmung und ein Leben im Rollstuhl waren die Folge. „Die Beine waren betroffen, die Arme nicht“, erzählt Steinhart.

Heute sagt er: „Ich bin froh und dankbar, dass ich überhaupt Sport ausüben konnte.“ Nun hört ein Leistungssportler ja nie so ganz auf, nachdem er seine aktive Laufbahn beendet hat. Abtrainieren ist eine notwendige Maßnahme. Zum Beispiel mit dem Handbike, einem Spezialfahrrad eben mit Handbetrieb, das er schon lange besitzt. „Die Vennbahntrasse gefällt mir. Manchmal bin ich 1500 Kilometer im Monat mit dem Handbike unterwegs gewesen, im Urlaub in Holland in vier Wochen auch schon mal 2000 Kilometer“, erinnert sich Steinhart. Das war in Zeiten, als er Para-Badminton als Leistungssport betrieb. So viele Kilometer in kurzer Zeit will er nun nicht mehr fahren.

Sehr wohl nimmt er das Handbike in seinem Wohnmobil mit, wenn es Ende dieser Woche für einige Zeit in Richtung Bodensee und Elsass geht. „Mit dem Wohnmobil, meinem 5,3-Tonner, der komplett auf Handbetrieb umgebaut ist, waren wir schon in fast ganz Europa – vom Kaukasus bis Island“, freut sich Steinhart nun auf die kommende Reise mit Ehefrau Annemarie. Sie hat ihn immer begleitet, hat wie er den Übungsleiterschein für Behinderte und „war oft genug Betreuerin der deutschen Mannschaft bei den großen Wettkämpfen in aller Welt“, ist Steinhart dankbar, „dass meine Frau immer mitgespielt und für die Mannschaft gearbeitet hat“. Ehrenamtlich natürlich. Sie trug einen Großteil dazu bei, „dass bei mir zu Hause hömmele Pokale stehen. Ohne sie wäre das alles sehr, sehr schwierig gewesen.“

Jetzt beendet er eine großartige Karriere. „Der Körper lässt sich nicht mehr überlisten. Ich bin 70, und das ist das richtige Alter, Schluss zu machen mit dem Leistungssport. Der Aufwand, zu den Turnieren zu reisen, wird mir zu groß, die Gelenke wollen auch nicht mehr so recht. Und alles ist auch sehr kostenintensiv“, zählt der dreimalige Vizeweltmeister auf. Der Behindertensportgemeinschaft Aachen bleibt Steinhart als Mitglied erhalten. Und er will sich „Zeit nehmen für andere Dinge“. Reisen mit dem Wohnmobil ist so ein „Ding“. Das Handbike immer im Gepäck.

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